Thanheim In einer Zeit vor 178 Millionen Jahren

Thanheim / NORBERT WANNENMACHER 27.06.2014
Der Ebersberg kann als der Hausberg der Thanheimer bezeichnet werden. Beim Thanheimer Dorffest am 29. Juni wird die Entstehung und die weitere Entwicklung des Berges in Text und Bildern dargestellt.

Im vergangenen Jahr bekam der Obst und Gartenbauverein Thanheim für seine Leistungen zum Erhalt der Landschaft und Natur am Thanheimer Ebersberg den Kulturlandschaftspreis Württemberg verliehen. Dieses Ereignis zum Anlass, wird die Sonderausstellung der Thanheimer Hobbygeologen sich mit der Geologie des markanten Bergrückens beschäftigen.

Der markante Bergrücken des Ebersberges liegt am östlichen Ortsrand Thanheims am Fuße des eigentlichen Albaufstieges. Erst hinter dem Ebersberg beginnt der Anstieg zum Albtrauf bis zur Hochfläche des Raichberges, mit dem weit sichtbaren Sendemast und dem beliebten Wandergebiet um das nach dem Albvereinsgründer benannten "Nägelehaus".

Nach einem ersten Steilanstieg auf den Ebersberg zeigt sich die Hochfläche als weitgehend flachgewölbtes Gelände, das leicht nach Osten hin ansteigt. Erst zur Wander- und Grillhütte "Blick ins Ländle" steigt das Gelände wieder deutlich an. Der südliche Rand und der Nordhang des Berges sind steile Abhänge. Der Nordhang ist überwiegend von Wäldern bewachsen.

Im Süden und gegen Thanheim liegen die alten Obstbaumwiesen und Weiden mit Heckenrainen aus Schlehe, Weißdorn, Hagebutte und freistehenden Wachholderbüschen. Alte Rinnen und Wege markieren die ehemaligen Allmandteile der Thanheimer. Der Erhalt der Kulturlandschaft durch Beweidung und die Pflegemaßnahmen verhindern die Bewaldung des Berges, die ohne menschliches Zutun innerhalb weniger Jahrzehnte den Ebersberg zuwachsen lassen würde. Die selektive Futterpflanzenauswahl der Weidetiere bewirkt auf den steilen Wiesen im Bewuchs den Magerrasencharakter mit Disteln und würzig duftenden Kräutern.

Es begann vor 178 Millionen Jahren: Zur Jurazeit (200 - 145 Millionen Jahre) bedeckte ein flaches Randmeeresbecken die Fläche Südwestdeutschlands. Ein Abschnitt des Jura wird durch den Opalinuston gekennzeichnet. Während dieser Zeit lagerte sich in unserem Raum feiner Tonschlamm ab, der ein Sedimentpaket von über 100 Meter mächtigem Tongestein bildete.

Der Tonstein erhielt seinen Namen "Opalinuston" nach dem Ammoniten Leioceras opalinum. Die Schalenreste der ehemalige Meeresbewohner lassen sich häufiger in der Schicht als Fossilien auffinden. Die Tonsteine des Opalinustones bilden den Sockel und den Anstieg des Eberberges. Auch die wellige Vorebene des Berges liegt im Opalinuston. Der obere Teil des Berges und die Hochebene sind aus den sogenannten "Wasserfallschichten" gebildet. Dies sind mehrere Meter mächtige, sandig-glimmerige Mergellagen. Dieses härtere Schichtpaket setzt der Verwitterung und der Wirkung des Wassers mehr Widerstand entgegen als die unterlagernden Tonsteine. Die Wasserfallschichten sorgen dafür, dass der Berg noch lange in seiner momentanen Form erhalten bleibt.

Die heutige Form des Berges stellt eine Momentaufnahme im Prozess des Zurückschreitens des Albtraufs im Laufe der Zeit dar. Vor etwa 20 Millionen Jahren kam es zur allmählichen Heraushebung des Albkörpers mit seinen Juragesteinen. Im Westen brach der Oberrheingraben ein. Im Südosten bildeten sich durch Überschiebungen und Auffaltungen gewaltiger Gesteinsmassen die Alpen im Zuge der Kollision des Afrikanischen Kontinentes mit Europa. Die ursprünglich waagrechten Gesteinsschichten wurden leicht nach Südost verkippt. Durch die Wirkung der Erosion wird der Westrand, der Trauf der Alb, immer weiter zurück verlegt. Bäche und Flüsse schneiden in den Albkörper ein und transportieren die Gesteine in Richtung Nordsee.

Auch kleine Bäche, wie der Auchtertbach oder Weidenbach nach Zimmern zeigen im weichen Opalinuston ihre erosive Kraft und schneiden sich tief in die Landschaft ein. So entstehen übersteile Hänge an denen es leicht zu Verrutschungen des Geländes kommt.

Gerade im Einflussgebiet des Auchtertbaches sind Massenverlagerungen sogar aus dem oberen Braunjura und Weißjura festzustellen.

In den Hangschuttmassen finden sich die entsprechenden Gesteine und auch Fossilien aus den abgerutschten höheren Gesteinspaketen. Im Gebiet am Thanheimer Schafstall zeichnet sich diese Situation durch welliges und zum Teil sumpfiges Gelände aus.

Starke Regenfälle lösten in den letzten Jahren am Südhang des Ebersberges immer wieder oberflächliche Verrutschungen aus. Gerade die nach Süden und Südwesten gelegenen Hänge sind durch solche Ereignisse besonders gefährdet. Die Wetterseite des Berges ist der Witterung stärker ausgesetzt. Die Temperaturschwankungen sind im Tagesverlauf auf dieser Seite höher. So kommt es etwa im Winter und Frühjahr zu periodischem Auftauen der oberen Bodenschicht. Durch die Temperaturschwankungen bei wechselnden Witterungsbedingungen ist der Boden in Bewegung und wird destabilisiert.

Durch die landwirtschaftliche Nutzung der sonnenbeschienenen Südseite des Berges wurden diese Areale über Jahrhunderte von schützendem Hecken- und Waldbewuchs freigehalten. Die Thanheimer Bauern versuchten früher durch Entwässerungsanlagen am Hang und die Anlage von Heckenrainen für die Stabilisierung der Hänge zu sorgen.

Aber in fernen Tagen wird der Berg durch die erosive Kraft des Wassers eingeebnet sein.