Vor dem Bürgerentscheid aber kommt zunächst einmal das Bürgerbegehren. 172 Stimmen brauchen Berthold Lenz und Petra Reichert-Kötzle, um ihr Anliegen weiter zu bringen. "Wir wollen natürlich mehr bekommen", sagt Lenz. In den nächsten Tagen und Wochen sollen die Listen in Grosselfinger Geschäften ausliegen, "möglichst eben überall dort, wo auch Leute hinkommen".

Seit Monaten schon rumort es in Grosselfingen. Bei den Kommunalwahlen im Mai vergangenen Jahres hatte die Liste der "Bürger für Grosselfingen" mit sechs Sitzen die Mehrheit geholt, die "Freien Wähler" kamen nur noch auf vier. Schon im Wahlkampf hatten beide Listen, wenn es um die bauliche Zukunft des Ortes ging, gegenteilige Positionen vertreten. Während die "Bürger für Grosselfingen" eine Bauhof/Festhallenkombination und die Sanierung des bestehenden Rathauses wollen, setzen sich die "Freien Wähler" für ein Veranstaltungshaus im alten Gasthaus "Lamm" plus ein neues "historisches Rathaus" im Gesellenhaus am historischen Marktplatz ein.

Jetzt schalten sich Berthold Lenz und Petra Reichert-Kötzle ein. Lenz' Ehefrau Antje Lenz saß bis 2014 für die "Bürgerliste" im Grosselfinger Gemeinderat, kandidierte dann aber nicht mehr; die Liste kam nicht mehr zustande. Petra Reichert-Kötzle vertrat bis 2014 die "Freien Wähler" am Ratstisch, auch sie hatte nicht mehr kandidiert.

Sie sehen "viele Baustellen in Grosselfingen", sagt Lenz, angefangen beim Rathaus über den Marktplatz bis hin zur fehlenden Festhalle. Ihnen fehlt das Gesamtkonzept, "bevor einzelne Projekte, wie die Rathaussanierung, voreilig beschlossen und umgesetzt werden". Mit einem Bürgerbegehren wollen sie nun einen Bürgerentscheid über die "Ortskernbelebung" einfordern.

In den vergangene Jahren, so Lenz und Reichert-Kötzle, seien im Rahmen von "Leader" Bürgerworkshops und ein Architektenwettbewerb gestartet worden, darauf ließe sich doch aufbauen; Geld habe es ja schließlich auch gekostet. Ihre Vorstellung: Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs sollten noch einmal - dieses Mal zu einer "bürgerfreundlichen" Zeit - vorgestellt werden. Der Gemeinderat soll dann drei Gesamtkonzepte - mit Rathaus, Schule, Turnhalle, Veranstaltungsraum, Gestaltung des Marktplatzes sowie Ortskernbelebung - ausarbeiten, "es geht doch um das Vernünftigste, nicht um Listeninteressen". Dann sollen die Grosselfinger entscheiden, welches der Gesamtkonzepte sie wollen. "Wir wollen keine Richtung vorgeben."

"Es wäre toll", hofft Lenz, "wenn wir die Unterschriften bis zur nächsten Gemeinderatssitzung vorlegen könnten." Das wäre am 20. April. Lenz betont: "Wir leben Demokratie vor."

Bürgermeister Franz Josef Möller zumindest hat "kein Problem mit einem Bürgerbegehren". Ganz im Gegenteil: "Wenn es dazu beiträgt, dass die Gemeinde einen klaren Weg einschlägt, freut es mich sogar. Wir wollen doch ein breit getragenes Meinungsbild haben." - "Schauen wir doch einfach mal, was die gesamte Bevölkerung will."

Auch 16-Jährige dürfen mitstimmen

Antrag Die Unterzeichnenden beantragen einen Bürgerentscheid über die Frage: "Sollen vor der kostenverursachenden Planung für die Sanierung und Erweiterung des Rathauses drei Konzepte für die Ortskernsanierung und Ortskernbelebung erstellt und den Bürgern/innen vorgestellt werden?"

Begründung Die anstehenden Projekte (Rathaus, Schule, Turnhalle, Festhalle beziehungsweise Veranstaltungsräume) sowie die Themen "Ortskernbelebung" oder "Auslagerung vom örtlichen Leben ins Gewerbegebiet" betreffen die gesamte Bevölkerung. Dabei werden zukunftsträchtige Entscheidungen gefällt, die das Leben im Ort und die finanzielle Lage von Grosselfingen maßgeblich beeinflussen. Es wird angeregt, dass die Bürgerinnen und Bürger dann auch per Bürgerentscheid über die erstellten Konzepte entscheiden können.

Unterschriften Mindestens zehn Prozent der wahlberechtigten Grosselfinger (bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 waren 1724 registriert) müssen das Bürgerbegehren mittragen, wenn ein Bürgereintscheid zustande kommen soll. Das wären also 172 Unterschriften.

Dabei gelten auch Unterschriften von 16- und 17-Jährigen. Denn diese sind auf kommunaler Ebene wahlberechtigt und dürfen auch bei einem Bürgerentscheid zur Urne gehen.

Entscheid Bei einem Bürgerentscheid müssen mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten (431 Grosselfinger) auch tatsächlich mitmachen. Am Ende zählt, wie meist, die Mehrheit.

SWP