Bisingen / STEPHANIE APELT  Uhr
Wie lässt sich in Zukunft gute medizinische Versorgung und Pflege im ländlichen Raum sichern? Hilde Mattheis, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, diskutierte mit dem SPD-Ortsverein.

Es ist nicht so, dass keiner mehr Arzt werden will. Der Beruf ist weiterhin äußerst attraktiv, auch immer mehr Frauen ergreifen ihn heute. Doch während sich in bevorzugten Lagen wie großen Städten und reichen Gegenden die Arztpraxen ballen, haben die Menschen in eher strukturschwachen Regionen doch zunehmend Sorge, dass sie im deutschen Gesundheitssystem bei der ärztlichen Versorgung hinten runter fallen. Im Zollernalbkreis findet sich für manche Praxis, selbst wenn sie fast geschenkt weitergegeben würde, kein Nachfolger mehr.

Was also tun? Hilde Mattheis, SPD-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Ulm/Alb Donau und gsundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, machte bei einer Diskussionsrunde im Bisinger Kleintierzuchtheim, in das sie auf Einladung des SPD-Ortsvereins gekommen war, doch Hoffnung. Mit dem sogenannten Versorgungsstärkungsgesetzt, im Bundestag und Bundesrat frisch verabschiedet, noch aber nicht verkündet, soll alles besser werden. Ein "Großteil der Regelungen" stamme schließlich aus Anträgen, erklärt die SPD-Bundestagsangeordnete zufrieden, "die die SPD noch zu Oppositionszeiten formuliert hat und die jetzt umgesetzt werden".

Grundsätzlich gehe es darum, überhaupt neu zu schauen, wo tatsächlich Bedarf besteht, Arztsitze entsprechend zu verteilen. Denn zumindest rein rechnerisch gäbe es in ganz Baden-Württemberg kein unterversorgtes Gebiet.

Terminservicestellen sollen einen Arzttermin innerhalb von vier Wochen vermitteln.

Es soll ein gesetzlicher Anspruch auf eine Zweitmeinung bestehen.

Der ambulante Notdienst soll verbessert werden. Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenhäuser sollen verpflichtet werden zu kooperieren. Auch der Notdienst der Apotheken soll einbezogen werden. Dazu Mattheis: "Aus Sicht der Patientinnen und Patienten wäre es am besten, wenn sie direkt in der Notdienstpraxis oder beim Hausbesuch die wichtigsten Medikamente bekommen könnten, bevor sie sich selbst mit Arzneien aus der Apotheke versorgen können."

Das sogenannte Entlassmanagement der Krankenäuser soll gestärkt werden, damit soll dafür gesorgt werden, dass, wer nach einer Operation nach Hause darf, sich nicht auch noch selbst um Krankschreibung und vielleicht Haushaltshilfe kümmern muss.

Gerade viele ältere Patienten müssen zum Beispiel mit einem Hüftleiden nicht im Krankenhaus liegen, können aber auch nicht allein zu Hause sein. Hier soll für eine pflegerische Übergangslösung gesorgt werden.

Zudem soll es neue Versorgungsmöglichkeiten für erwachsene Menschen mit Behinderung geben.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion sieht dies alles - und noch viel mehr - als "Bausteine für eine dringend benötigte flexible Versorgung". Praxisnetze (mehrerer Ärzte) und medizinische Versorgungzentren (zum Beispiel mit der Kommune als Arbeitgeber und angestellten Ärzten) sollen neue Wege weisen und gefördert werden.

Hilde Mattheis: "Natürlich müssen wir mit vielen Blockaden rechnen, aber getan werden muss schließlich etwas."

Dringenden Handlungsbedarf sieht sie genauso aber auch in der ärztlichen Versorgung von Flüchtlingen und Asylbwerbern. "Wir schaffen das wirtschaftlich und sozial", ist sie überzeugt. Nur die starren Regeln, an denen schnelle Hilfe scheitert, bringen sie sichtlich in Rage.

ZITAT DES TAGES

Es wiehert an jeder Ecke der (Amts-)Schimmel.

Hilde Mattheis

Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion über die derzeitige mangelnde Versorgung von Flüchtlingen und Asylbewerbern

Herausforderungen in der Gesundheits- und Pflegepolitik

Demografie Der Anteil älterer und pflegebedürftiger Menschen steigt. Damit erhöhen sich auch die Mehrfacherkrankungen.

Erkrankungen Der Anteil psychischer Krankheiten unter allen Arbeitnehmern nimmt zu. Wobei Hilde Mattheis davon ausgeht, dass es nicht tatsächlich plötzlich mehr psychische Erkrankungen gibt, sondern sich vielmehr das Bewusstsein dafür geschärft habe.

Fachkräftemangel Es gibt einen zunehmenden Mangel an (Kranken-)Pflegern und Pflegerinnen. Einige Regionen gerade im ländlichen Raum sind auch mit (Fach-)Ärzten und Ärztinnen unterversorgt.

Zwei-Klassen-Medizin Laut SPD bestehe eine ungerechte Zwei-Klassen-Medizin.

SWP