Gesundheit Ein Eis sorgt für weniger Übelkeit nach der Operation

Bei der Operation tragen viele dazu bei, dass alles gelingt.
Bei der Operation tragen viele dazu bei, dass alles gelingt. © Foto: Kreiskrankenhaus GmbH
Blaubeuren / Thomas Spanhel 07.09.2018

Im Alb-Donau-Klinikum Blaubeuren war in den vergangenen Wochen von den Ferien wenig zu spüren. Rund um die drei Operations- (OP-)Säle läuft alles wie gewohnt. Viele Berufsgruppen arbeiten zusammen, damit alles gut über die Bühne geht.

Dienstagvormittag gegen 11 Uhr: Im Saal 1 wird einem Patienten eine neue Hüfte eingesetzt. Direkt daneben findet in Saal 2 ein Kaiserschnitt statt. Im dritten OP-Saal wird einer Patientin endoskopisch ein Stück des Enddarms entfernt. Routine aller Fachkräfte und beständige Kontrolle sind die beiden Faktoren, die für Sicherheit und runde Abläufe sorgen.

Rund eine Woche vorher steht der OP-Plan. Abgesehen von Notfällen wissen die Mitarbeiter im OP so, mit welchen Patienten und Operationen sie es zu tun haben. Dann ist auch klar, welcher OP-Tisch für den Eingriff benötigt wird. So wird zum Beispiel für eine Gallen­operation ein harter Tisch gewählt, während man bei einer OP über mehrere Stunden eher zum weicheren Modell greift. Auch die Operationssiebe, in denen das benötigte Instrumentarium standardisiert zusammen­gestellt sind, befinden sich schon vor der OP im Saal. „Barcodes an jedem Sieb und für jeden Mitarbeiter stellen sicher, dass der Sterilisationsprozess lückenlos dokumentiert wird“, erklärt Ilona Kirchmeier, Fachpflegekraft für Anästhesie.

Wenn Erwin Huber (Name geändert), der Hüftpatient aus Saal 1 mit seinem Bett in den Operationsbereich gefahren wird, empfängt ihn dort Narkoseschwester Ilona Kirchmeier. Sie fragt ihn zunächst, wer er ist, was bei ihm gemacht werden soll, wann er das letzte Mal etwas gegessen hat und ob er Allergien hat. Wenn alle Angaben mit denen im OP-Plan übereinstimmen und nichts gegen die Einleitung der Narkose spricht, beginnt die so genannte Einschleusung des Patienten.

Dabei wird Erwin Huber vom Patientenbett auf den OP-Tisch umgelagert. Sein OP-Hemd kann er anlassen, zudem erhält er vorgewärmte Decken, die ihn im klimatisierten OP-Bereich warm halten. Bei den meisten Operationen kann auch bis zwei Stunden vor der OP getrunken werden. Das reduziert die Übelkeit nach dem Eingriff und senkt die Wahrscheinlichkeit von Kreislaufproblemen.

Schon auf seiner Station wurde Erwin Huber das OP-Gebiet gewaschen und rasiert, er erhielt Medikamente gegen die Schmerzen und zur Entspannung. Nachdem Ilona Kirchmeier die Kreislaufüberwachung gestartet, das Blutdruckmessgerät und die Messung der Sauerstoffsättigung angeschlossen hat, bekommt der Patient einen intravenösen Zugang. Dann wird erneut dokumentiert und überprüft, ob Patient, Saal und Eingriff richtig sind und alle Unterlagen vorhanden sind. Zu diesem Zeitpunkt kommt Dr. Markus Winter, Chefarzt der Fachabteilung Anästhesie dazu. Er erklärt, was dann passiert: „Die Einleitung der eigentlichen Narkose machen Arzt und Anästhesiepflege gemeinsam: Während ich für einen sicheren Atemweg sorge und dafür beispielsweise den Tubus in den Rachen setze, spritzt die Schwester das Medikament über den intravenösen Zugang.“

Sobald die Wirkung der Narkose eingesetzt hat, wird Erwin Huber in den OP-Saal geschoben und dort für den Eingriff gelagert. Dies macht der Operateur, während die OP-Pflege alle weiteren Vorbereitungen trifft: „Das OP-Sieb wird ausgepackt, die Instrumente und Einmalartikel wie Tupfer und Kompressen bereitgelegt, auch erste Teile der OP-Dokumentation müssen ausgefüllt werden. Währenddessen führt der Operateur die chirurgische Händedesinfektion durch“, erläutert Regina Trautwein, die als Fachkrankenpflegerin für OP-Pflege den OP leitet. Der Arzt wäscht mit speziellen hochwirksamen Desinfektionsmitteln drei Minuten lang Hände und Unterarme. Ab diesem Zeitpunkt darf er nichts mehr ohne sterile Handschuhe anfassen. Deshalb haben alle Türen im OP Fußschalter. Sobald der Operateur in den OP- Saal kommt, hilft ihm die OP-Pflege in OP-Kittel und Handschuhe.

Während der OP sorgen der Operateur, der Narkosearzt, die Anästhesiepfleger und die Fachkrankenpfleger für OP-Pflege oder Operationstechnischen Assistenten gemeinsam für die Sicherheit des Patienten. Seine Atmung und sein Kreislauf werden ständig überwacht. Die Narkose wird so gesteuert, dass der Patient nichts von der Operation mitbekommt und trotzdem möglichst zeitnah zum Ende des Eingriffs erwacht. Denn er muss bereits im OP- Saal erste Reaktionen zeigen, beispielsweise die Zunge herausstrecken. Daran kann sich der Patient später nicht mehr erinnern. In der Patientenschleuse wird er wieder vom OP-Tisch auf das Patientenbett umgelagert. „Mit Hilfe eines Rollboards gelingt dies schnell und sicher“, erklärt Susanne Binder, Fachpflegekraft für OP-Pflege. Je nach OP-Dauer, Schwere der Vorerkrankungen und weiteren Faktoren kommt er dann etwa in den Aufwachraum. Erwin Huber erholt sich dort rund 30 Minuten. Sobald seine Atmung sicher, der Kreislauf stabil, die Schmerzen im unteren Bereich und die letzte Opiatgabe mindestens 30 Minuten her ist, und sobald er adäquat reagiert, wird er von einer Pflegekraft abgeholt. Doch vorher kann er sich noch über ein Fruchtwassereis freuen, denn das erhalten in Blaubeuren alle Patienten im Aufwachraum. „Damit lassen sich die nach einer Operation häufig anzutreffende Übelkeit und andere Beschwerden reduzieren“, erklärt Dr. Winter.

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