Bisingen / Jörg Wahl Das Konzerterlebnis, das der Bisinger Gospelchor bescherte, war einfach kolossal – und bleibt unvergessen.

Schon vor dem Beginn der Jubiläumsfeier füllte sich die Christuskirche in Bisingen am Sonntagabend bis auf den letzten Platz. Viele mussten sich mit einem Stehplatz begnügen. Zu den Ehrengästen gehörten die frühere Bisinger Pfarrerin Heidrun Hirschbach mit ihrem Ehemann. Gerne gekommen waren auch Dekan Beatus Widmann, Bezirkskantor Wolfgang Ehni, Pater Artur Schreiber und Bürgermeister-Stellvertreter Johannes Ertelt, zudem die Ratsmitglieder der evangelischen Kirchengemeinde.

Sie alle beglückwünschten den Bisinger Gospelchor zum Jubiläum. „Ihr seid die charmantesten Verkünder der frohen Botschaft, Übermittler von Freude und Trost, eine starke Gemeinschaft“, richtete Pfarrer Ulrich Günther seine Worte an den Gospelchor sowie an das Ehepaar Michaela und Jörg Sommer. Im Chor herrsche eine besondere Atmosphäre, man nehme einander wahr, achte aufeinander.

„Nicht jeden Sonntag ist das Gotteshaus so voll wie heute“, so Pfarrer Günther. Das Wort Gottes werde durch die Musik auf wunderbare und herrliche Weise übermittelt, erreiche Menschen, wie dies oft mit der Sprache nicht möglich sei. Pfarrerin Heidrun Hirschbach übergab ihre mitgebrachten Präsente zum runden Geburtstag und lud den Chor 2020 nach Jagsttal ein. Außerdem übergab sie das Doktorat der Liebe von Pfarrer Junga aus dem Kongo.

Zum stimmgewaltigen und mitreißenden Konzert trugen neben rund 50 Sängerinnen und Sängern auch Pfarrerin Gudrun Ehmann sowie Pfarrer Thomas Epperlei bei. Mehrere eigene Solistinnen – Bettina Bogenschütz, Julie Voelter, Jessica Oberländer, Susi Schober, Carola Reusch und Katja Boss – lieferten allesamt prägnante und teils unter die Haut gehende Vorträge, die wiederum als Kontrast zum Gesamtklang sehr persönlich wirkten.

Der dreiköpfigen Band „Maja“ mit dem Bassisten Andreas Reich, Drummer Andreas Dreher und Saxofonisten Matti Münch oblag die Instrumentalbegleitung. Die Gesamtleitung hatte Chorleiter Jörg Sommer inne, der auch moderierte, seinem Ensemble die Einsätze gab, am Flügel unterstützte, mit der Band vortrug und mit seiner makellosen Stimme Soloparts übernahm.

Beim Einzug der heiteren Sängerschar erklang „Are you ready“. Überhaupt bildeten Glaube und Hoffnung den Mittelpunkt der kunstvoll dargebotenen Stücke. Niveauvoll und präzise folgte ein Stück dem nächsten und öffnete so die Herzen der Konzertgäste.

Ein Großteil der Chorsätze und Kompositionen stammen aus der Feder von Jörg Sommer. Parallel zu modernen Gospels, erklangen traditionelle Spirituals, mal besinnlich zurückhaltend, mal schwungvoll lebhaft, stets mit gehöriger Portion Charme und Grazie. Starke Expressivität wechselte sich mit zarter Innerlichkeit ab; manche mit Bandbegleitung, andere in A-cappella-Version.

Lieder der Hoffnung und Kraft

Alsbald sprang der Funke über und die Besucher waren nicht mehr zu halten, sangen mit, schnippten mit den Fingern, klatschten im Takt und spendeten frenetisch Beifall – ganz abgesehen von den Zurufen. Die afrikanischen Titel erzählten vom mühevollen Leben der Sklaven, die durch die Lieder Kraft, Hoffnung und Trost schöpften.

Der Chor zeigte sich insgesamt sehr stimmig und ausgeglichen. Bei so manchem Vortrag brillierte Saxofonist Matti Münch mit seinem hervorragenden Solo. Als „ökumenisches Lied“ pries Jörg Sommer das Marienlied „Maria“ an (verfasst von Michaela Sommer). Einzigartig war aber auch das „I give it all“ mit mehreren Solis, das auf der neuesten CD zusammen mit dem Gymnasium Balingen und dem Landesgospelchor vorzufinden ist.

Zu der Großzahl an Frauenstimmen bildeten die Bässe eine eher wohltuende Ergänzung. Zusammen ergab sich wiederum ein homogener Klangkörper mit ausgezeichneter Dynamik, der durch das Kirchenschiff klang. Nach zweistündigem, wohlklingendem Konzert mitsamt drei Zugaben endete diese noch lange nachklingende, grandiose Jubiläumsfeier.

Premiere: Pfarrer stellt den neuen Flügel vor

Das Jubiläumskonzert des Gospelchores nahm Pfarrer Ulrich Günther zum Anlass, der Öffentlichkeit erstmals den käuflich erworbenen Flügel zu präsentieren. Er und die ganze evangelische Kirchengemeinde seien stolz, durch die Vermittlung von Chorleiter und Organist Jörg Sommer an dieses klassische Tasteninstrument herangekommen zu sein.

Der Kauf erfolgte zwar schon im Herbst, der Kirchengemeinderat wollte ihn aber erst beim Konzert vorstellen. Der Flügel habe einige Jahre Schuldienst hinter sich. Heinz Marquart habe ihn mit vielen Stunden und großem Einfühlungsvermögen sanft und mit Druck therapiert, eine Klavierbank gespendet und ebenso mittels Beziehungen zu Karl-Heinz Dorn eine nagelneue passgenaue Schutzdecke erhalten.