Bisingen Nachbar schaut direkt auf die Garagenwand Gemeinderat lehnt Bauvorhaben ab

STEPHANIE APELT 25.04.2013
Es geht um ein Grundstück an der Bahnhofstraße. Dort soll ein Carport mit mehreren Stellplätzen gebaut werden. Der Gemeinderat ist dagegen.

Es ist keine einfache Geschichte. Die Gemeinde hat das Grundstück verkauft, der neue Besitzer hat inzwischen ein Baugesuch eingereicht. Das sieht vor, direkt an der Bahnhofstraße 15 einen Carport mit mehreren Unterstellplätzen zu errichten. Die Stellplätze sollen vermietet werden.

Das Problem ist die direkte Nachbarschaft. Das Wohnhaus dort steht dicht an der Grundstücksgrenze, wurde aber damals, ein paar Jahrzehnte ist das mittlerweile her, so genehmigt. Jetzt rückt der Carport ran, und zwar auf zweieinhalb Meter. Großes Kopfschütteln im Gemeinderat. Die Hausbewohnern würden aus ihren Wohnzimmerfenstern direkt auf die Rückwand des Carports schauen. "Das macht das Haus doch total wertlos", ärgert sich Lothar Schneider, "das kann man doch niemandem zumuten".

Schon im Februar dieses Jahres hatte die Gemeindeverwaltung ihr "städtebauliches Einverständnis" nicht erteilt, der Gemeinderat wurde davon unterrichtet. Derweil wurde das Gespräch mit dem Bauwilligen gesucht.

Doch während Verwaltung und Gemeinderat noch nach einer Lösung suchen, schafft das Landratsamt Fakten. Von dort habe es nun grünes Licht für das Vorhaben gegeben, wie Bürgermeister Joachim Krüger in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte. Und zwar ohne dass der Gemeinderat noch einmal die Chance gehabt hätte, darüber zu diskutieren. Die Post sei genau einen Tag vor der Sitzung gekommen. Krüger zeigte sich sichtlich erbost über diesen "Schlag".

Die Gemeinderäte bleiben bei ihrem Nein. Rechtliche Schritten werden erwogen, vor allem aber will man noch einmal mit dem Bauherrn sprechen. Und einen Trumpf hat die Gemeinde noch: Genau zwischen Bahnhofstraße und Grundstück liegt ein zwei Meter breiter Streifen, der ihr gehört - "und das ist keine öffentliche Fläche", wie Krüger meint. "Also können wir entscheiden, wer darüber fährt - oder eben nicht."

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