Wessingen SPD-Neumitglied Klotzbücher stimmt mit Ja

Wessingen / Judith Midinet 24.02.2018
Vinzenz Klotzbücher ist eines der über 24.000 SPD-Mitglieder, die seit Jahresbeginn in die Partei eingetreten sind.

Noch bis 2. März haben die SPD-Mitglieder Zeit über den Koalitionsvertrag abzustimmen, den die Genossen mit der CDU und CSU in Berlin ausgehandelt haben. Am 4. März soll das Ergebnis des Mitgliederentscheids feststehen. Es könnte knapp werden mit einer Mehrheit für die GroKo. Das sieht auch der Wessinger Vinzenz Klotzbücher so. Aber für ihn gibt es keine Alternative als dafür zu stimmen. Deswegen hat er sich auch Anfang Februar dazu entschieden, Mitglied im SPD-Ortsverein Bisingen zu werden. Damit ist er eines der über 24.000 neuen Mitglieder, die seit Beginn des Jahres in die Partei eingetreten sind. Bei vielen, so wird vermutet, war das Nein zur Großen Koalition ausschlag­gebend für die Mitgliedschaft. Nicht so bei Vinzenz Klotzbücher, auf seinem Stimmzettel wird ein Ja stehen.

Der 59-jährige Wessinger steht durch seine berufliche Tätigkeit seit jeher der SPD nahe. Seit 25 Jahren ist er im Betriebsrat seines Arbeitgebers, ist Mitglied der Gewerkschaft Verdi. Unter der Flagge der SPD hat er auch schon für den Bisinger Gemeinderat kandidiert, „aber nie richtig den Bogen bekommen einzutreten“, wie er erzählt. Den Bogen bekam er jetzt, als er mit dem SPD-Ortsverein auf politischer Bildungsreise in Berlin (wir berichteten) war. Dort wurde viel diskutiert, „die Gruppe war dufte“, und Ortsvereinsvorsitzende Gisela Birr leistete Überzeugungsarbeit, so dass sich Klotzbücher zu „jeder Schandtat bereit“ erklärte und den Mitgliedsantrag noch in Berlin unterschrieb. Aus einer Laune heraus entstand die Mitgliedschaft aber nicht, der 59-Jährige ist davon überzeugt, dass „ein Land wie Deutschland es sich nicht leisten kann, ohne Regierung zu sein“. Er ist fest davon überzeugt, dass man nicht immer nur schimpfen kann, sondern eben auch etwas tun muss.

Nicht gut gelaufen ist laut Klotzbücher einiges auf Seiten der SPD. Das schlechte Wahlergebnis erklärt er sich unter anderem damit, dass Kanzlerkandidat Martin Schulz während des Wahlkampfes auf die Regierung geschimpft hat. „Doch die SPD war ja mit in der Regierung, da war ja nicht alles schlecht, es wurde auch viel Soziales erreicht“, sagt er. Auch die Personaldebatten, um die Besetzung der verschiedenen Ministerämter sieht er kritisch. Deswegen versteht er die Haltung der Jusos, appelliert aber an deren Verantwortung: „Wenn die Mitglieder jetzt nicht an einem Strang ziehen, ist die Gefahr groß, dass die Partei kaputt geht.“ Sollte es zu Neuwahlen kommen, sieht der frischgebackene Genosse aber nicht nur die Gefahr, dass seine Partei ein noch schlechteres Ergebnis einfährt, sondern auch, dass die AfD weiter zulegt. „Das geht gar nicht“, sagt der 59-Jährige, für den es nicht nachvollziehbar ist, dass so viele Menschen für die AfD gestimmt haben, „in Deutschland, in einem Land mit dieser Geschichte“.

Den Koalitionsvertrag von SPD, CDU und CSU findet Vinzenz Klotzbücher gut. „Da wurde von der SPD vieles durchgebracht, das muss sie jetzt auch versuchen umzusetzen, dafür ist sie in der Verantwortung“, sagt er. Die Führungsmannschaft müsse jetzt einen „guten Job“ machen. Dafür gebe es genügend gute Leute – angefangen von Andrea Nahles, deren kämpferische Art Klotzbücher gefällt, bis hin zu Olaf Scholz. Jetzt müssten sich alle am Riemen reißen und zeigen, was sie drauf hätten.

An diesem Wochenende macht Vinzenz Klotzbücher sein „Kreuzle“ bei Ja und wartet mit Spannung das Ergebnis ab, das, so hofft er, ein Ja sein wird. „Alles andere möchte ich mir nicht vorstellen“, sagt er.

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