Zu dreieinhalb Jahren Haft wegen sexuellem und schwerem sexuellen Missbrauch sowie Besitz von Kinderpornografie hat das Landgericht am Donnerstag den 54-jährigen Angeklagten im Bisinger Missbrauchsfall verurteilt.

Der Fall ähnle einer „klassischen Tragödie“ und sei für das Gericht „außerordentlich“ schwierig gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Hannes Breucker in seiner Urteilsbegründung. Denn dem Gericht seien nur beschränkte Mittel zur Verfügung gestanden, um den Sachverhalt aufzuklären. Die Beweissituation sei zudem problematisch gewesen, da Aussage gegen Aussage stand – die 23-jährige Nebenklägerin, die die Vorwürfe erhob, und der Angeklagte, der abstritt, zwischen 1999 und 2004 mit dem damals zwischen sechs und elf Jahre alten Mädchen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Den Besitz von Kinderpornografie und das Streicheln des Mädchens hatte er schon zu Prozessbeginn zugegeben.

Entscheidend für den Verlauf des Prozesses war laut Richter Breucker die Gutachterin, die die Glaubhaftigkeit der jungen Frau untersuchte. „Sie hat die belastenden Angaben der Nebenklägerin in allen Punkten als glaubhaft bewertet“, sagte Breucker. Es habe auch keine suggestive Beeinflussung der Eltern auf das Erinnerungsvermögen des Mädchens gegeben. Eindrücklich sei für das Gericht gewesen, wie die junge Frau in nichtöffentlicher Sitzung den ersten Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten beschrieben habe. Die Erzählung sei detail- und bildreich gewesen, habe Gefühle und Ängste des Mädchens wiedergegeben. Zwar habe sie auch Erinnerungsschwächen gezeigt, „aber das kann nach so langer Zeit durcheinander geraten, ohne dass es unglaubhaft wird“, sagte Breucker. Unglaubwürdiger wäre es gewesen, wenn das Opfer immer alles gleich beschrieben hätte. „Das kann man sich nicht so einfach erfinden“, schlussfolgerte der Richter.

Der Angeklagte wurde von der 23-Jährigen fast als „liebevoll“ beschrieben, habe ihr Essen gekocht, Süßigkeiten geschenkt und den Chauffeur gegeben. „Sie lasen ihr jeden Wunsch von den Lippen ab, beschrieb der Richter das Verhältnis, „sie mochte Sie.“ In kindlicher Weise habe das Mädchen die sexuelle Misshandlungen als „fast normal“ empfunden und sich dazugehörig gefühlt. „Sie werden vom Gericht nicht als Lügner eingeschätzt, auch wenn Sie den Geschlechtsverkehr abgestritten haben“, sagte Breucker zu dem Angeklagten. Das Gericht sah dafür zwei Gründe als ausschlaggebend: Indem der Angeklagte den Geschlechtsverkehr verneinte, hoffte er das Restvertrauen von Ehefrau und Tochter nicht zu enttäuschen, und seine Religiosität habe es ihm nicht erlaubt, sein Fehlverhalten einzugestehen nach dem Motto „weil nicht sein kann, das nicht sein darf“. „Sie wissen am besten, was sich zugetragen hat. Die Grenze war schon mit dem Streicheln des Mädchens überschritten, von da war es nur noch ein gradueller Sprung zu den angeklagten Taten“, sagte Richter Hannes Breucker.