Ins Wasser kommen nur die anderen

mp 31.08.2018

Wenn Kathrin Lewerentz morgens ihren Dienst beginnt, schaut sie als allererstes in das große Becken des Blaubeurer Freibads. „Könnte ja jemand drin liegen“, bemerkt die Fachangestellte für Bäderbetriebe lakonisch. Das sei zwar noch nie passiert,  meint die 29-Jährige, der Blick zum Wasser gehöre aber zur Routine.

Seit  2016 ist Kathrin Lewerentz bei den Technischen Werken Blaubeuren angestellt und ist die gute Seele des Christian-Schmidbleicher-Bad. Alles ist hier sehr beschaulich und überschaubar. „In so einem kleinen Freibad lernt man sich schnell kennen“, sagt sie. „Wenn ich in Blaubeuren zum Shoppen gehe, werde ich natürlich erkannt“, ist ihre Erfahrung.  Mit zwei ihrer weiblichen Badegäste geht sie auch gerne einmal nachmittags privat zum Kaffeetrinken.

Als Badegast hat man den Eindruck, ein  Angestellter eines Freibads läuft vorwiegend am Beckenrand entlang und steht ansonsten hauptsächlich herum. Doch zu den Tätigkeiten der Fachangestellten für Bäderbetriebe gehören viele Aufgaben. Der Dienst beginnt für Kathrin Lewerentz im Technikraum mit dem Ablesen der Werte an den diversen Messstationen. Zählerstand und Chlorwert werden notiert, der PH-Wert des Wassers gemessen, die Filter gespült und der Saugwagen ins Wasser gelassen. Wie ein Schwimmer zieht der Sauger dann seine Bahnen und reinigt das Wasser von Haaren und Dreck. Je nach Bedarf müssen die Hecken gestutzt und der Rasen auf den Liegeterrassen geschnitten werden. Bei ihrer Runde über die Liegewiese und an den Bänken entlang schaut die Angestellte unauffällig nach dem Rechten. Wer in der Mittagssonne vor sich hinbrütet und langsam rot wird, bekommt beispielsweise einen Hinweis auf Sonnenschutz.

Obwohl der Sommer 2018 auch in Blaubeuren als ein sehr heißer Sommer in die Annalen eingehen wird, schlägt er bisher nicht die Hitze-Rekorde des Jahrhundertsommers 2003.  Die Freibadsaison hat sich aber auch in Blaubeuren zu einer sehr  guten Saison entwickelt.  „Wir haben aktuell in diesem Jahr rund 52 000 Besucher“, sagt die Fachangestellte. Durchschnittlich kommen pro Saison 48 000 Besucher. Ein Spitzentag war der 28. Mai 2018, an dem 1500 Besucher gezählt wurden.

Für die Aufsicht heißt es dann, besonders wachsam zu sein. In Blaubeuren   tun drei  Fachangestellte in Früh- und Spätschichten Dienst. Dazu kommen drei Rettungsschwimmer im Aushilfsjob. Die Baderegeln hängen in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Arabisch aus. „Aber es kommen kaum noch Flüchtlinge“, sagt Kathrin Lewerentz. In den letzten Jahren habe man im Freibad jedoch auch bemerkt, dass die Blaubeurer Kinder am Montag Nachmittagsschule haben, ergänzt sie.

Noch vor Jahren sorgten  Bademeister mit Trillerpfeifen für Ordnung. „Ich habe zwar mal eine Pfeife geschenkt bekommen, aber ich benutze sie nicht“, sagt Kathrin Lewerentz. Sie habe sich das  Pfeifen mit den Fingern zwar beigebracht,  „aber darauf hört nur mein Hund“. Badegäste wüssten genau, was sie dürfen. Wenn jemand nicht die Regeln befolge, tue er das mit einem schlechten Gewissen und halte nach der Aufsicht Ausschau. „Da reicht es, wenn ich streng zurück schaue“. Ohnehin seien die Gäste durchwegs angenehm, meint Kathrin Lewerentz, die ihre Ausbildung in Schleswig-Holstein absolvierte. „Meinen Mann zog es dann  beruflich in den Süden und ich bekam im schönsten Freibad, in dem ich bisher gearbeitet habe, eine Stelle“, erzählt die Blaubeurerin.

Während ihres Diensts kommt die Angestellte zwar nicht ins Wasser, „aber wir Beschäftigten treffen uns jeden Samstagmorgen im Hallenbad zum Schwimmen“, sagt sie. Dort findet man Kathrin Lewerentz auch im Winter. „Das Wasser lässt mich nicht los“, weiß  die junge Frau, die schon mit fünf Jahren ihr erstes Schwimmabzeichen bestand und als Jugendliche bei der DLRG aktiv war. „Das hier ist mein Traumjob“, sagt sie und wendet sich einer Besucherin zu, die täglich zum Schwimmen kommt.   „Ich muss meine Muskeln bewegen“, erklärt die Suppingerin Ildiko Töpfer ihr tägliches Schwimmtraining. „Seit fünf Jahren ist das Blaubeurer Freibad mein Urlaub“, ergänzt sie. Ein schöneres Kompliment kann man dem Ort und dem Personal nicht machen.

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