Was die Young Chorporation seit 25 Jahren auf die Beine stellt, ist mehr als Chorgesang. Es ist ein ganzheitliches Erlebnis: Gesang aus allen Genres, Musik, Bühnenbild und Beleuchtung – alles ist aufeinander abgestimmt. Die Besucher des Jubiläumskonzerts „Es war einmal – das Märchen der Young Chorporation“ erlebten am Samstagabend in der Kirchheimer Gemeindehalle zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung.

Springt der Funken über?

Dazu gehört natürlich auch die Gefühlswelt: Springt der Funken aufs Publikum über? Ausführliche Rückblicke auf die Geschichte der Young Chorporation, in Häppchen serviert, hatten große Erwartungen geweckt. Als Gründer des „jungen Chores“ gilt der damalige Kirchheimer und heutige Lauffener Bürgermeister Klaus Peter Waldenberger. Er hatte es mit der Kulturinitiative KUKUK geschafft, am 21. April 1994 hundert am Singen interessierte Menschen zusammenzubringen. Schnell gelang es Dirigentin Andrea Deser, die damals noch jungen Menschen, deren Kinder inzwischen aktiv sind, zu motivieren. Der Chor wurde Teil des Kirchheimer Liederkranzes, hatte im Januar 1995 seinen ersten Auftritt. Dort erlebten die Musiker Götz Schwarzkopf und Sebastian Link den Chor und motivierten die Sängerinnen und Sänger zur Zusammenarbeit mit ihrer Band „Profil“, die sich später zu „Heimer’s Welt“ und noch später zu „Hölders Welt“ wandelte. Das Nachkriegsmusical „45“ entstand als Generationenprojekt, das Trauer und Zuversicht dieser Zeit thematisierte und im Dezember 1995 zu Standing Ovations in der Gemeindehalle führte. Und es ließ den Chor und seine Freunde eng zusammen wachsen, denn es steckte viel Arbeit dahinter. Es folgten viele erfolgreiche Aufführungen.

Danach setzte ein Wandel ein: Die Dirigentin wechselte, die folgenden Aufführungen waren nicht ganz so anspruchsvoll. Doch mit Teresa Schuh, die 2001 den Chor übernahm, setzte die Young Chorporation erneut zum großen Wurf an. Das Rockmusical „Bittersweet“ wurde geboren und ab 2003 mehrere Jahre lang heftig beklatscht und gar im Ludwigsburger Forum aufgeführt. Die November-Konzerte folgten. Mit Witz, Charme und viel Hintersinnigem banden die begeisterten Sängern ihre treuen Fans weiter an sich. Sie übten sich im Jazz und packten nun mit ihrer Jubiläums-Märchenstunde ein neues Kapitel an. Perfekt inszeniert servierten sie 20 Songs.

Eingebettet in Märchen

Eingebettet waren sie in die Geschichten von Aschenputtel, Rapunzel, Dornröschen, Schneewittchen oder Hänsel und Gretel. Mit kleinen Einspielern lösten sie manchen Schmunzler aus. Mit Erzähler Hilmar Friedel und seiner frechen Gegenspielerin „Siri“ (Julia Ofner), die „Emanze“ im Märchen, versuchte Regisseur Michael Arnold der Geschichte einen roten Faden zu geben. Der wurde für die eingefleischten Fans deutlich, Neueinsteiger taten sich da eher schwer. Auch das „Wiederhören“ der Highlights aus den früheren Erfolgen trug zur Begeisterung bei: „Krieg“ aus „45“ ist noch immer sehr eindrücklich. Eingebettet in den Abend waren die Auftritte von Kinder- und Jugendchor. Schneewittchens Zwerge alias Herrengedeck hatte einen denkwürdigen Auftritt mit „Liebling, men Herz lässt dich grüßen“, der alte VW-Bus aus einer früheren Inszenierung ließ manche Herzen höher schlagen. Der derzeit 40-köpfigen Young Chorporation und ihrer neunköpfigen Band ist es nicht zuletzt auch dank der Lauffener Tanzformation „La Passion“ mit Kreativität und Können gelungen, eine beschwingte und fröhliche Gefühlswelt entstehen zu lassen. Doch wer ist eigentlich der musikalische Kopf, der Dirigent der Young Chorporation? Ein Energiebündel voller Humor ist der Schlagzeuger, Pianist, Komponist und Sänger Benedikt Immerz, ein „musikalisches Universalgenie“, das seit 2013 die Verantwortung trägt.