Grosselfingen Statt Partylaune Schlägerei

Aus mit Feierlaune: Wegen der Schlägerei wurde die Polizei gerufen. Foto: SWP
Aus mit Feierlaune: Wegen der Schlägerei wurde die Polizei gerufen. Foto: SWP
Grosselfingen / STEPHANIE APELT 28.09.2012
Statt Partyspaß gab es bei einer Geburtstagsfeier in Grosselfingen eine wilde Schlägerei. Vier junge Männer mussten sich deswegen vor dem Amtsgericht Hechingen verantworten, drei wurden verurteilt.

Der Tumult war groß, die Erinnerungslücken bei den Zeugen mehr als neun Monate nach der Schlägerei ebenfalls. Auf der Anklagebank saßen vier junge Männer. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen gefährliche Körperverletzung vor.

Dabei hatte alles so fröhlich angefangen, an jedem Abend im Dezember vergangenen Jahres. In einem Grosselfinger Vereinsheim feierte die Jugend eine große Geburtstagsparty. Rund 120 Gäste waren eingeladen. Unter ihnen auch einer der Angeklagten.

Reichlich angetrunken - es war schon ein bisschen vorgefeiert wurde - gab es erst Händel zwischen dem jetzt Angeklagten und einem anderen Gast, nur wenig später mit einem weiteren. Wer nun jeweils angefangen hatte, ließ sich nicht mehr klären, spielte auch keine große Rolle.

Interessanter wurde es, als es darum ging, was nach den beiden handgreiflichen Auseinandersetzungen passierte. Der Angeklagte, der einiges abbekommen hatte, sagte aus, er habe einfach nur noch heim gewollt, blutig und zerschlagen wie er war.

Er rief dann auch wohl an, um sich abholen zu lassen. Erst seine Tante, dann seinen Cousin? Mit der Absicht, sich tatsächlich nur heimbringen zu lassen oder doch eher, um ein Rachekommando zusammenzutrommeln, wovon die Staatsanwaltschaft ausging?

Schnell verwirrten sich die Zeugenaussagen. Zwei Auto seien vorgefahren, darauf konnten sich die meisten noch einigen, doch wie viele Personen stiegen dann daraus aus? Nur die Tante, der Cousin und ein Freund, in völlig harmloser Absicht, oder doch gleich ein ganzer Pulk, durchaus streitlustig aufgelegt? Das Geschehen verlagerte sich ins Innere des Vereinsheimes. Dort kam es schnell zur Schlägerei.

Zwei Tage dauert die Verhandlung vor dem Amtsgericht Hechingen. Einer der vier jungen Männer hatte stets beteuert, doch an besagtem Abend gar nicht dabei gewesen zu sein. Selbst die Staatsanwaltschaft sah keine schlüssigen Anhaltspunkte dafür. "Da wurde jemand über Facebook ,identifiziert, nur weil er auf der Freundesliste stand und in der Statur jemand ähnelte", ärgert sich die Verteidigung. Der Freispruch lag auf der Hand.

Was aber war mit den drei anderen Angeklagten, sicherlich nicht völlig unbescholten an dem ganzen Geschehen? "Was ist Vermutung, was tatsächlich nachweisbar?", wollte die Verteidigung wissen. Aus ihrer Sicht, "hat jeder ein bisschen was gesehen und jeder kann sich irren". Auch die Angeklagten legten noch einmal nach: "Nur weil wir dagewesen sind, können nur wir es jetzt gewesen sein. Das ist einfach unfair."

Überzeugt aber hat schließlich den Vorsitzenden Richter nicht diese Unschuldsbeteuerung, sondern ein Zeuge, "an dem wir einfach nicht vorbeikommen". Denn wie war das mit dem Fußtritt auf einen am Boden Liegenden? Diesen soll, laut Anklage, jener junge Mann ausgeteilt haben, der in den zwei Schlägereien zuvor ja einiges hatte einstecken müssen. Der Barkeeper will genau dies beobachtet haben, zeigte sich darin auch ganz sicher. Und so gab es für den jungen Mann auf der Anklagebank das Urteil (nach Jugendstrafrecht): einfache, vorsätzliche Körperverletzung. Die Strafe: 500 Euro, zu zahlen in Raten, an eine gemeinnützige Einrichtung.

Für seinen Cousin sieht es schlechter aus. Dieser wurde als Erwachsener eingestuft und, da, wie der Richter meint, "an vorderster Front dabei", der sich den Gegner "vorknöpfen" wollte, wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf (drei Jahre) Bewährung verurteilt, zusätzlich wurden 80 Arbeitsstunden verhängt.

Der Dritte im Bunde, wiederum nach Jugendstrafrecht, muss wegen Beihilfe zur Körperverletzung 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. "Sie wollten dem Freund die Unterstützung nicht versagen, genau das ist jugendspezifisches Verhalten", meinte der Richter.

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