Nach dem tragischen Tod von zwei Mädchen, neun und 13 Jahre alt, sowie deren 41-jährigem Vater herrscht in Gerhausen große Betroffenheit. Das war beim Dorffest, dem „Spätzlesfest“ zu spüren. Es wurde trotz der Tragödie nicht abgesagt. Dort gab es am Samstagabend keinen Tisch, an dem nicht über das Ereignis gesprochen wurde.

In Gerhausen ist von Familiendrama, Vorsatz und einer Waffe die Rede

Die Menschen im Ort sprechen von einem Familiendrama, viele gehen davon aus, dass der Vater die Explosion und den darauf folgenden Brand in der Nacht zum Freitag gegen 3.30 Uhr vorsätzlich herbeigeführt hat, auch eine Waffe soll im Spiel gewesen sein. Von Polizei oder Staatsanwaltschaft gibt es dafür keine Bestätigung.

Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft Ulm die Obduktion der Leichen angeordnet und einen Brandgutachter beauftragt, um Erkenntnisse über die Ursache des verheerenden Brandes zu gewinnen.

Wie berichtet, hatte die Feuerwehr den 41-Jährigen und die beiden Kinder nur noch tot aus dem innen völlig zerstörten Gebäude bergen können.

Einsturzgefahr? Gebäude wird geprüft

Wie der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold, der am Sonntagmorgen den von gut 100 Menschen besuchten Gottesdienst beim Spätzlesfest besuchte, gegenüber der SÜDWEST PRESSE sagte, sollte das Gebäude noch am Sonntag von Experten auf Einsturzgefahr hin untersucht werden. Seibold, der während des Vorfall verreist war und sich mehrere Autostunden entfernt aufhielt, steht im engen Kontakt mit den am Freitagmorgen eingesetzten Rettungsdiensten und der Polizei.

Trauernde haben vor dem zerstörten Haus Blumen, Bilder, Kuscheltiere und Briefe abgelegt.
Trauernde haben vor dem zerstörten Haus Blumen, Bilder, Kuscheltiere und Briefe abgelegt.
© Foto: Ralf Zwiebler

Keine Spekulationen zur Ursache von Bürgermeister Jürgen Seibold

„Ich beteiligte mich in keiner Weise an Spekulationen“, sagte Seibold. Zur möglichen Ursache und zur Familie könne er nichts sagen. Amtlich sei die Familie nicht in Erscheinung getreten. Nachbarn zufolge ist es in dem Wohnhaus in der Weihergasse, das die aus dem Bereich des ehemaligen Jugoslawien stammende Familie seit Jahren bewohnte, gelegentlich etwas lauter zugegangen. Der Mann sei wohl ohne Grund krankhaft eifersüchtig gewesen.

Seine Frau befand sich am Freitag beim Eintreffen von Feuerwehr und Notarzt vor dem Haus, sie hatte sich offenbar retten können. Eine 17-jährige Tochter war nicht zu Hause gewesen.

Gerüchte über spätes Eintreffen der Feuerwehr dementiert

Gesprächsthema ist in Gerhausen der Bericht der Stuttgarter Zeitung, die in ihrer Online-Ausgabe die Aussage eines Nachbarn wiedergibt, wonach die Feuerwehr erst nach einer Stunde eingetroffen sei. Bürgermeister Jörg Seibold widerspricht dieser Darstellung deutlich. Kreisbrandmeister Ralf Ziegler, der in Gerhausen wohnt und zusammen mit dem Notarzt innerhalb weniger Minuten vor Ort war, betont, dass die ersten Löschkräfte weniger als zehn Minuten gebraucht hätten.

Lob für Einsatzkräfte

Jörg Seibold, der in seiner 17-jährigen Amtszeit noch nie mit einem solch drastischen Fall zu tun hatte, lobt die Blaubeurer Feuerwehr, die mit allen Abteilungen im Einsatz war. Die Helfer, darunter junge Atemschutzgeräteträger, die ins Gebäude gingen, hätten alles gegeben. Für sie habe der Einsatz eine maximale psychische und physische Belastung bedeutet.

Pfarrer Johannes Mack: Betroffenheit zum Ausdruck bringen

Gerhausen

Bürgermeister Seibold: Kein Gasleck festgestellt

Ausschließen kann Seibold, dass die Explosion etwas mit dem von den Technischen Werken Blaubeuren betriebenen Erdgasnetz zu tun hat. Bei einer sofortigen Überprüfung seien keine Leckagen festgestellt worden.

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