Seit Sonntag 5. April ist die neue Sonderausstellung „Mord am Bönnigheimer Bürgermeister fertig.“ Rund ein Jahr haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Historischen Gesellschaft geplant, Exponate gesichtet und aufbereitet, und eine interessante Sammlung im Sonderausstellungsraum auf rund 50 Quadratmetern im Museum im Steinhaus, der Heimat des Schwäbischen Schnapsmuseums, zusammengestellt. Wann die Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, ist noch völlig offen. „Hoffentlich bald“, sagt Museumschef Kurt Sartorius und bekräftigt, dass die Ausstellung über das geplante Ende im Oktober hinaus verlängert wird.

„Die Ausstellung zeigt, dass in Bönnigheim einige Rekorde aufgestellt wurden“, erklärt Sartorius im Gespräch mit der BZ. Zum ersten Mal wurde nach dem Mord am Bönnigheimer Schultes Johann Heinrich Rieber – am 21. Oktober 1835 gegen 21.45 Uhr – die Kriminalballistik angewendet. Der Oberamtsrichter Eduard Hammer, der einen Tag später die Ermittlungen aufgenommen hatte, „muss ein sehr aufgeschlossener Richter gewesen sein“, erklärt Sartorius. So entdeckte Hammer besondere Riefen auf den Schrotkugeln von Riebers Leiche und ließ alle Gewehre in Bönnigheim beschießen.

Durch die ballistischen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Freudentaler Büchsenmacher Zerweck konnten diese als Tatwaffe ausgeschlossen werden. „Hammer konnte dies aber nicht veröffentlichen, weil die Tat noch nicht aufgeklärt war und der Täter sonst gewarnt gewesen wäre“, ordnet der Bönnigheimer Museumschef ein. Bisher galt Frankreich als Geburtsland der forensischen Ballistik, da Alexandre Lacassagne diese zum ersten Mal 1888 veröffentlichte. Dies war 53 Jahre später.

In der USA aufgeklärt

Rekordverdächtig sind für Sartorius, dass das Bönnigheimer Attentat auf Bürgermeister Rieber Deutschlands einziger Mordfall des 19. Jahrhunderts war, der in den USA aufgeklärt wurde und dass es 37 Jahre dauerte bis der Kriminalfall gelöst werden konnte: Im Jahr 1872, erreichte Bönnigheim der entscheidende Brief von Frederick Rupp aus den USA: Der Täter ist Gottlob Rüb, ein 31-jähriger, lediger Jägerbursche aus Stetten am Heuchelberg. Dieser wollte für das königliche Forstamt Stromberg im Bönnigheimer Schloss arbeiten, wo er abgelehnt worden war. Rüb gab dem Stadtschultheiß Rieber die Schuld. Er glaubte, Rieber habe ihm ein schlechtes Leumundszeugnis ausgestellt. Oberamtsrichter Hammer hat ihn nie verdächtigt.

Belohnung nach 183 Jahren

Bemerkenswert ist für Sartorius, dass es 183 Jahre dauerte, bis nach dem Verbrechen die Belohnung ausbezahlt wurde. 1835 hatte die Stadt Bönnigheim 200 Gulden angeboten, für Hinweise zur Identifikation des Täters. 2018 reisten der damaliger Bönnigheimer Bürgermeister Kornelius Bamberger und Buchautorin Ann Marie Ackermann in die USA um die Belohnung an die Nachfahren von Tippgeber Frederick Rupp die Belohnung zu überreichen (die BZ berichtete).

„Uns stellte sich die Frage, wie kann man dies alles darstellen“, erklärte Sartorius den Beginn der Ausstellungskonzeption. Rund 80 Exponate werden nun im Steinhaus gezeigt, darunter Originaldokumente des Ermittlungsrichters Hammer, die vom Staatsarchiv in Ludwigsburg der Historischen Gesellschaft zur Verfügung gestellt wurden. Als Leihgabe vom Österreichischen Kriminalmuseum ist die Kopie eines „Tatortkoffers“, wie er damals verwendet wurde, zu sehen. Maßband, Hammer, Zange, Skalpell, Farbe und Pinsel waren damals bei Ermittlungen wichtig, aber auch ein Kruzifix, auf das die Zeugen früher schwören mussten. Außerdem werden  großkalibrige Gewehre aus der Zeit gezeigt, die auch Schrot abfeuern konnten. Solche Schrotkugeln waren es, die den Bürgermeister abends an seiner Wohnungstür trafen und denen er nach langer Qual schließlich erlag.

Historischer Film produziert

Von der Kolpingschule in Heilbronn wurde ein Film produziert. Er zeigt den Lebenslauf des Opfers sowie die Grabrede des damaligen Pfarrers, der den Mörder verfluchte. Außerdem wird die letzte Zeit vor dem Mord und die Flucht des Täters dargestellt, die diesen schließlich als Auswanderer bis in die USA in den amerikanisch-mexikanischen Krieg führte, wo er als Soldat auf dem Feld starb. „Alles mit Bönnigheimer Schauspielern“, freut sich Kurt Sartorius über die Unterstützung.

An der Ausstellung haben Ann Marie Ackermann, Grafiker Peter Schoenen, Silke und Daniel Seibold, Karin Potthoff, Jürgen Lais als Waffenkundler und Isabelle Balazc mitgearbeitet. „Wir haben viele neue Mitarbeiter für diese Ausstellung gewinnen können“, sagt Sartorius in seiner Funktion als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bönnigheim.