WIRTSCHAFT Kress in bayerischer Hand

Bisingen / STEPHANIE APELT 05.02.2015
Das Zusammenleben währte nicht lange. Zwei Jahre nachdem Krug & Priester die insolvente Firma Kress übernommen hatte, wurde diese nun an die Münchener Beteiligungsgesellschaft Callista verkauft.

Rund 90 Mitarbeiter sind derzeit bei Kress-elektrik in Bisingen beschäftigt. Es waren einmal mehr. Doch seit Jahren schon ging es dem renommierten Bisinger Elektrowerkzeugehersteller nicht mehr gut. Es fiel dem Traditionsunternehmen zunehmend schwer, am immer globaler werdenden Markt teilzuhaben.

Im September 2012 musste Bisinger Elektrowerkzeugehersteller Insolvenz anmelden. Doch es gab einen hoffnungsvollen Erwerber: Die Gesellschafter des Balinger Unternehmens Krug & Priester GmbH & Co. KG, weltweiter Marktführer bei Aktenvernichtern und Papierschneidemaschinen, mit weltweit rund 450 Mitarbeitern, gründeten eine Auffanggesellschaft, die den Geschäftsbetrieb unter der bisherigen Firma Kress-elektrik GmbH & Co. KG weiterführte. 98 der zuletzt 129 Mitarbeiter wurden übernommen, 31 Beschäftigte von Kress wechselten in eine Transfergesellschaft.

Geschäftsführer blieb der bisherige Unternehmensinhaber Dieter C. Kress. Ende vergangenen Jahres änderte sich das jedoch. Sebastian Priester selbst übernahm die Geschäftsführung, sein Vater, Wolfgang Priester, war Sprecher der Gesellschafter.

Mit der Übertragung des Geschäftsbetriebs auf eine neue Gesellschaft sollte Kress-elektrik die Chance eines Neubeginns erhalten. Die Gewerkschaft zeigte sich "froh", so Walter Wadehn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Albstadt. "Es war sehr mutig, die Firma Kress zu kaufen, die Firma war ja kein Dukatenesel." Die Mitarbeiter hätten, um den Neubeginn mitzutragen, auf ein halbes Urlaubs- und ein halbes Weihnachtsgeld verzichtet.

Jetzt aber wurden Belegschaft und Betriebsrat informiert: Die Callista Private Equity GmbH & Co KG erwirbt 100 Prozent der Anteile an dem Bisinger Elektrowerkzeugehersteller. Die Balinger Unternehmerfamilie wolle sich, ließ Callista verlauten, verstärkt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Kress-elektrik kann auf eine über 85-jährige Geschichte zurückblicken. 1928 hatte Christian Kress in Tübingen-Lustnau ein Elektroinstallationsgeschäft mit Werkstatt für Autoelektrik gegründet. 1929 begann Kress, Kleinmotoren für Gleich- und Wechselstrom zu entwickeln und herzustellen. 1960 wurde die neue Fabrik in Bisingen in Betrieb genommen.

Heute vertreibt Kress seine Produkte als Komponenten für andere Hersteller, über Handwerkerbedarfs-Spezialisten oder auch Baumärkte. Trotz sicher unstrittiger Sanierungs- und Umstrukturierungsbemühungen kämpft der Bisinger Elektrowerkzeugehersteller aber wohl weiterhin mit einer unzureichenden Auslastung. Ganz so unerwartet kam der Verkauf daher jetzt vielleicht nicht.

Callista Private Equity setze, gibt die Beteiligungsgesellschaft bekannt, "auf eine nachhaltige Sanierung". Und fügt weiter an: "Zur nachhaltigen Sanierung bedarf es daher einer kurzfristigen finanziellen Stabilisierung sowie einer deutlichen mittelfristigen Steigerung der Auslastung. Callista Private Equity wird hierbei auf den durch die Verkäufer eingeleiteten Maßnahmen aufbauen und auch die Verkäuferseite wird die weitere Sanierung beratend begleiten." Die Finanzierung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen sei über eine Kapitalerhöhung sowie weitere Kreditzusagen gesichert. Sprich: Es kommt erst einmal frisches Geld.

"Trotz der aktuell angespannten Lage der Gesellschaft", heißt es bei Callista, "sind wir der Ansicht, dass unter den bisherigen Eigentümern bereits wichtige Schritte zur Gesundung der Gesellschaft eingeleitet wurden, welche nun durch unser Restrukturierungsteam forciert und mit weiteren Maßnahmen flankiert werden sollen." Durch den Aufbau neuer Vertriebspartnerschaften sowie die Forcierung des Komponentengeschäfts solle die Auslastung der Produktion innerhalb der nächsten zwölf bis achtzehn Monate deutlich gesteigert werden.

Gewerkschafter Walter Wadehn will alle Kress-Mitarbeiter heute um 17 Uhr im "Museum" in Hechingen über mögliche Konsequenzen für deren Arbeitsverhältnisse informieren. Die Bisinger Firma sei tarifgebunden, so Wadehn. Für Tarifverträge gelte bis zum 30. Juni eine Beschäftigungszusicherung.

Auch das "Traumschiff" gehört Callista Private Equity

Sanierung und Profitabilität Callista Private Equity GmbH & Co.KG mit Hauptsitz in München ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf Erwerb, Carve-Out (also Ausgliederung, Abspaltung und Verkauf) sowie die nachhaltige Sanierung defizitärer Unternehmen, bis hin zu nachhaltig ausgerichteter Profitabilität.

Traumschiff Erst kürzlich hatte Callista Private Equity die Mehrheitsbeteiligung an der MS Deutschland Holding und damit an der MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft mbH, zu der sowohl die Reederei Peter Deilmann als auch das Kreuzfahrtschiff MS Deutschland (das ZDF- "Traumschiff") gehören, übernommen.

SWP

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