Bisingen Mit wehender Fahne in den Tod

Bisingen / MATTHIAS BADURA 29.01.2016
Darf man einen Propagandafilm wie "Hitlerjunge Quex" heutzutage offen zugänglich machen - oder birgt das Gefahren? Darüber diskutierte man am Holocaust-Gedenktag im Bisinger Heimatmuseum.

Aus Anlass des Internationalen Holocaustgedenktags zeigte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen am Mittwoch den NS-Propagandafilm "Hitlerjunge Quex". Ein Platz war zu Beginn der Vorführung im Bisinger Heimatmuseum nicht mehr zu bekommen. Über 50 Interessierte drängten sich in den Stuhlreihen, an den Wänden und auf der Treppe.

Susanne Maier und Karl Kleinbach gaben vor dem Filmstart einen Handlungsabriss und machten die Besucher darauf aufmerksam, welche Szenen, oft auch nur Details und Andeutungen, sie beachten sollen.

Hitlerjunge Quex, uraugeführt 1933 im Beisein Adolf Hitlers, ist ein sogenannte Vorbehaltsfim. Wie etwa "Jud Süß" oder "Festung Kohlberg" darf er nicht ohne eine Einführung oder Kommentierung gezeigt werden. Dahinter steht die Sorge, das Publikum könnte der oft fein gesponnenen, maliziösen, auf den ersten Bilck vielfach nicht durchschaubaren Propaganda der zumeist auch noch handwerklich hervorragend gemachten Streifen auf den Leim gehen.

Ist diese Sorge 70 Jahre nach dem Zusammenbruch des Naziregimes und angesichts einer fortdauernden Aufarbeitung der damaligen Zusammenhänge heute noch gerechtfertigt? Um diese Frage ging es in der nachfolgenden Diskussion. Zunächst aber gab es den Film: Heini Völker, ein aufrechter und liebenswerter Junge, wächst im verschluderten kommunsitisch-proletarischen Milieu auf. Sein prügelnder und saufender Vater will ihn in eine sozialistische Jugendorganisation pressen, Heini aber fühlt sich zu der blitzsauberen, disziplinierten Hitlerjugend hingezogen, wo Chorgeist und Kameradschaft herrschen.

Nachdem er einen feigen Bombenanschlag der Kommunisten auf eine Gruppe der Hitlerjugend vereitelt, jagen und ermorden ihn die Linken seines eigenen Viertels. Heini, der tapfere Heinrich, der von seinen Kameraden "Quex" genannt wird, gleitet zum schmetternden Gesang seines Lieblingsliedes "Unsere Fahne flattert uns voran" in die Ewigkeit hinüber, wo die siegreichen nationalsozialistischen Garden marschieren.

Der Film ist spannend, cineastisch von höchster Qualität und in seinen Aussagen und Eindrücken längst nicht so wuchtig wie etwa "Der Große König". Auch ist er keineswegs so plump, wie ihm selbst manche Nazis vorwarfen. Er malt nicht in schwarz-weißen Farben, sondern lenkt die Empfindungen auf eine nahezu freundliche Weise zugunsten der Nazis.

Und gerade das, meinte ein Teil des Publikums, mache ihn noch immer gefährlich. "Quex", mit dem die Nazis gezielt Kinder und Jugendliche aus dem Arbeitermilieu zu gewinnen hofften, sollte demnach im Giftschrank bleiben. Andere Zuschauer waren der Ansicht, heutige Betrachter, und sehr wohl auch Jugendliche, seien imstande, die abgefeimten Absichten des Films zu durchschauen.

Zahlreiche Besucher beteiligten sich an der Diskussion, darunter auch Professor Paul Münch und Walter Wadehn, 1. Bevöllmächtigter der IG Albstadt. Letztlich blieb die Frage aber ungeklärt.

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