Bisingen Warum die Bisinger zu Nichthuldigern wurden

Der Nichthuldiger-Brunnen auf dem Marktpkatz erinnert an Historisches. Ihren Spitznamen Nichthuldiger haben die Bisinger seit damals weg.
Der Nichthuldiger-Brunnen auf dem Marktpkatz erinnert an Historisches. Ihren Spitznamen Nichthuldiger haben die Bisinger seit damals weg. © Foto: Jörg Wahl
Bisingen / Jörg Wahl 25.08.2018

Vor 220 Jahren, genau gesagt am 26. Juni 1798, verweigerten die Bisinger ihre Zustimmung zu einem vom Reichskammergericht ausgehandelten Landesvergleich zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen. Warum haben die Einwohner seinerzeit nicht gehuldigt, obwohl dies alle umliegenden Gemeinden taten? Diese Frage wird Dr. Casimir Bumiller am 22. November in der Bisinger Hohenzollernhalle beantworten. Der Heimatverein Bisingen hat den Historiker aus Anlass des Jubiläums eingeladen.

Noch heute verweisen neben Dokumenten der Nichthuldigerbrunnen auf dem Bisinger Marktplatz und die Fasnetszunft der Nichthuldiger und Kirchamäus des TSV Bisingen auf diese historische Begebenheit.

Handelt es sich bei den Einwohnern Bisingens um ein widerspenstiges, nicht zur Vernunft zu bringendes Völkchen? Offenbar galt Bisingen zur damaligen Zeit als äußerst widerspenstige Gemeinde.

Frondienste und obrigkeitliche Abgaben gestalteten das Leben in einstiger Zeit außerordentlich schwierig. Zum Mühsal des Alltags in der kärglichen Landwirtschaft gesellten sich Gefahr von Missernten und Krankheiten, ein Nährstoff für soziale Unruhen. Offensichtlich waren die Bisinger stets diejenigen, die am stärksten für eine Verbesserung der Lebenssituation und Veränderung der Institutionen eintraten. Und so ist der bis heute gebliebene Spitzname Nichthuldiger eher eine positive Beschreibung der Bisinger. Denn schon damals setzten sie sich für Werte ein, die bei der späteren Revolution 1848/49 eine gewichtige Rolle spielten. Sie bewiesen ihren Unmut und stellten ihre Forderungen an den Fürsten.

Erst 1851 huldigten auch die Bisinger auf dem Zollerberg – und zwar König Friedrich Wilhelm IV. Wurden ihre Forderungen letztlich doch gewährt und erfüllt? Oder sahen sie eine neue Epoche, quasi einen Neuanfang, als die Übergabe an das Fürstentum Preußen erfolgte? Aus Sicht des Vereinsvorsitzenden Armin Haspel ist es Verpflichtung für alle, diesen Tag bewusst zu machen und zu zeigen, wie wertvoll Freiheit und Menschenrechte sind.

„Der Nichthuldiger“ als Theater-Posse

Vor 90 Jahren gab es sogar ein Theaterstück darüber: der Nichthuldiger“, eine Posse, geschrieben von den Brüdern Xaver und Karl Schellinger aus Bisingen. Erstaufführung war 1928.

In den Jahren 1986 zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde und noch einmal 15 Jahre später (2011) führten 30 Laienschauspieler der Theatergruppe der Nichthuldiger und Kirchamäus das geschichtsträchtige Stück auf.

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