Bisingen Heinrich Haasis bekommt Ehrenbürgerwürde verliehen

Heinrich Haasis (links) ist seit gestern Abend Ehrenbürger der Gemeinde Bisingen. Fotos: Matthias Badura
Heinrich Haasis (links) ist seit gestern Abend Ehrenbürger der Gemeinde Bisingen. Fotos: Matthias Badura
Bisingen / MATTHIAS BADURA 03.05.2013
Wie zu erwarten, war die Hohenzollernhalle bis auf den letzten Platz besetzt, als Bürgermeister Joachim Krüger gestern Abend Heinrich Haasis die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Bisingen verlieh.

Unter den Gästen befanden sich unter anderem der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg und Haasis Amtsnachfolger Egbert Zäh. Wie der Geehrte, der mit seiner Frau Ingrid Haasis-Blank erschienen war, meinte, freue ihn aber besonders, dass so viele Bürger und "Weggefährten" von damals den Saal füllten.

Der amtierende Bürgermeister Joachim Krüger wies darauf hin, wie selten die Ehrenbürgerschaft verliehen wird. Haasis ist erst der siebte, dem diese Ehre in Bisingen zuteil wird. Die Frage, ob er die in der Gemeindeordnung gestellten Anforderungen erfüllt, war natürlich eher rhetorischer Natur. Dennoch prüfte Krüger die Bedingungen und kam anhand weniger Beispiele, zu dem Ergebnis: Ja, Haasis, der das Gesicht Bisingens veränderte und der die Gemeinde zwischen 1971 und 1981 erheblich modernisierte, hat diese Auszeichnung verdient. Und zumal verdient, als er die Bisinger auch menschlich beeindruckte, nämlich als zupackend, gradlinig, manchmal knorrig, aber immer ehrlich. Eben ein Vorbild!

Lang anhaltender Applaus begleitete die Verleihung. Es war Armin Haspel, der namens des Heimatvereins Bisingen-Steinhofen anschließend die Amtszeit Haasis mit einer Bilderschau Revue passieren ließ. Die Aufnahmen zeigten nicht nur alte Ortsansichten, sie zeigten auch viele Menschen, die Bisingen einst prägten, Honoratioren oder Originale, mit denen Haasis irgendwann im Laufe seiner Amtszeit zu tun hatte. Und sie zeigten natürlich auch das Bewerbungsbild des damals blutjungen Bürgermeisterkandidaten. (Haasis selber bezeichnete das Foto später als "Konfirmandenbild".)

Haspel verstand es in seinem oft humorigen Vortrag den Geist der 70er und 80er Jahre zu beschwören, die Zeit wurde lebendig, die Erinnerung wach. Hatte Haspel also ein Schmunzeln auf die Mienen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer gezaubert, so erzeugte der Geehrte anschließend wahre Lachsalven, als er in Anekdoten von seiner Zeit als Bisinger Schultes berichtete. Wieder einmal verstand er es, die Menschen zu fesseln und für sich einzunehmen. Jüngere Anwesende, die ihn nicht mehr als Bürgermeister oder späteren Landrat erlebt haben, erhielten auf diese Weise eine Vorstellung seines rednerischen Talents. Man hätte dieser Geschichtsstunde noch stundenlang zuhören können.

Den launigen Erzählungen voran gegangen waren Dankesworte. Wie Haasis sagte, habe er im Laufe seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter etwa die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Die Ehrenbürgerwürde betrachte er indessen als eine der wichtigsten. Bisingen, meinte er, der ursprünglich aus Streichen stammt, sei ihm im Herzen bis heute Heimat geblieben. Hier habe er dauerhafte Freundschaften geknüpft und zahlreiche Erfahrungen gesammelt, die ihm in seinem späteren Werdegang zugute kamen. Würde er alles nochmals genauso machen? Haasis war sich nicht sicher, damals habe er den Vorteil gehabt, jung und unerfahren zu sein. Wie er abschließend vermutete, habe er jedoch zumeist richtig gehandelt - dank der Unterstützung, die er hatte. "Ohne die vielen Helfer, wäre es nicht möglich gewesen." Abschließend spielte der Musikverein Thanheim ein weiteres Stück. Dann gab es noch eine Überraschung. Der Geehrte spendete 5000 Euro für die Vereinsarbeit. Damit war der offizielle Teil des Abends beendet und Zeit für persönliche Gespräche.



Bemerkenswerte Karriere

Geboren wurde Heinrich Haasis am 21. April 1945 in Streichen bei Balingen. Nach der Staatsprüfung als Diplom-Verwaltungswirt arbeitete er von 1968 bis 1971 bei den Stadtverwaltungen in Nürtingen und in Hechingen.

1971 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Bisingen gewählt. Ab 1971 war er zudem Mitglied des Kreistags des Landkreises Hechingen und nach der Kreisreform in Baden-Württemberg ab 1974 Mitglied des Kreistags des Zollernalbkreises.

Von 1981 bis 1991 war Haasis Landrat des Zollernalbkreises - in dieser Funktion auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Kreissparkasse Balingen, der heutigen Sparkasse Zollernalb. Von 1976 bis 2001 gehörte er dem Landtag von Baden-Württemberg an; ab 1980 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.

1991 wurde Heinrich Haasis zum Präsidenten des Württembergischen Sparkassen- und Giroverbands gewählt. Der Württembergische und der Badische Sparkassen- und Giroverband fusionierten 2001 zum Sparkassenverband Baden-Württemberg. Haasis war ab dem Zeitpunkt der Fusion bis 2006 Verbandsvorsteher (Präsident) des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg.

2006 wurde er Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Seine Amtszeit endete 2012. Er hatte zuvor erklärt, nach Ablauf der Amtszeit nicht erneut kandidieren zu wollen.

Doch von Ruhestand keine Spur: Heute ist Heinrich Haasis Präsident des Weltinstitutes der Sparkassen und Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation.

Heinrich Haasis ist unter anderem Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Inhaber der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Und seit gestern Ehrenbürger der Gemeinde Bisingen.

 

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