Lieder-Meisterkurs 27 japanische Studenten und das deutsche Kunstlied

Eine Woche lang werden 27 Studenten von deutschen Dozenten im Freudentaler Schloss begleitet und in der hohen Kunst des Gesanges und der musikalischen Interpretation des Kunstliedesunterrichtet.
Eine Woche lang werden 27 Studenten von deutschen Dozenten im Freudentaler Schloss begleitet und in der hohen Kunst des Gesanges und der musikalischen Interpretation des Kunstliedesunterrichtet. © Foto: Helmut Pangerl
Freudental / Betina Nowakowski 28.08.2017

Auf dem Unterrichtsplan stehen „Lied aus der Ferne“ von Ludwig van Beethoven und „Die Forelle“ von Franz Schubert, beides deutsche Kunstlieder und damit deutsches Kulturgut. Aber es sind nicht deutsche Sängerinnen und Sänger, die in den Räumen des Freudentaler Schlosses proben, sondern japanische Gesangs- und Klavierstudenten. Zum zweiten Mal nach 2015 findet der Meisterkurs der Japanisch-Deutschen Liedergesellschaft, die 2009 in Osaka gegründet wurde, in Freudental statt.

Eine Woche lang werden 27 Studenten von deutschen Dozenten begleitet und in der hohen Kunst des Gesanges und der musikalischen Interpretation des Kunstliedes unterrichtet. „In Japan gibt es traditionell schon immer ein großes Interesse für das deutsche Lied“, weiß Dozent Dietrich Henschel, ausgebildeter Opern- und Konzertsänger. „Es gehört in Japan zum guten Ton, dass im gebildeten Bürgertum die Kinder eine Musik- oder Gesangsausbildung machen.“ Organisiert wurde der Meisterkurs wieder vom japanischen Toningenieur Kohei Seguchi, der durch seine berufliche Tätigkeit schon länger intensiven Kontakt zum Schlosseigentümer Rudolf Bayer hat. Daraus ergab sich die Möglichkeit, das Schloss für den Meisterkurs zur Verfügung zu stellen.

Auch in diesem Jahr stehen die „Klassiker“ der Kunstlied-Komponisten auf dem Programm: Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Robert Schumann. „Die Schüler suchen sich ihre Stücke selbst aus“, erzählt Kohei Seguchi. Da nur wenige Teilnehmer Deutsch sprechen, braucht es erst einmal ein Wörterbuch, um den Text zu verstehen. Die Dozenten vermitteln im Einzelunterricht dann nicht nur den Sinn der Worte, sondern auch das Gefühl für den Zusammenklang von Melodie und Sprache.

„Die Liebe zum deutschen Liedgut ist in Japan sehr ausgeprägt“, meint Dieter Bertet, zweiter Vorsitzender der Bürgerstiftung „Bürger für Bürger Freudental e.V.“, die das Abschlusskonzert organisatorisch ausrichtet. Das deutsche Kunstlied sei vor allem auch wegen seiner romantischen Gefühle beliebt. „Romantik ist etwas Besonderes für die Japaner“, so Kohei Seguchi. Es sei sehr wichtig, speziell mit deutschen Dozenten zu lernen. Nur so könne das besondere Gefühl richtig interpretiert und vorgetragen werden. „Kultur muss man hören, um sie zu verstehen“, ist Seguchi überzeugt. Für den Freudentaler Bürgermeister Alexander Fleig ist der Meisterkurs mit seinem Abschlusskonzert „ein kulturelles Highlight“. Dass Rudolf Bayer das Schloss Freudental für den Meisterkurs und die Veranstaltung zur Verfügung stellt, wäre eine großzügige Geste, für die man als Gemeinde dankbar sei. „Wir wollen alle, dass das Schloss lebt“, ergänzt Dieter Bertet. Aus den Meisterkursen haben sich schon einige Verbindungen für das kulturelle Angebot in Freudental ergeben.

Auch Kohei Seguchi freut sich über die Vorteile dieses Kulturaustausches zwischen Japan und Deutschland. „Wenn möglich, planen wir auch in zwei Jahren wieder einen Meisterkurs hier in Freudental.“

Info Am Mittwoch, 30. August, um 18 Uhr findet im Blauen Salon im Schloss Freudental ein öffentliches Abschlusskonzert statt. Wegen innerörtlicher Bauarbeiten ist die Zufahrt nur über die Schlossstraße möglich. Der Eintritt ist frei, Spenden gehen zu Gunsten des Vereins „Bürger für Bürger“ Freudental.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel