Gibt es Fragen? Vor der Sitzung des Ortschaftsrates Wessingen hatten die Einwohner das Wort. Und ja, Wolfgang Mayer, selbst Jahrzehnte ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert, wollte wissen: Wie werden denn die neuen Ortschaftsräte eingearbeitet?

Die Gemeinde bietet für Ort-­schafts- und Gemeinderäte Schulungen an; diese laufen über das Landratsamt. Ansonsten hilft: sich einarbeiten, erfahrene Kollegen zu Rate ziehen.

Eigene Ehrung für Urgestein Pius Mayer

Ein Thema, was den Wessinger Ortschaftsrat (weiterhin) stark beschäftigen wird, wird sicherlich die innerörtliche Schaffung von Wohnraum sein. Bürgermeister Roman Waizenegger bietet alle Unterstützung an. „Sie haben sehr große Gestaltungsmöglichkeiten, was Ihren Flecken anbelangt.“ Die Grenzen setzen natürlich die Finanzen. Da klang Bisingens Bürgermeister, mit Blick auf die Konjunktur, durchaus besorgt: „Die Gewitterwolken sind am Horizont zu sehen.“

Dann aber war Zeit für den Einstieg in die Tagesordnung. Es galt ja schließlich am Donnerstagabend, den bisherigen Ortschaftsrat zu verabschieden, den neuen einzusetzen.

Ortsvorsteher Joachim Breimesser (seit der Kommunalwahl im Mai kommissarisch im Amt, um ganz korrekt zu sein) wollte allen amtierenden und den ausscheidenden Ortschaftsräten danken. Viel zu oft werde vergessen, dass dieses Amt ein Ehrenamt ist. „Die Bereitschaft, sich einzubringen, kann nicht hoch genug geschätzt werden.“

Seit 38 Jahren war Pius Mayer kommunalpolitisch tätig, sowohl im Ortschafts- als auch im Gemeinderat. Für ihn wird es einen besonderen Ehrungsabend mit einer ganz besonderen Ehrung geben. Der Termin wird noch festgesetzt. Geschenke, persönliche Worte und Applaus gab es zudem für Siegfried Schneider, Bernhard Mayer, Edmund Schneider, Daniela Oesterle und Stefanie Schieber. Alle sechs hören auf.

Die neuen beziehungsweise wieder gewählten Ortschaftsräte wurden von Breimesser per Handschlag in ihr Amt verpflichtet. Und da Breimesser sich nicht selbst verpflichten kann, übernahm das Bürgermeister Waizenegger.

Eine klare Sache war die Wahl des Ortsvorstehers. Joachim Breimesser wurde vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Er ist seit 15 Jahren als Ortschaftsrat und Ortsvorsteher kommunalpolitisch aktiv. Als 1. Stellvertreter wurde Martin Mayer bestimmt, als 2. Artur Schlaier, beide erfahrene Kräfte. Der Bisinger Gemeinderat muss in seiner Sitzung am nächsten Dienstag, 16. Juli, dieser Wahl noch zustimmen, was in der Regel reine Formsache ist.

Rathaus ist nicht behindertengerecht

Der Blick nach Wessingen zeigt: Hier hat sich im Ortschaftsrat ein echter Generationenwechsel vollzogen. Und: Drei Frauen sitzen am Ratstisch, das ist eine gute Quote. Waizeneggers Rat: „Nur wenn man zusammenarbeitet, kann man auch etwas erreichen.“ Urgestein Pius Mayer hat keine Zweifel, dass die Neuen das schon packen werden. Bot aber an: „Sie können bei den Vorgängern gerne Erfahrung abrufen.“

Eine ganz konkrete Aufgabe gibt es schon. Ortschaftsrätin Johanna Kastner ist auf den Rollstuhl angewiesen, das Wessinger Rathaus, wo üblicherweise getagt wird, aber mitnichten behindertengerecht. Aus diesem Grund war die konstituierende Sitzung in die Turn- und Festhalle verlegt worden. Breimesser hat sich schon kundig gemacht, was der Einbau eines Treppenliftes und einer behindertengerechten Toilette kostet: gut 20 000 Euro. Musste aber die beschämende Erfahrung machen, dass es dafür keinerlei Fördermittel gibt. Breimessers Versprechen: „Wir werden das Problem lösen.“ Bis dahin wird der Ortschaftsrat eben in der Halle tagen.

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