Ins Blaue Mittagstisch? Ja wo denn?

mp 31.08.2018

Mit einem Liedchen auf den Lippen steigt der Besucher an einem Montagmittag aus dem Regionalexpress. Blaubeuren soll ein schönes Städtchen sein, wurde ihm gesagt. Nun denn. Doch zuerst, ein Blick auf die Uhr bestätigt das mulmige Gefühl in der Magengegend, etwas Warmes zu essen. 12 Uhr, Zeit für einen gepflegten Mittagstisch.

Der Blick fällt auf das italienische Lokal „Vesuvio“ schräg gegenüber dem Bahnhof. Montag Ruhetag, liest der Besucher lautlos. Ja,  auch Gastwirte brauchen mal einen freien Tag, denkt er, und schlendert weiter Richtung Altstadt. Nach gut einem Kilometer erscheint ein Gebäude, das wie ein Restaurant aussieht. Und auch eines war, wobei die Betonung auf „war“ liegt. Im Schaukasten des früheren Ristorante „Le Stelle Marine“ hängt zwar noch die Vorspeisenkarte, aber die Schotten sind dicht. Schräg gegenüber ist auch ein Lokal, aber hier sind sogar schon die Rollläden herunter gelassen. Den Griechen „Olive“ gibt es auch nicht mehr. Doch unverzagt macht sich der Besucher auf die Suche nach einem geöffneten Lokal mit Mittagstisch. Das „Café Kuhn“ am Kirchplatz hat Montag Ruhetag, der „Löwen“ hat geschlossen bis 29. August. Schon leicht entkräftet wankt der Besucher die Webergasse hinter, sieht die Metzgerei Mayer und denkt: Endlich am Ziel. Doch mittlerweile ist es 13  Uhr, die Metzgerei hat seit einer halben Stunde zu und überhaupt am Montagnachmittag geschlossen. Schleppenden Schrittes geht der Besucher bis zum „Schwanen“ der aber nur von mittwochs bis samstags geöffnet hat. Auch das Atelier in der Webergasse hat zu. Betriebsferien bis 7. September. Schluchzend sinkt der Besucher zu Boden,  das mulmige Gefühl im Magen ist einer gähnenden Leere gewichen. Die Beine wollen nicht mehr, der ganze Mensch ist entkräftet.

Hilfe naht. Freundliche Passanten entdecken den zusammengesunkenen Besucher, rufen den Krankenwagen. Dort wird er schnell wieder aufgepäppelt, nach einer Transfusion geht es ihm gleich besser. „Haben Sie Hunger?“, fragte der freundlicheNotarzt. Eifriges Kopfnicken des (fiktiven) Besuchers. Der Mann blickt auf seine Uhr.  „So ein Pech“, sagt er. „14.05 Uhr. Unser Bistro 26 hat seit fünf Minuten geschlossen.“

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