Bisingen Verdi-Senioren rufen zum Antikriegstag auf

Bisingen / Stephanie Apelt 22.08.2018
Nach vielen Jahren soll im Zollernalbkreis am 1. September wieder an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erinnert werden.

Die Verdi-Senioren der Zollernalb setzen sich ein. Seit gut zwölf Jahren beschäftigen sie sich schon mit dem Unternehmen „Wüste“, jenem irrwitzigen Unterfangen, mit dem das Nazi-Regime versuchte, Treibstoff aus Ölschiefer zu gewinnen. Tausende Häftlinge, die als Arbeitskräfte ausgebeutet wurden, starben. Das Museum in Bisingen erinnert unter anderem mit einer Dauerausstellung „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“ daran.

Genau dieses Museum schien den Verdi-Senioren als geeigneter Ort, am 1. September zum Antikriegstag aufzurufen. Nach vielen Jahren soll im Zollernalbkreis an diesem Tag – am 1. September 1939 marschierten die Deutschen in Polen ein – an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erinnert werden.

Gegen Rechtspopulismus

Salvatore Bertolino, Vorsitzender der Verdi-Senioren Zollernalb, erklärt: „Wir haben uns für diesen Austragungsort entschieden, um daran zu erinnern, dass hier aus unserer Umgebung aus unserer Heimat ein Angriffskrieg stattfand. Wir sind überzeugt, dass eine gute Kenntnis der Vergangenheit uns helfen wird, um eine bessere Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Frei von Vorurteilen und Hass.“

Um für ihr Anliegen zu werben, hatten die Verdi-Senioren am Dienstag in die „Genießbar“ nach Balingen eingeladen. Auch das mit besonderem Grund: „Heute arbeiten hier Menschen mit Behinderung, mitten in der Stadt ganz in der Öffentlichkeit.  Das ist sehr gut. In Zeiten des Nationalismus wurden behinderte Menschen weg gesperrt und grausam ermordet“, so Bertolino.

Getränke und Eintritt frei

Mit dem Antikriegstag wollen sich die Verdi-Senioren für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen. Sie wollen Europa nicht den Nationalisten überlassen. Mit einer Ausstellung wird am 1. September ab 14 Uhr im Museum in Bisingen, Kirchgasse 15, die Geschichte des Fliegerhorstes Grosselfingen dokumentiert. Der Hechinger Historiker Rolf Vogt schildert den „Krieg in der Heimat“. Das musikalische Rahmenprogramm gestaltet der Wurmlinger Liedermacher Georg Sattler. Für Getränke ist gesorgt. Diese sind, ebenso wie der Eintritt, frei. „Eine Spende wäre schön“, sagt Bertolino. Den Antikriegstag, vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ins Leben gerufen, zu stemmen, sei für die Verdi-Senioren, allesamt ehrenamtlich im Einsatz, ein enormer Kraftakt. Doch auf der Zollernalb gäbe es nun mal derzeit keine DGB-Struktur. Um die Veranstaltung fest im Zollernalbkreis zu verankern, bräuchte es nun alle Gewerkschaftsmitglieder und natürlich die Bevölkerung. Möglich ist es ja, so Bertolinos Hoffnung, „dass sich nach dieser Veranstaltung aus den Einzelgewerkschaften genügend Aktivisten zusammentun, um dieses gewerkschaftliche DGB-Diaspora-Gebiet zu erschließen“.

Info Die Veranstalter sind die Verdi-Senioren Zollernalb in Zusammenarbeit mit dem DGB-Büro Neckar-Alb, Verdi Zollernalb und Neckar-Alb und den IG Metall-Senioren.

Eine zeitversetzte Begegnung zwischen Bisingen und Comiso

Seit 1957 erinnert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Am 1. September wollen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften deutlich machen: Die deutschen Gewerkschaften stehen für Frieden, Demokratie und Freiheit. Gerade auch in diesen Tagen gelte: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus. Am 1. September 1939 war Nazi-Deutschland in Polen eingerückt und hatte damit den Zweiten Weltkrieg entfacht.

Am 1. September 2018 soll es auch im Zollernalbkreis wieder einen Antikriegstag geben. Dafür setzen sich die Verdi-Senioren Zollernalb mit einer Veranstaltung im Museum in Bisingen ein. Beginn am 1. September ist um 14 Uhr.

Mit einer Ausstellung wird die Geschichte des Fliegerhorstes Grosselfingen dargestellt. Bei der Durchsicht der Unterlagen ist den Verdi-Senioren dabei eine zeitversetzte Begegnung aufgefallen, die insbesondere den Vorsitzenden Salvatore Bertolino berührt: Der junge Bisinger Kurt Soder war Kfz-Lehrling im Fliegerhorst Grosselfingen. Später wurde er in Comiso in Sizilien eingesetzt. 42 Jahre später besuchte Marina Pellino, eine junge Friedensaktivistin aus eben diesem sizilianischen Comiso, den Zollernalbkreis. Bertolino erinnert sich: „Es ist die Zeit des Nato Doppelbeschlusses und Europa soll mit Marschflugkörpern aufgerüstet werden. In ganz Europa entsteht eine engagierte Friedensbewegung. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die ACLI Deutschland (Katholische Arbeiter Bewegung Italien) knüpfen Kontakte mit der Friedensbewegung in Comiso.“ In Comiso soll ein Raketenstützpunkt entstehen. Marina Pellino kam nach Deutschland und lebte für vier Wochen bei der Familie Bertolino in Unterdigisheim. „Sie knüpft Kontakte mit unterschiedlichen Gruppen in Baden Württemberg. Danach geht sie für fünf Monate nach Frankfurt, von dort knüpft sie weitere Kontakte in ganz  Deutschland.“ Gerne hätten die Verdi-Senioren Zollernalb Marina Pellino zum Antikriegstag am 1. September in den Zollernalbkreis eingeladen. „Doch dafür fehlt das Geld“, sagt Bertolino. Vielleicht finde sich ja kurzfristig ein Sponsor.

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