Ausblick Traum vom Stadtrecht für Bisingen

Sabine Hegele 13.01.2018

Zwei Mal wurde Bürgermeister Roman Waizenegger während seiner Ansprache beim Neujahrsempfang von tosendem Applaus unterbrochen – als er verkündete, dass das Maute-Areal „jetzt uns gehört“ (die HZ berichtete), und als er, ganz der Visionär, höchst optimistisch hochrechnete, dass Bisingen 2025 auf die magische Zahl von 10 000 Einwohnern angewachsen sein und damit das Stadtrecht beantragen könnte. „Bisingen – die Zollerstadt“, das fände der Rathaus­chef (mit einem Schmunzeln in Richtung „Hechingen – die Zollernstadt“) gut.

Musikalisch eröffnet (und beschlossen) wurde der Empfang am Donnerstagabend von der Musikkapelle Thanheim. Dem Bürgermeister war es vorbehalten, die große Zahl der Gäste –  darunter Vertreter aus der Bundes- und der Kommunalpolitik sowie solche aus den Vereinen, Kirchen, Banken und sozialen Einrichtungen – zu begrüßen. Zu Beginn seiner Ausführungen formulierte er Gedanken zu Europa, das in seiner Entwicklung für Unbehagen in immer größeren Teilen der Bevölkerung sorge, und außerdem zu Deutschland, das vor großen Aufgaben stehe. Hier forderte Waizenegger ein gesellschaftliches Miteinander ein.

Das gelte auch auf kommunaler Ebene. Mehr denn je gelte es, das direkte Lebensumfeld, die örtliche Gemeinschaft auch weiterhin aktiv mitzugestalten und „unsere Zukunft verstärkt in die eigenen Hände zu nehmen“.  Im ländlichen Raum, so der Verwaltungschef, müsse noch mehr  in regionalen Einheiten gedacht und noch intensiver interkommunal zusammengearbeitet werden.

Der Zollernalbkreis bilde dabei eine große kommunale Familie – ungeachtet auftretender Meinungsverschiedenheiten. In diesem Zusammenhang thematisierte Roman Waizenegger die erneute Klinik-Debatte – und bedauerte, dass das Kirchspiel mit seinem Standortvorschlag erfolglos war. Dabei, richtete er sich direkt an Landrat Günther-Martin Pauli, habe Bisingen dem Landkreis sein „Sahnestück“ angeboten – kein schwieriges Hanggrundstück oder ein Feuchtbiotop.

Den Blick auf die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten richtend, machte der Rathauschef keinen Hehl daraus, dass auf Verwaltung und Gemeinderat viel Arbeit zukomme – allem voran mit der Neukonzeptionierung des Maute-Areals. Dazu ist noch fürs erste Halbjahr 2018 eine Klausurtagung geplant.

Als weiteres infrastrukturelles Projekt nannte der Bürgermeister die Erweiterung und Generalsanierung des Bisinger Feuerwehrhauses. Die Bauvorbereitungen laufen bereits. Auch mit dem DRK sei in diesem Rahmen eine einvernehmliche Lösung gefunden worden.

Nicht nachlassen wolle die Kirchspielgemeinde in ihrem Bemühen, eine familienfreundliche Kommune und ein attraktiver Wirtschaftsstandort zu sein. Eine interessante Zahl dazu: Gegenüber 2013 zählt Bisingen heute rund 250 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr. Ein sattes Plus von zehn Prozent also. Und: „Wir werden die Osterweiterung Bisingen-Nord mit zirka sieben Hektar in Richtung Hechingen konsequent und mit allem Nachdruck weiter angehen.“

Ebenso werde auch zukünftig ins Schulzentrum (das erst jüngst mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro erneuert wurde), in die Kindergärten und in die Vereins- und Jugendarbeit investiert. Apropos Jugendarbeit: „Die Weiterentwicklung des verwaisten Jugendgemeinderats hin zu einem Jugendforum ist und bleibt erklärtes Ziel.“ Nicht weniger wichtig sei es, ergänzte Waizenegger, weitere Betreuungs- und Pflegeplätze für ältere und immobile Bürger vorzuhalten.

Zuletzt attestierte der Rathaus­chef sich und der Bürgerschaft: „Wir hier in Bisingen sind keine Wut-Bürger. Wir sind Tut-Bürger. Und deswegen hat Bisingen Zukunft.“

Dieter Baumann – der verhinderte Partylöwe

Dieter Baumann ist einer der erfolgreichsten Langstreckenläufer der deutschen Sportgeschichte, holte 1992 in Barcelona olympisches Gold über 5000 Meter – und stolperte 1999 über die sogenannte „Zahnpastaaffäre“. Heute ist er als Kabarettist auf Deutschlands Bühnen zuhause.

In Bisingen versicherte er, dass seine schönste Erinnerung an seine aktive Zeit nicht die an den Gewinn der Goldmedaille sei – sondern die an das Leben im olympischen Dorf. Mit Siegerpartys und Frustsaufen gleich zum Start der Wettbewerbe – und der wunderbaren Folge, dass am Ende keiner mehr genau wusste, ob er zur Gruppe der Gewinner oder Verlierer gehört.

Eine einzige Partymeile nannte Dieter Baumann das olympische Dorf, auf der es zur Sache gehe und ausgeteilte Kondome viel zu knapp rationiert seien. Erst recht für ihn, der er als
Läufer ja erst am letzten Tag der Wettbewerbe gefordert gewesen sei. Und als er schließlich auch
seine Goldmedaille habe feiern wollen, waren die Partys längst zu Ende, die meisten Athleten schon
abgereist.

In seinem nächsten Sportlerleben wolle er deshalb Luftpistolenschütze werden – weil die immer gleich am ersten Tag der Spiele dran sind. Da könne dann er den Partylöwen geben.

Gerne erinnert sich Dieter Baumann auch an das Tauschen von Anstecknadeln aus aller Herren Ländern. Denn er konnte mit solchen nicht nur aus seinem Heimatland, sondern auch aus Simbabwe und von den Fidschis aufwarten – und das in großer Zahl. Auch hier also habe er den Sieg davon getragen.

In der tauschfreien Zeit habe er sich mit Charakterstudien und dem Zuordnen von Sportart und Athlet
beschäftigt: dem Schwimmer hängen die Arme bis zum Boden; der Ringer hat entweder Blumenkohlohren oder überhaupt keine Lauscher – weil er sich die meiste Zeit im Schwitzkasten befindet.