Bauerntag „Der Klimawandel ist in der Landwirtschaft angekommen“

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (rechts) und Eberhard Zucker vom Bauernverband beim Bauerntag in Ilsfeld.
Landwirtschaftsminister Peter Hauk (rechts) und Eberhard Zucker vom Bauernverband beim Bauerntag in Ilsfeld. © Foto: Uwe Deecke
Uwe Deecke 13.01.2018

Mehrmals habe er sein Manuskript am Morgen zerknüllt und wieder in den Papierkorb geworfen, gestand Eberhard Zucker, als am Freitag beim Bauerntag in Ilsfeld ans Mikrofon trat. „Das Thema, das uns alle bewegt, ist Glyphosat“, sagte er zum Ergebnis der Sondierungsverhandlungen, in denen ein Verzicht auf das Mittel angestrebt wird. Die Landwirte gingen nicht nur damit verantwortungsvoll um, sondern auch mit der Haltung von Tieren. „Regionale Lebensmittel gab es noch nie so gesund und günstig“, sagte der Vorsitzende des Bauernverbandes.

Der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg blickte auf ein ereignisreiches Jahr 2017 zurück, auch was das Thema Glyphosat und den Klimawandel angeht. Die Frostschäden des Jahres 2017 sind für ihn ein außergewöhnliches Ereignis gewesen, „der Klimawandel ist in der Landwirtschaft angekommen und macht sich schmerzhaft bemerkbar“, bewertete er das abgelaufene Jahr.  Auch die Zunahme an Wildschweinen bereitet dem Landrat Sorgen. Die afrikanische Schweinepest sei in Polen und Tschechien verbreitet, und es gelte Maßnahmen zu ergreifen. Regelmäßige Übungen und Proben bei den Tieren strebt der Landkreis dafür an.

Peter Hauk, CDU-Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, fand dazu ebenso mahnende Worte. Die Frage sei nicht, ob sondern wann die Schweinepest bei uns auftauche. „Wenn die Seuche ausbricht, müssen vom Bestand 90 Prozent der Tiere erlegt werden“, so der Minister, eine Liberalisierung der Jagd sei aber auch ohne sie vonnöten. Die Zunahme der Wildschweine sei auch eine Folge des Klimawandels und dem damit verbundenen besseren Nahrungsangebot für die Tiere.

Die Ausgleichszahlungen für die Bauern nach dem Frost im April in Höhe von 50 Millionen Euro seien „eine ordentliche Leistung“, so Hauk, doch das lasse sich nicht zehn Mal hintereinander wiederholen. Er plädierte für eine „Mehrgefahrenversicherung“ wie sie in 18 anderen Staaten in Europa üblich sei und forderte, dies im Koalitionsvertrag festzulegen. Für das Insektensterben, so der Minister, seien keinesfalls die Bauern alleine verantwortlich. Nötig sei es die Ursachen zu erforschen und aufzuzeigen, wer für was verantwortlich ist.

„Schluss mit dem Bauern-Bashing“, forderte Hauk, Bauern, Jäger und Naturschützer müssten miteinander ins Gespräch kommen und die Interessen bündeln. Auch den regionalen Weinbau sprach der Minister an. Wie man sich dabei gut und erfolgreich vermarkte, habe er in Neuseeland erfahren. Dort habe man es in wenigen Jahren geschafft, die Marktführerschaft bei Spätburgunder zu erreichen, ein Beispiel, dem der Minister hier mit größerer Anbaufläche gerne folgen würde.

Als letzten Punkt wandte sich Hauk der EU-Politk zu. Das Festhalten am Zwei-Säulenmodell mit Direktzahlungen und Prämien zusammen mit einem höheren EU-Beitrag Deutschlands sei positiv für die Bauern, auch wenn der Agrarhaushalt um fünf bis zehn Prozent gekürzt werde.