Wessingen / Jörg Wahl  Uhr

Das Waldbad Zollern liegt tief im Wald auf Wessinger Gemarktung. Der Heimatverein Wessingen hat es sich zur großen Aufgabe gemacht, das ehemalige Sanatorium zumindest in Grundzügen wiederherzustellen. Führungen sollen dabei helfen, das Interesse der Bevölkerung zu wecken.

Vom Zollerbahnhof aus ging es auf Einladung des Heimatvereins nun zu Fuß zur einstigen Erholungsstätte. Vereinsvorsitzender Rainer Messerschmidt erläuterte, wie viele Stunden die Vereinsmitglieder schon darauf verwendet haben, um die Anlage wieder begehbar – und sichtbar – zu machen. Die Rekonstruierung bedürfe, weiß auch Messerschmidt, noch vieler weiterer Anstrengungen.

Heimatforscher Otto Bogenschütz referierte über Moritz Meyer, den Begründer des Waldbades Zollern, und dessen Neffen und Stütze, den Landarzt Friedrich Wolf. Heilpraktikerin Renate Wannenmacher führte einige der Heilmethoden Friedrich Wolfs ganz praktisch vor. Wolfs Buch „Die Natur als Arzt und Helfer“ ist immerhin 800 Seiten stark. Meyer und Wolf setzten auf Licht, Luft und Bewegung, mit Ruhe an den richtigen Stellen.

1925 hatte sich Friedrich Wolf in Hechingen als Arzt niedergelassen. Er kannte die Mühen und Sorgen der bäuerlichen Gesellschaft und deren Erkrankungen. Die drastische Unkenntnis der Anatomie und der Krankheiten wie auch mangelnde Ernährung und Hygiene veranlassten Wolf 1926 ein medizinisches Handbuch zu verfassen. Wolf lebte selbst nach jenen Grundsätzen, die er in dem Werk beschrieb. Außerdem beschäftigte er sich mit den Einsatzmöglichkeiten  moderner Erfindungen wie der Höhensonne oder dem Verabreichen von Kontrastmittel vor dem  Röntgen.

Wolf förderte Planschbecken und Kinderspielplätze, hielt Sprechstunden für Mutter und  Kind, widmete sich der modernen Pädagogik und der modernen Bauweise. Sein Buch sollte Anatomiekenntnisse vermitteln,  für Selbsthilfe bei Erkrankungen und Unfällen versorgen, Anregungen zur Vorsorge bieten. Ein besonderes Anliegen war die Ernährung. Wolf appellierte an seine Leser, viel Obst, Rohkost, Gemüse, Butter und Milch zu essen, dafür keine oder nur wenige Konserven, wenig Weißmehl, Fleisch oder Zucker. Er schwor auf gesundes, reines Wasser und warnte vor Verunreinigung durch die Landwirtschaft.

Die Teilnehmer der Führung nahmen so manchen guten Ratschlag mit nach Hause.

800

Seiten stark ist das Buch „Die Natur als Arzt und Helfer“, das der Hechinger Landarzt Friedrich Wolf im Jahr 1926 herausgab – und noch heute bei manchem im Schrank steht.