Bisingen Seltener Fund eines Fischsaurier-Fossils

Bisingen / Stephanie Apelt 12.01.2019
Die Gemeinde hat einen Ichthyo- saurier aus privater Hand angeboten bekommen. Der Fischsaurierer war beim Bau der B 27 geborgen worden.

So ein Stück gibt es auf Bisinger Gemarkung wohl in absehbarer Zeit nicht noch einmal: Die Gemeinde Bisingen hat ein Fossil – einen Ichthyosaurier, umgangssprachlich Fischsaurier – aus einer privaten Sammlung zum Kauf angeboten bekommen. Am Dienstag müssen die Gemeinderäte entscheiden, ob sie sich den seltenen Fund sichern möchten. Der Kaufpreis für die gut 2,40 mal 1,30 Meter große Schieferplatte liegt bei 17 500 Euro.

Das Fossil war beim Bau der neuen Trasse für die B 27 zu Beginn der 90er-Jahre im Bereich Bisingen, vermutlich bei Steinhofen, von einem privaten Sammler, einem leidenschaftlicher Paläontologen, entdeckt und professionell geborgen worden. Das bescheinigt auch eine wissenschaftliche Expertise, die die Verwaltung bei anerkannten Paläontologen in Tübingen in Auftrag gegeben hat. Beim Bau der B 27 bei Bisingen waren nur sehr wenige ausgeprägte Saurierskelette zum Vorschein gekommen. Einige wenige Funde befinden sich im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart, der Rest in privaten Händen.

Der Sammler ist inzwischen gestorben, die Tochter löst nun die private Sammlung auf. Dabei sei es, wie sie es Bürgermeister Roman Waizenegger erzählte, immer der Wunsch ihres Vaters gewesen, die Stücke später der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ganz vollständig ist der Ichthyosaurier, genauer ein Stenopterygius, aus dem sogenannten Seegrasschiefer (einer unteren Posidonienschiefer-Formation) nicht – es fehlt die Schwanzwirbelsäule –, dafür aber wohl gut erhalten. Die Fundschicht halten die Wissenschaftler für eher ungewöhnlich, damit für bedeutend. Einen Kaufpreis von 15 000 bis 20 000 Euro halten sie für angemessen.

Unentdeckte Unterart?

Bei dem Fossil, meinen die Wissenschaftler, könnte es sich sogar um eine noch nicht entdeckte Ichthyosaurier-Art handeln: Dafür spreche nicht nur die ungewöhnliche Fundschicht. Sondern es werden auch anatomische Eigenheiten des Exemplars festgestellt: insbesondere der auffallende Bau der Hinterflossen, der von anderen Vertretern der Gattung Stenopterygius abweiche.

Dieser besondere Umstand, die hervorragende Präparation (die damals den Sammler mehrere Tausend Mark gekostet haben dürfte) sowie eben der Fundort veranlasste die Verwaltung, nach Rücksprache mit den Fraktionsvorsitzenden, mit der Tochter des Sammlers über den Kauf zu verhandeln.

Das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart hat bereits signalisiert, dass nichts gegen den Erwerb des Fossils durch die Gemeinde spreche. Vorausgesetzt, der Fund wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Preis steht, das letzte Wort hat wie immer der Gemeinderat.

Info Der Bisinger Gemeinderat tagt am Dienstag, 15. Januar, um 19.30 Uhr im kleinen Saal der Hohenzollernhalle in Bisingen.

185

Millionen Jahre ist die Gesteinsschicht (Posidonienschiefer), in der der Bisinger Ichthyosaurier eingebettet war. Sie gehört in das höhere Unterjura.

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