Ins Blaue Kein Trump in Blaubeuren

Blaubeuren / Thomas Spanhel 07.12.2018

Jeder hat so seinen eigenen Rede-Stil, um Zuhörer von der eigenen Meinung zu überzeugen. Dieser lässt manchmal  tief blicken. Der in den Medien allpräsente Poltergeist Donald Trump wendet meist die Holzhammermethode an. Seine manchmal stundenlangen Reden bestehen nur aus einigen wenigen Ausrufen in Endlosschleife: Dass er Amerika wieder groß machen werde. Dass nur ein toller Typ wie er das hinbekomme. Und dass seine Gegner am besten hinter Schloss und Riegel gehörten. Trumps Prinzip scheint aus der Werbung abgekupfert: Die Zuhörer werden einem irgendwann schon glauben, wenn sie eine Meinung nur oft genug vorgesprochen bekommen – sei diese auch noch so abstrus.

Bei den Haushaltsreden der Fraktionen in Blaubeuren werden ganz unterschiedliche Rednertypen sichtbar. Von der Trumpschen Redemethode ist da – glücklicherweise – nichts zu spüren. Rainer Federle von den Freien Wählern ist eher das glatte Gegenteil, ist sorgfältig präpariert. Detailliert listet er wichtige Themen und Projekte auf und benennt zentrale Zahlen, um die Schlüssigkeit des Plans nachzuweisen. Reiner Baur für die CDU ist eher der zupackende Redetyp, der für seine Fraktion pointiert wichtige Blaubeurer Themen anspricht, um ihnen auch mit Blick auf ihre Umsetzung mehr Chancen und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Hans-Jörg Kuhn von der SPD wirkt bei seiner Rede fast nachdenklich, versucht Seiten im Haushaltsplan hervorzuheben, die sonst kaum beachtet werden. Er hadert mit der Art der traditionellen kommunalen Buchführung, freut sich, dass künftig Haushaltspläne nach der doppelten Buchführung, der Doppik, gestaltet werden.

Grünen-Sprecher Frieder Bohnacker spricht als einziger fast unabhängig vom Manuskript, fast frei zu den Zuhörern – und sicher am längsten. Allerdings schweift er schnell mal ab, will die Zuhörer weniger vom Haushalt als von nachhaltiger Ökopolitik überzeugen. Am Ende seiner Rede sorgt eine kleine unschuldige Frage des Bürgermeisters für Heiterkeit: „Ist Ihre Fraktion nun für oder gegen den Haushaltsplan?“ – „Zustimmung“, schiebt Bohnacker schnell nach, ist sich aber auch nicht mehr so sicher: „Das war doch hoffentlich erkennbar...“

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