Bisingen Tuberkulose ärztlich gut zu behandeln

Die HZ sprach mit Dr. Günter Gießler.
Die HZ sprach mit Dr. Günter Gießler. © Foto: Archiv
Bisingen / Stefanie Apelt 19.02.2018
Die HZ sprach mit dem Leiter der Gesundheitsamtes über die Tuberkulose. Wie steckt man sich an, wie schützt man sich?

Stichwort Tuberkulose: Den Bisinger Gutenberg-Kindergarten brachte diese Erkrankung jüngst in die lokalen Schlagzeilen.  Die HZ sprach aus diesem Anlass mit Dr. Günter Gießler, Leiter des Gesundheitsamt im Zollernalbkreis.

Was ist Tuberkulose überhaupt?

Günter Gießler: Die Tuberkulose ist eine weltweit vorkommende Infektionskrankheit, die durch bestimmte Tuberkulosebakterien verursacht wird. In Ländern mit geringem Hygienestandard, häufigem Vorkommen von Mangelernährung und schlechtem medizinischen Versorgungssystem ist die Tuberkulose viel häufiger als in hoch entwickelten Ländern: Zirka 85 Prozent aller Tuberkulose-Neuerkrankungen leben aktuell in Afrika, Südostasien und der westlichen Pazifikregion  und nur rund fünf Prozent in Europa.  Die Tuberkulose kann alle Organe befallen, am häufigsten (70 bis 80 Prozent) wird allerdings eine Lungentuberkulose gefunden, die entweder geschlossen sein kann (kein Anschluss zu den Bronchien) oder offen (fortgeschrittene Erkrankung mit Anschluss zum Bronchus). Nur bei einer offenen Lungentuberkulose besteht bei anhaltend engem Kontakt in geschlossenen Räumen Ansteckungsgefahr. Eine nicht-offene Lungentuberkulose oder andere Organtuberkulosen sind nicht ansteckend. Auch eine sogenannte latente tuberkulöse Infektion (LTBI) ist nicht ansteckend für andere. Eine LTBI ist eine Erst­reaktion des Körpers auf einen irgendwann einmal stattgefundenen Erstkontakt mit Tuberkulosebakterien. Hier gelingt es dem körpereigenen Immunsystem, die Tuberkulosebakterien in Schach zu halten oder sie abzukapseln, so dass es zu keinem Fortschreiten der Infektion kommt. Nur in wenigen Fällen (fünf bis zehn Prozent) entwickelt sich nach Erstinfektion mit Tuberkulosebakterien innerhalb eines Zeitraumes von Monaten bis zu drei Jahren eine Lungen- oder Organtuberkulose.

Warum ist die Erkrankung meldepflichtig?

In Deutschland regelt das Infektionsschutzgesetz (IfSG) das Vorgehen beim Auftreten von infektiösen Erkrankungen. Zweck dieses Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern. Bei der Tuberkulose regelt das IfSG eine namentliche Meldepflicht des behandelnden Arztes beim Auftreten einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose und es gibt zudem eine Labormeldepflicht, wenn Mykobakterien festgestellt werden. Beim Eingang solcher Meldungen ist es Aufgabe des Gesundheitsamtes, weitere Ermittlungen anzustellen über Art, Ursache, Ansteckungsquelle und Ausbreitung der Erkrankung. Dafür zuständig sind die Mitarbeiter der Tuberkulosefürsorge an den Gesundheitsämtern. Ohne die weitere Abklärung durch das Gesundheitsamt könnten sich infektiöse Erkrankungen und hier im speziellen die Tuberkulose weitgehend ungehindert  in der Bevölkerung ausbreiten und zu erheblicher Krankheitslast und Gesundheitskosten sowie Arbeitsausfällen führen.

Wie stecke ich mich an?

Ist eine Person an einer offenen Lungentuberkulose erkrankt, kann der Erreger über die Luft beim Niesen oder Husten auf andere Menschen übertragen werden. Die Mykobakterien sind dabei an mikroskopisch kleine Tröpfchen gebunden und können von anderen Menschen eingeatmet werden. Das Ansteckungsrisiko hängt ab von der Menge der ausgeschiedenen Bakterien, der Stärke von Husten oder Niesstößen und der Enge sowie der zeitlichen Dauer des Kontaktes zu anderen Menschen. Bei einer offenen Lungentuberkulose ist in der Regel ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gegeben, wenn der Kontakt in geschlossenen Räumen über die Dauer von acht Stunden kumulativ im infektionsrelevanten Zeitraum stattgefunden hat.

Wie sind die Symptome?

Häufig zeigt die Tuberkulose anfangs nur wenige und uncharakteristische Beschwerden wie leichter Husten, Müdigkeit oder auch geringes Fieber. Leitsymptome sind Husten mit oder ohne Auswurf (teilweise blutig), Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Eine latente Tuberkulose zeigt keine Symptome.

Wie kann ich mich vor der Krankheit schützen?

Es gelten grundsätzlich die gleichen Schutzempfehlungen wie für andere Infektionskrankheiten, die über die Luft übertragen werden können (zum Beispiel grippale Infekte, Influenza oder Windpocken): Man sollte sich nicht direkt anniesen oder anhusten lassen, in geschlossenen Räumen für eine regelmäßig gute Raumlüftung sorgen und sich regelmäßig die Hände waschen. Während man sich beispielsweise vor der Windpockeninfektion oder einer Influenza durch gut verträgliche Impfungen weitgehend schützen kann, wird die BCG-Tuberkuloseimpfung wegen des insgesamt geringen Infektionsrisikos in Deutschland und eines nur sehr beschränkten Schutzes durch die Impfung nicht mehr empfohlen. Mangelernährung oder eine geschwächte Immunabwehr und auch das Rauchen begünstigen  die Entstehung einer Tuberkuloseerkrankung nach Bakterienaufnahme.

Wie gefährlich ist Tuberkulose?

Die Tuberkulose ist eine gut behandelbare und somit heilbare Erkrankung. Erforderlich ist dazu allerdings die verlässliche Einnahme einer Kombination von Medikamenten über einen längeren, ärztlich festgelegten Zeitraum von mehreren Monaten. Nicht oder nicht leitliniengerechte Medikamenteneinnahme sorgt in Ländern mit schlechtem medizinischen Versorgungssystem, schlechter Hygiene und unter Mangelernährung immer noch zu Todesfällen. In Deutschland sind Todesfälle sehr selten und betreffen hauptsächlich Personen mit schweren Grunderkrankungen und nicht funktionierendem Immunsystem.

Wie sieht es mit Fallzahlen aus  (auch in Baden-Württemberg und vor allem im Zollernalbkreis? Gibt es mehr oder weniger Fälle?

Die Anzahl der meldepflichtigen Tuberkulosefälle in Deutschland ist nach einem Tiefststand mit 4112 Fällen im Jahr 2012 angestiegen auf 5852 Fälle in 2015 und auf 5915 Fälle in 2016. 2017 betrug laut Robert-Koch-Institut Berlin die bisher registrierte Fallzahl 4957. In Baden-Württemberg war ebenfalls ein Anstieg der Tuberkulose seit 2014 zu verzeichnen auf zuletzt 813 Fälle in 2016.  2017 wurde mit 784 Erkrankungen eine leicht gesunkene Fallzahl gemeldet. Im Zollernalbkreis wurde bei folgender Anzahl an Personen Tuberkulose festgestellt: 2015 waren es acht Fälle,  2016 waren es neun Fälle und  2017  zwölf. Im laufenden Jahr 2018 wurden dem Gesundheitsamt bisher vier Fälle gemeldet (Stand: 16.02.2018). Darüber hinaus wurden bei der Eingangsuntersuchung aller Asylsuchenden in der Landeserstaufnahmestelle Meßstetten (LEA) bis zu deren Schließung  2017 folgende Anzahl an Personen positiv auf Tuberkulose getestet: 44 Personen in 2015, 21 Personen in 2016 und sieben Personen im vergangenen Jahr.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel