Bisingen Kress-elektrik beantragt Insolvenz

Bisingen / STEPHANIE APELT 14.05.2016
Es fehlt an Kapital: Die Bisinger Firma Kress-elektrik hat Insolvenz beantragt. Wieder läuft die Suche nach einem Investor. Rund 80 Mitarbeiter bangen.

Die Kress-elektrik GmbH & Co. KG mit Sitz in Bisingen hat beim Amtsgericht Hechingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Ursache für die derzeitige finanzielle Schieflage sei "ein ungedeckter Kapitalbedarf aus erforderlichen Investitionen in Maschinen und neue Produkte", hieß es am Freitag von Unternehmensseite.

Kress-elektrik beschäftigt momentan rund 80 Mitarbeiter, es waren einmal deutlich mehr. Mit Umsatzrückgang hatte das Traditionsunternehmen schon lange zu kämpfen, die Krise im europäischen Wirtschaftsraum traf den Bisinger Elektrowerkzeughersteller mit voller Wucht. Im September 2012 meldete Kress Insolvenz an. Für die damals gut 150 Mitarbeiter war es ein Schock.

Immerhin: Der Geschäftsbetrieb ging weiter. Anfang 2013 übernahm das Balinger Unternehmen Krug & Priester, weltweiter Marktführer bei Aktenvernichtern und Papierschneidemaschinen, das angeschlagene Bisinger Unternehmen. Einige der Kress-Mitarbeiter waren inzwischen von selbst gegangen, knapp 100 der zuletzt rund 130 Beschäftigten wurden übernommen, rund 30 wechselten in eine Transfergesellschaft.

Doch das Zusammenspiel währte nicht lange. Gerade einmal zwei Jahre, nachdem Krug & Priester die insolvente Firma Kress-elektrik übernommen hatte, wurde diese Anfang 2015 an die Münchner Beteiligungsgesellschaft Callista verkauft, 2016 noch einmal an ein Unternehmen aus Österreich weiterverkauft.

Auch nach dem Insolvenzantrag werde der Betrieb in Bisingen, so wurde am Freitag versichert, in vollem Umfang fortgeführt. Die Lohn- und Gehaltszahlungen seien gesichert.

Das Amtsgericht Hechingen hat den Sanierungsexperten und Insolvenzspezialisten, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht Jochen Sedlitz von der Kanzlei Menold Bezler in Stuttgart zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Sedlitz will zusammen mit seinem Team ein Fortführungskonzept ausarbeiten, "das die nachhaltige Sanierung zum Ziel hat". Wieder läuft die Suche nach Investoren. "Wir sind bereits auf der Suche nach einem Strategen, der die Kapitallücke schließt. Angesichts der Tradition der Marke Kress und der Qualität der Produkte bin ich guter Hoffnung, dass wir in den nächsten Monaten eine Lösung präsentieren können", so Sedlitz.

Traditionsmarke

Tradition Kress-elektrik kann auf eine über 85-jährige Geschichte zurückblicken. 1928 hatte Christian Kress in Tübingen ein Elektroinstallationsgeschäft mit Werkstatt für Autoelektrik gegründet. 1929 begann Kress Kleinmotoren für Gleich- und Wechselstrom zu entwickeln und herzustellen. 1960 wurde die neue Fabrik in Bisingen in Betrieb genommen. 1996 übernahm Dieter C. Kress, Enkel des Firmengründers, die Geschäftsleitung von seinem Vater Willy Kress.

Produkte Kress stellt Elektrowerkzeuge vom pneumatischen Bohrhammer über Akkuschrauber bis hin zu Elektromotoren her. Der Umsatz betrug, laut Unternehmensführung, 2015 rund elf Millionen Euro.

SWP

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