Bisingen/Steinhofen Sophie Holocher feiert am Dienstag ihren 90. Geburtstag

STEPHANIE APELT 19.07.2016
So manches Ständchen wird ihr zu ihrem 90. Geburtstag sicherlich gebracht: Sophie Holocher liebte die Musik, vor allem das Klavierspiel, schon immer.

Am 19. Juli 1926 geboren, hat Sophie Holocher als Tochter des Johann Blender und dessen Ehefrau Kreszentia in Steinhofen das Licht der Welt erblickt. Noch zwei weitere Kinder folgten, um die Familie vollständig zu machen.

Nach der Volksschule hat Sophie Holocher, wie alle anderen Familienmitglieder, tatkräftig in der Bäckerei der Familie Blender mitgearbeitet.

Sie hat sich im Laufe von drei Jahren in der Buchführung kundig gemacht, um sich auch in dieser Materie im Geschäft des Vaters nützlich zu machen.

Die Ausbildung kam ihr auch später in ihrer Ehe zugute.

Die junge Sophie war gerade mal 13 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Sie kann viel von Erinnerungen berichten, zum Beispiel von den täglichen Märschen der Häftlinge, die sich vom Lager zum Steinbruch in ihren ausgemergelten Körpern die Straße entlangschleppten. Unter großer Gefahr, entdeckt zu werden, steckten kleine Mädchen den Ausgehungerten heimlich Brotscheiben zu.

Diese längst vergangenen Ereignisse zu erwähnen sind wichtig, da diese zum Lauf des Lebens ihrer Generation gehören.

Es war Pfarrer Oswald, der damals die 15-jährige Sophie in die Pflicht nahm, am Klavierunterricht bei ihm teilzunehmen. Das Klavier, das ihr Vater besorgte, galt für alle künftigen Weihnachtsgeschenke.

Noch andere Buben und Mädels hat der voraussichtige Pfarrer in Steinhofen für den Unterricht angeheuert, um sicher zu gehen, dass seine Pfarrei keinen Mangel an Organisten zu beklagen hat. Und tatsächlich musste  er sich bald auf seine weiblichen Klavierschüler verlassen, da die männlichen Schüler in den Kriegsdienst eingezogen wurden.

Sophie Holocher war 64 Jahre Organistin in der Steinhofener Kirche. Und bis vor wenigen Jahren hat sie regelmäßig im Kirchenchor mitgesungen.

Mit Walter Holocher trat sie im Oktober 1951 in den Stand der Ehe. Das junge Paar bezog ein altes Haus in der Bachstraße, das mit vielen Mühen und Entbehrungen von ihrem Mann saniert wurde.

Aus der Ehe gingen zwei Mädchen und zwei Jungen hervor. Im Laufe der Jahre folgten acht Enkel und seit Oktober letzten Jahres eine Urenkelin.

Walter Holocher gründete ein Gipsergeschäft, in dem die Ehefrau Sophie  ihre Kenntnisse in Buchführung einbringen konnte.

Die größer gewordene Familie erforderte auch eine größere Bleibe und so zog die Familie 1997 in das neu gebaute Haus in der Rosengasse 23. Im Januar dieses Jahres verstarb Walter Holocher.

Es fiel Sophie Holocher nicht schwer, das große, jetzt leere Haus zu verlassen, um in der Seniorenanlage in Bisingen eine kleine gemütliche Wohnung zu beziehen, wo sie sich schon nach kurzer Zeit zu Hause fühlte.

Zu erwähnen wäre noch, dass sie den Gottesdienst im Haus im Park mit ihrem Klavierspiel gerne begleitet.