Bisingen Museum wird neu konzipiert

Ein Geschichtslehrpfad ergänzt die Ausstellung und liefert an authentischen Standorten Informationen zu Lagergelände, Ölschieferabbau, KZ-Friedhof und ehemaligem Massengrab.
Ein Geschichtslehrpfad ergänzt die Ausstellung und liefert an authentischen Standorten Informationen zu Lagergelände, Ölschieferabbau, KZ-Friedhof und ehemaligem Massengrab. © Foto: Stephanie Apelt
Bisingen / Stephanie Apelt 19.07.2018
Die Ausstellung über das Konzentrationslager in Bisingen soll überarbeitet und zeitgemäß mit digitalen Angeboten erweitert werden.

Gut 1300 Menschen, gerade viele junge, besuchen das Bisinger Heimatmuseum und die dortige Dauerausstellung „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“ pro Jahr. Tendenz steigend. Jetzt soll die Ausstellung umfassend modernisiert werden.

Der Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen hat sich zusammen mit einem auf Museumsaussstellungen spezialisiertenn Büro an eine eine grundlegende Überarbeitung gemacht. Ines Mayer, 2. Vorsitzende des Gedenkstättenvereins, und Herwig Schneider, „design und mehr“, Stockach, stellten das Konzept in der Gemeinderatssitzung am Dienstag vor.

Das bisherige Schwerpunktthema KZ Bisingen 1944/45 soll um weitere Aspekte des nationalsozialistischen Unrechtssystems, aber auch um übergeordnete Gesichtspunkte wie Ausgrenzung, Verfolgung einerseits, Unterstützung und Zivilcourage andererseits erweitert werden. Es wird unter anderem gefragt: Wie ging es nach 1945 weiter? Der Zeitstrahl soll dabei bis in die Gegenwart führen.

Lange Texte und starre Fotos sind dabei für ein Museum nicht mehr Mittel der Wahl, um Aufmerksamkeit zu erreichen und zu halten. Der Gedenkstättenverein setzt auf digitale Angebote: auf Audioaufnahmen mit Interviews von ehemaligen Häftlingen des KZ-Außenlagers Bisingen (viele davon stammen aus der Shoah Foundation des Regisseurs Steven Spielberg), aber auch von Zeitzeugen aus dem Ort, auf interaktive Angebote bis hin zu einer webbasierten Steuerung der Inhalte. Die Wüste-Werke in Engstlatt und Dußlingen, eng mit dem Lager in Bisingen verbunden, werden hinzu genommen (gerade aus dem Kreis Tübingen kommen viele Schulklassen in das Bisinger Museum).

Die Bisinger Gemeinderäte waren, Konrad Flegr, brachte es auf einen Nenner, „platt vor Begeisterung“ – „Es ist heute mehr denn je notwendig, dieser Geschichte weiter zu erzählen“, ergänzte Gisela Birr.

150 000 Euro wird die Neukonzeption kosten. Die Gemeinde stellt 100 000 Euro zur Verfügung. Der Rest soll vom Verein über Spenden aufgebracht werden; 30 000 Euro sind wohl bereits zugesagt. Die Ausstattung gehört (wie bislang) der Gemeinde.

Wenn alles gut läuft, soll die neue Ausstellung im Frühsommer 2019 eröffnet werden.

Ein neuer Name fürs Museum?

Seit mehr als 20 Jahren widmet sich die Gemeinde Bisingen dem Thema Ölschiefergewinnung („Unternehmen Wüste“) und Zwangsarbeit im KZ Bisingen. „Es ist ein Teil der Geschichte Bisingens“, betont Bürgermeister Roman Waizenegger. Im Zuge der Neukonzeption der KZ-Ausstellung könnte aber vielleicht auch über einen anderen Namen für das „Heimatmuseum“ nachgedacht werden.

Mit mehr als 1200 Jahren seit der ersten Erwähnung weise Bisingen eine sehr umfassende Geschichte auf. Die Gemeinde sollte sich „mittelfristig“, so Waizenegger, Gedanken darüber machen, wo diese – und damit die Arbeit der Heimatvereine Bisingen-Steinhofen, Wessingen und Thanheim – Platz findet.

Ausgezeichnet mit Europäischem Kulturerbe-Siegel

Ende der 1980er Jahre kaufte die Gemeinde Bisingen das ehemalige „Emmerich-Haus“ in der Kirchgasse 15. Es wurde grundlegend restauriert und zu einem Museum umgebaut. Ursprünglich sollte der Heimatverein Bisingen-Steinhofen das Museum aufbauen. Eine entsprechende Museumskonzeption wurde vom Heimatverein 1993 vorgelegt und vom Gemeinderat genehmigt. Die Konzeption aber wurde aus vielen Gründen nie umgesetzt.

1996 beschloss der Gemeinderat die Ausstellung mit dem Titel „Schwierigkeiten des Erinnerns“ vorübergehend im Heimatmuseum unterzubringen. Am 3. November wurde die von Christine Glauning im Auftrag der Gemeinde konzipierte Ausstellung eröffnet. 1998 wurde daraus eine Dauerausstellung. Ein Geschichtslehrpfad kam hinzu, der authentische, historische Orte des ehemaligen KZ-Komplexes miteinander verbindet.

2003 wurde der Verein „Gedenkstätten KZ Bisingen“ gegründet. Im selben Jahr wurde die Dauerausstellung umgestaltet. Sie trägt seither den Titel „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“.

2018 wurde der Gedenkstättenverein KZ Bisingen zusammen mit 14 weiteren Gedenkstätten im Bereich des KZ-Komplexes Natzweiler mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.

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