Bisingen Eine Vision fürs Maute-Areal

Bisingen / Stephanie Apelt 14.09.2018
Armin Haspel und Oliver Buchstor wollen mit ihrem städtebaulichen Entwurf für das Fabrikgelände die Diskussion anregen.

Sie sind Bisinger und sie sind Architekten. Was lag da näher, als sich um die Zukunft des Maute-Areals in Bisingen Gedanken zu machen. Was Oliver Buchstor und Armin Haspel jetzt vorlegen, soll eine „Vision“ sein, ein städtebaulicher Entwurf, keine ausgefeilte Arbeit, in der jede Gebäudeform bis hin zum Fenster festgeschrieben ist. Es soll ein Beitrag zur Diskussion sein, so sehen es beide, keinesfalls in Konkurrenz zur Planung der Gemeinde. Bürgermeister und Gemeinderäten kennen das Modell.

Zwei Punkte stechen heraus

►Haspel und Buchstor wollen auf alle Fälle etwas von dem alten Fabrikbestand erhalten.
►Die 1,6 zur Verfügung stehenden Hektar werden in mehrere Flächen in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Konzeptionen aufgeteilt. So muss nicht auf den einen großen Investor gesetzt werden, mehrere Investoren können zum Zuge kommen, genauso wie die Gemeinde – die Herrin des Verfahrens bleibt.

Einst hatte die Maute-Fabrik in Bisingen, eine Textilnäherei, über 1000 Arbeiter. Das Ortsbild Bisingens ist davon viele Jahrzehnte geprägt worden. Haspel und Buchstor wollen daher zumindest einen Teil erhalten. Sie sind, als Architekten, überzeugt, dass der Kamin, das Kessel- und das Turbinenhaus die Substanz dafür haben.

Was stellen sich Haspel und Buchstor im Einzelnen vor? Dabei planen sie nicht „aus dem Bauch“ heraus, sondern wissen genau: Es muss sich finanziell rechnen, realistisch sein.

Schon länger angedacht, auch von Gemeindeseite, ist eine fußläufige Achse Marktplatz – Eichgasse – Bahnhof. Diese greifen Haspel und Buchstor auf. Nach fast 130 Jahren in Privatbesitz, zu dem kein Zugang möglich war, soll das Maute-Areal nun zumindest in Teilbereichen öffentlichen werden.

Haspel und Buchstor teilen die Fläche in mehrere Bereiche.

►An der Bahnhofstraße, dort wo momentan das Gebäude aufgerissen ist, planen sie ein Gebäude, das Rathaus, Polizeiposten und Post(agentur) beinhaltet.

►Ebenfalls zur Bahnhofstraße hin, im Bereich des Parkplatzes, stellen sie sich ein Business-Hotel (drei Sterne plus) mit 60 Betten vor.

►Zur Raichbergstraße hin gibt es einen Wohnturm (sechs Geschosse plus eine Penthousewohnung) sowie eine Wohnstange (vier Geschosse plus eins). Kein Gebäude soll dabei höher sein als die bisherige Bebauung.

►Ein Büro und/oder Wohnturm steht an der Stelle des Pförtnerhäuschens.

►Wohnen für junge Familien und Senioren, in klassischer Hausbebauung, kommt an der Zollernstraße hinzu.

►Das Turbinenhaus wird zu einem Seminarraum umfunktioniert (als gute Ergänzung zum Business-Hotel), das Kesselhaus beherbergt Gastronomie und Tagescafè. Der Kamin wird saniert. Zwischen diesem „alten“ Bereich und dem neuen mit Hotel und Rathaus liegt ein schmucker Dorfanger. Bei den Wasserspielen wird ganz praktisch die Maute-Quelle (die immer noch sprudelt!) angezapft.

Insgesamt planen Haspel und Buchstor so Wohnraum für gut 190 Menschen, gehen von 60 bis 80 Arbeitsplätzen aus, lösen das Parkproblem mit 160 Tiefgaragenplätzen und rund 90 oberirdischen Stellplätzen.

Bislang war das Maute-Areal ein geschlossener Komplex, nun soll es, wenn es nach Haspel und Buchstor geht, geöffnet werden. Dabei ähnelt die Silhouette dem ursprünglichen Zustand.

Armin Haspel und Oliver Buchstor wollen ihren Beitrag zur Diskussion um die Entwicklung des Maute-Areals leisten. Im November 2017 hatte sich die Gemeinde die Fläche im Zuge eines Zwangsversteigerungsverfahrens gesichert. Seit Anfang 2018 haben die beiden Bisinger Architekten an ihrem Entwurf gearbeitet, viele Stunden ihrer Freizeit darauf verwendet.

Info Die Power-Point-Präsentation zum Haspel/Buchstor-Entwurf gibt es ab Freitag auf der Homepage www.bau-designer.de. Das Modell steht im Schaufenster von Foto Vogt in Bisingen.

51,8

Meter ist der Maute-Kamin hoch (ganz exakt 51,83 Meter). Er ist damit der größte im ganzen Zollernalbkreis. Früher gab es sogar einmal zwei Kamine auf dem Fabrikgelände.

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