Blaubeuren / Thomas Spanhel

Liegt es an der Fasnet, dass sich Politiker gerade besonders gern über Grenzen hinweg verbrüdern? US-Präsident Trump umwirbt den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un. Auf bundespolitischer Bühne verschwestert sich CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer bei einem Interview mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt. Gemeinsam positionieren sie sich gegen Männer, die sich allzu gerne reden hören, oder gegen die SPD, die kaum Lust zum Regieren habe. Im Blaubeurer Gemeinderat bekannte Frieder Bohnacker (Grüne) im Zusammenhang mit der „sehr, sehr guten Investition“ beim Ausbau der Ascher Sportanlagen deutlich seine politische Nähe zu Bürgermeister Jörg Seibold (Freie Wähler): „Da sind wir sehr eng beieinander... wie so oft in der politischen Argumentation.“

In Erinnerung an Bohnackers kontroverse Stellungnahmen etwa beim Thema Sparsamkeit oder Flächenverbrauch provozierte diese Aussage einiges Schmunzeln unter den Stadträten. Dass Bohnacker angesichts der anstehenden Kommunalwahlen durch Nähe zum Bürgermeister profitieren und Stimmen aus dem bürgerlichen Lager holen will, ist verständlich. Der Bürgermeister ging prompt darauf ein und bestätigte die Vielzahl der gemeinsamen Positionen, liebt er es doch, die städtischen Beschlussvorschläge möglichst einstimmig im Rat zu verabschieden. Trotzdem bleibt bei so viel karnevalesker Nähe auch die Hoffnung, dass bald ein Hofnarr auftaucht, der dem freudenseligen Schulterklopfen mit einigen umstrittenen Pointen Grenzen setzt.