Alljährlich im Sommer gestaltet das Ensemble der American Drama Group im Rahmen seiner europäischen „Castle-Tour“ den Burghof der Zollerburg in eine Theaterkulisse um. Dieses Jahr hatten die Theaterleute Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtsraum“ („A Midsummer Night’s Dream“) im Gepäck.

William Shakespeare schrieb das Stück im Jahr 1595 oder 1596. Kurz darauf wurde es uraufgeführt. Sommer – Nachts – Traum. Schon der Stücktitel ist eine einzige Verheißung. „Sommernachtstraum – ein Gebild aus Schaum und Flaum, wiegt nicht schwerer als ein Traum“, lässt Shakespeare seinen Puck sagen. Und in der Tat entführte Shakes­peares beliebteste Komödie die zahlreichen Theaterbesucher in eine fantasievolle Feenwelt, in der die Liebe, launisch wie der Mond, abgründig und ergreifend, in einer rauschhaften Nacht gefeiert wird.

Eselsohren und Elfenkinder

Als typische Shakespeare-Komödie mit vielen Verwicklungen, Illusionen, Täuschungen, wirkt das Stück durch eine fast einmalige Symmetrie: feinsinnig und derb, schön und hässlich, unsinnig und sinnbehaftet, lyrisch, profan und lustig. Die Irrungen und Wirrungen der Liebe halten manch eine Überraschung bereit.

Während Theseus (Dan Wilder), der Herzog von Athen, sich bemüht, seine Braut Hippolyta (Rachel Middlegen), Königin der Amazonen, zu besänftigen, bittet der wohlhabende Egeus den Herzog, ein Machtwort zu sprechen. Egeus‘ Tochter Hermia (Jessica Atkins) soll nämlich Demetrius (Sam Wright) heiraten, doch die junge Frau liebt Lysander (Kyle Taylor), der seinerseits in Helena (Rachel Middle) verliebt ist. Diese wiederum liebt Demetrius, der nur Augen für Hermia hat.

Ehekrieg im Zauberwald

Die Liebenden und die Verschmähten fliehen in einen Zauberwald, wo Oberon (Dan Wilder) und Titania (Aimee Hislop) über ein Heer von Elfen und Waldgeistern herrschen. Und wo nicht nur eine Truppe von Handwerkern tollpatschig ein Theaterstück über die Liebe für die Hochzeitsfeier übt, sondern auch noch ein Ehekrieg zwischen dem Elfenkönig Oberon und seiner Gattin Titania tobt. Als wäre dieses durch wildes Begehren und wahre Gefühle bestimmte Chaos nicht schon ausreichend, mischt auch noch Oberons Gehilfe Puck (Kyle Taylor), ein zu bösartigen Streichen aufgelegter Kobold, mit. Mit seiner Zauberwurzel verwechselt er Demetrius mit Lysander und die an den Falschen angewandte Liebesdroge schafft zusätzliche Missverständnisse und Konfusion.

Hemmungslos stürzen sich nun Lysander, Hermia und Demetrius auf das nächstbeste Objekt ihrer plötzlich erwachten Begierde. Königin, Handwerker, Geschlechter, Eselsohren, Elfenkinder, Freund oder Feind – alles gerät aus der Spur: Wer sich eben noch liebte, hasst sich nun inbrünstig, und wer sich hasste, verfällt einander für immer. Nachdem nun Liebende, Waldgeister und Handwerker gehörig durcheinandergewirbelt sind, löst Oberon die Verwirrung und führt die Paare zueinander.

Spielfreudiges Ensemble

Paul Stebbings gelang mit seinem Sommernachtstraum eine ideenreiche Inszenierung der komplexen Komödie. Shakespeares Zauberwald glitzerte in vielen Farben und Facetten. Und wieder erwies sich die American Drama Group als munteres, spielfreudiges Ensemble, das flott Kleidung und Rollen wechselt, vor allem die burlesken Aspekte reichlich nutzt und seinen komödiantischen Talenten vogelwild nachgeht.

Das Publikum wurde durch diesen „Abend der Komödianten“ bestens unterhalten. Es dankte mit begeistertem Applaus.

Den romantischen Rahmen für die Aufführung lieferte der Hof der Burg Hohenzollern mit seinen historischen Türmen und Gebäuden. Wo – wenn nicht hier – könnte ein derartiges Theaterstück besser gezeigt werden? Ein Genuss für einen lauen Sommerabend.