Thanheim Kaspar Leibold: streitbarer Pfarrer und Stifter

Thanheim / Gerhard Dehner 12.04.2018
Die Geschichte der Thanheimer Friedhofskapelle ist eng verbunden mit dem Namen Kaspar Leibold, Pfarrer von 1887 bis 1904.

Kaspar Leibold war neben Johann Baptist Diebold einer der wichtigsten und schillerndsten Pfarrherren der Pfarrgemeinde Thanheim in früheren Zeiten. Mit einem Blick auf sein Leben, seine Eigenheiten und mit dem Geschenk einer Friedhofskapelle im Jahr 1897 an die Thanheimer Pfarrkinder erinnert der Heimatverein Thanheim an eine schillernde Persönlichkeit. Über Pfarrer Kaspar Leibold haben die Thanheimer Ortschronisten Karl Dehner und Blanda Fecker, der langjährige Heimatvereinsvorsitzende Karl Fischerkeller sowie Prof. Dr. Paul Münch in einem Vortrag zur 200-Jahr Feier der St. Ulrichs-Kirche viele interessante Fakten recherchiert.

Kaspar Leibold wurde am 9. August 1845 als ältestes von drei Kindern in Ringingen auf der Alb geboren. Zunächst absolvierte er die Präparandenschule in Sigmaringen, um Lehrer zu werden. Nach dem Bestehen des Lehrerexamens sattelte er um und besuchte das Gymnasium. Anschließend studierte er von 1870 bis 1873 Theologie an der Universität Freiburg.

Die Priesterweihe erhielt Kaspar Leibold, der seinen Vornamen mit „C“ zu schreiben pflegte, am 31. Januar 1874 in St. Peter im Schwarzwald von Weihbischof Kübel.

Geboren in Ringingen

Leibold gehörte zu insgesamt 33 Alumnen (Absolventen des Priesterseminars), die alle in den harten Zeiten des Kulturkampfes wegen Ausübung kirchlicher Funktionen mit Geld und Gefängnis bestraft wurden.

Als er anschließend als Vikar im badischen Ottersweiher tätig war, wurde Pfarrer Leibold nämlich auch wegen Abhaltung eines sonntäglichen Gottesdienstes mit 150 Mark Geldstrafe und 23 Tage Gefängnis verurteilt. Diese Strafe saß er in Karlsruhe ab, floh nach seiner Freilassung in die Schweiz, wo er vom Bischof Lachat von Basel zuerst als Pfarrhelfer in Schwarzenberg und Muri dann acht Jahre lang als Pfarrer in Gachnang im Kanton Thurgau angestellt wurde.

Die Tätigkeit in der Schweiz zählte nach seinen eigenen Worten zu den schönsten seiner Amtszeiten. Von dort stammte auch seine Haushälterin, die nach dem Tod seiner Schwester deren Platz einnahm. Als im Jahre 1884 die Repressalien des Staates gegen die katholische  Kirche nachließen und in Deutschland wieder Seelsorger eingestellt werden konnten, kehrte Pfarrer Leibold auf Geheiß des Erzbischofes von Freiburg zurück und wirkte zunächst als Pfarrverweser in Trillfingen, bevor er am 7. Juni 1887 auf Anordnung von Fürst Leopold die Pfarrei Thanheim übernahm, die vo 1879 bis dahin verwaist gewesen war, da während des Kulturkampfes kein Pfarrer mehr die notwendige Zustimmung des Staates für ein Pfarramt in Thanheim erhielt. Einen Monat später, am 4. Juli 1887, wurde Leibold feierlich in sein neues Amt als Pfarrer von Thanheim eingeführt. Gleichzeitig wurde ihm von der königlichen Regierung das Amt des örtlichen Schulvorstandes übertragen.

Sowohl aufgrund seines Naturells als auch durch seine Prägung durch den Kulturkampf geriet der streitbare Pfarrer immer wieder in Konflikte mit der preußischen Regierung, dem Bisinger Pfarrer und mit seinen Amtsbrüdern. Sogar den damaligen Thanheimer Vogt (Bürgermeister) Heinrich Beck zeigte er beim Hechinger Staatsanwalt an, weil dieser anscheinend provokativ die heilige Sonntagsmesse verließ. Nicht weniger angespannt war das Verhältnis zum Lehrer Hieronymus Bisinger, der an der einklassigen Volksschule in Thanheim unterrichtete. Letztendlich gipfelte der Streit darin, dass der Lehrer den Pfarrer beim erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg anzeigte.

Nachdem Pfarrer Leibold vom zuständigen Dekan vernommen wurde, erhielt er vom erzbischöflichen Ordinariat eine scharfe Rüge, vor allem wurde das Halten einer Messe für einen Verstorbenen am Geburtstag des Kaisers kritisiert.

In die Amtszeit von Pfarrer Leibold fiel auch die 100-Jahr-Feier der Kirche St. Ulrich in Thanheim, die 1790 erbaut worden war. Am 4.Juli 1890 wurde dieses Jubiläum der Pfarrkirche mit einem würdigen Festgottesdienst begangen. Weiter erlebte Pfarrer Leibold im Jahr 1894 auch eine umfangreiche Kirchen-Renovierung mit.

5000 Mark für die Kapelle

In die Geschichtsbücher ging Pfarrer Kaspar Leibold aber vor allem deswegen ein, weil er 1897 die Friedhofskapelle erbauen ließ. Dafür engagierte er den Maurer Ferdinand Dehner. Die Kosten in Höhe von 5000 Mark trug Leibold selbst, er gilt somit als Stifter der Gottesackerkapelle, die über dem Grabmal des von 1859 bis 1979 in Thanheim als Pfarrer wirkenden Magnus Fechter ihren Platz fand. Anschließend übergab er die Friedhofskapelle an die politische Gemeinde zur weiteren Erhaltung.

Im Jahr 1901 unternahm Leibold eine Wallfahrt nach Rom, die ihm auch körperlich sehr gut tat. 1904 nahm er an einer Reise ins Heilige Land teil, obwohl ihn seine Freunde mit Rücksicht auf seine Gesundheit davon abgeraten hatten. Von dieser Reise versprach er sich, wie von der Romreise, eine heilende Wirkung.  Doch in Tiberias, einer Kleinstadt am See Genezareth, erlitt er einen Ohnmachtsanfall, von dem er sich zwar schnell erholte, der aber eher ein Vorbote einer ernsten Erkrankung war.

Auf der Rückreise soll er sich in Triest durch unsinniges Rennen ins Hotel „Eintracht“ zudem überanstrengt haben, sodass sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechterte. Als er in Thanheim ankam, war er von einer todbringenden Krankheit schon schwer gezeichnet.  Am 11. September 1904, einem Sonntag, soll Leibold in Thanheim seine letzte heilige Messe gefeiert haben, bei der aber, so heißt es, schon nicht mehr predigen konnte.

Ein paar Tage später, am darauffolgenden Freitag, musste er dann in das Krankenspital nach Hechingen gebracht werden, das er nicht mehr lebend verlassen sollte.

So konnte er seinen Pfarrkindern nicht mehr von seinen Erlebnissen und den heiligen Stätten, die er auf seiner Pilgerfahrt besuchte, berichten.

Kaspar Leibold erholte sich nicht mehr. Er starb am 14. Januar 1905 im Spital.

Kaspar Leibold hatte noch einen jüngeren Bruder , der Lehrer in Hechingen war (er starb 1880), sowie eine Schwester, die ihm bis zu ihrem Tode 1895 die Haushaltung machte.

Leibold hinterließ von seinem bedeutenden Vermögen, das er auch aufgrund von Erbschaften besaß, die ihm sein Bruder und seine Schwester vermachten, in seinem Testament 20 000 Mark für religiöse Zwecke, darunter ein Stipendium von 10 000 Mark für Theologiestudenten. Dasselbe sollte unter der Oberaufsicht des Erzbischofes vom Pfarrer, Bürgermeister und Kapitelsdekan von Ringingen verwaltet werden.

Seine sterblichen Überreste wurden aufgrund seines testamentarischen Willens im Kirchenschiff der kleinen Thanheimer Friedhofskapelle beigesetzt, wo man auch heute noch seinen Namen auf der Grabplatte erkennen kann.

Außerhalb der Kapelle, rechts und links wurden die Mutter und Schwester des Stifters Kaspar Leibold beigesetzt. Die genauen Grabstellen sind heute leider nicht mehr erkennbar.

Mit dieser kleinen Gottesackerkapelle, die Anfang 2000 umfangreich saniert und renoviert wurde und seither ein kleines Schmuckstück darstellt, wird Pfarrer Kaspar Leibold untrennbar verbunden bleiben – und für Thanheim als ein bedeutender Pfarrer niemals vergessen werden.

Pfarrer Kaspar Leibold war einst als Gegner gefürchtet, gleichermaßen aber auch als unterhaltender, humorvoller Gesellschafter angesehen, geschätzt und beliebt.

Schon Paul Münch hatte gemeint: Die Thanheimer sollten auf ihre politischen Querdenker, Pfarrer Johann Baptist Diebold und Pfarrer Kaspar Leibold, trotz oder gerade wegen deren Charaktere und Querelen stolz sein.