Bisingen Grobe Sachbeschädigung vor Gericht

Gab es den Faustschlag auf die Motorhaube oder nicht? Das Gericht hat noch Klärungsbedarf.
Gab es den Faustschlag auf die Motorhaube oder nicht? Das Gericht hat noch Klärungsbedarf. © Foto: Archivfoto
Bisingen / Sabine Hegele 11.01.2019
Ein zweiter Gerichtstermin muss klären, ob sich ein 53-jähriger Bisinger der Sachbeschädigung schuldig gemacht hat.

Wurde der Angeklagte von seinem Kontrahenten angefahren oder fiel der VW-Bus des Geschädigten per Faustschlag auf die Kühlerhaube dessen Willkür zum Opfer? Vollzog sich die verbale Auseinandersetzung bei laufenden Motoren oder im „Parkmodus“? Solche und andere Fragen mehr warf am Donnerstagvormittag die Verhandlung vor dem Hechinger Amtsgericht gegen einen 53-Jährigen aus Bisingen auf. Auf ihm lastet der Vorwurf der Sachbeschädigung.

Was war geschehen? Im April des vergangenen Jahres wollte der Angeklagte in einer Pizzeria im Kirchspiel Pizza zum Mitnehmen abholen. Sein Auto hatte er derweil vor der Einfahrt des Lokals geparkt. Zum Verdruss des Nachbarn, der mit seinem VW-Bus just in dieser Zeit aus selbiger ausfahren wollte. Zur gleichen Zeit fuhr der Pizzabote vor und nahm dem Nachbarn – so dessen Aussage vor Gericht – den Anruf bei der Wirtin ab, der Halter des falsch parkenden Autos möge die Einfahrt freimachen. Der Angeklagte führte vor Gericht aus, dass der Geschädigte selbst den Anruf getätigt habe.

Auch in der Darstellung der folgenden Auseinandersetzung gingen die Aussagen des 53-Jährigen und seines 37-jährigen Kontrahenten weit auseinander. Der Angeklagte erklärte, die Pizzeria nach dem Anruf verlassen zu haben, um sein Auto umzuparken. Als er die Einfahrt frei gemacht hatte, habe er den Fahrer des VW-Busle rausgewunken, der aber habe sich nicht gerührt. Da habe er, der Beklagte, seinen Wagen verlassen und den Busle-Fahrer aufgefordert, jetzt doch rauszufahren. Das habe dieser nicht getan, überhaupt habe er zunächst gar nicht reagiert. Vielmehr habe er den Eindruck gemacht, „stoned“ oder „bekifft“ zu sein – jedenfalls „kam er mir total irre vor“. Unvermittelt habe dessen Busle dann einen „Satz“ auf ihn zugemacht, wobei der Angeklagte nach eigenen Angaben „leicht an der Ferse“ getroffen wurde. Erschrocken will der 53-Jährige sich darauf gegen das Fahrzeug gestemmt haben. Dennoch habe er den Streit nicht fortgesetzt, sondern sei zurück in die Pizzeria gegangen. Warum er nicht auf den Angriff reagiert habe? „Es laufen so viele Irre da draußen rum, da muss ich nicht jeden Tag einem begegnen.“

Das als Zeuge geladene Opfer schilderte den Hergang völlig anders. Nicht er, sondern der Pizzabote habe die Wirtin angerufen, dass ein Auto die Einfahrt blockiere. Als dessen Besitzer aus dem Lokal kam und seinen Wagen bestieg, habe er ihm zugerufen, dass „das hier kein Parkplatz ist“. Darauf sei der Angeklagte wieder ausgestiegen, an sein Busle herangetreten und habe zu ihm gesagt, „steig aus, damit ich dir eine reinhauen kann“. Das habe er natürlich nicht getan, ebenso wenig habe er den Mann angefahren – „der Motor war definitiv aus“. Der Angeklagte indes habe unvermittelt mit der Faust auf die Kühlerhaube seines Firmenwagens gehauen. Geschätzter Schaden: 480 Euro. Zugleich stellte der 37-Jährige klar, dass das Busle vor diesem Vorfall keine Delle in der Motorhaube hatte. Genau das aber wollte der Beklagte von der Wirtin der Pizzeria erfahren haben.

Zeuge der Auseinandersetzung war ein 40-jähriger Mann, der vor Gericht deutlich machte, dass er nicht derjenige sei, der den Anruf bei der Wirtin getätigt habe. Wohl aber habe er, weil er ebenfalls in die Einfahrt habe einfahren wollen, das Geschehen „aus dem Augenwinkel“ beobachten können.

Aus diesem Grund war er auch schon von der Polizei vernommen worden. Dort hatte er angegeben, kein laufendes Motorengeräusch gehört zu haben, auch die verbale Auseinandersetzung könne er nicht wiedergeben. Er habe lediglich gesehen, wie die Faust des Angeklagten auf dem Busle des Opfers landete.

Vor Gericht war seine Erinnerung eine völlig andere. Der Fahrer des Busle habe bei laufendem Motor gewartet, dass der Angeklagte die Einfahrt frei macht. Als dieser dann an selbigen herangetreten sei, habe das Busle einen „Satz“ nach vorne gemacht, worauf der 53-Jährige „reflexartig, fast hysterisch“ auf das Fahrzeug geschlagen habe.

Was hat sich nun wirklich ereignet? Weitere Zeugenbefragungen sollen Klarheit schaffen, zumal die Staatsanwaltschaft dem gehörten Zeugen keinen Glauben schenkte. Deshalb werden auf den kommenden Mittwoch, 16. Januar, die Wirtin der Pizzeria und jene Polizeihauptmeisterin, die die Aussage des 40-jährigen Zeugen protokolliert hat, vor Gericht geladen.

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