Bisingen Digitale Attacken

LEONIE MASCHKE 26.04.2013
Das Bisinger Kinder- und Jugendbüro zeigte im Rahmen der Familienwoche der Bisinger Gemeinde den preisgekrönten Film "Homevideo" zum Thema Cybermobbing - und gab Hilfestellung.

Jakob ist ein sensibler Teenager. Er fotografiert gerne und dreht mit seiner Videokamera alles, was ihn gerade bewegt. Diese Filme sind nur für ihn bestimmt sind und nicht für das Internet. Doch genau das geschieht: Das kompromittierende Video landet im World Wide Web. Damit ist er zum Abschuss freigegeben. Den digitalen Attacken seiner Mitschüler ist hilflos ausgeliefert.

Cyber-Bullying oder Mobbing nennt sich diese neue Form der Schikane, der junge Menschen immer öfter ausgesetzt sind und war Thema des Filmabends des Bisinger Kinder- und Jugendbüros im Rahmen der Familienwoche der Gemeinde in der Mensa des Schulzentrums Bisingens.

"Das war alles manchmal schon erschreckend", sagte ein junger Zuschauer nach dem Abspann des mehrfach ausgezeichneten Films "Homevideo" von Killian Riedhof (Regie). Das fiktionale Schicksal Jakobs musste nach dem Abspann erst einmal sacken. "Mobbing ist ein schwieriges Thema", gestand Udo Bartsch, Teamleiter Bisingen des Haus Nazareth in Sigmaringen, das Träger des Kinder- und Jugendbüros ist. "Aber es geht jeden etwas an, da jeder ein Mobbing-Opfer werden könnte."

Gemeinsam mit seiner Kollegin Vanessa Geillinger vom Kinder- und Jugendbüro beantwortete Bartsch Fragen der Zuschauer, die sich im Laufe des Films aufgedrängt hatten: Wie kann man die Kinder schützen? Was tut man, wenn es zum Cybermobbing kommt?

"Nicht jede Auseinandersetzung in der Schule ist Mobbing", erklärt Udo Bartsch, "Mobbing bedeutet, andere über einen längeren Zeitraum gezielt zu drangsalieren. Durch das Internet wird diese Schikane sogar noch intensiviert." Wie im Fall von Jakob - eine Unachtsamkeit und schon landen persönliche Dinge im Netz, die dort nicht hingehören.

"Die Dynamik beim Cyber-Mobbing ist anders", erklärt Bartsch. "Die Betroffenen können rund um die Uhr fertig gemacht werden. Die enorme Reichweite des Internets spielt ebenfalls eine Rolle: Plötzlich können sich Personen in das Geschehen einmischen, die das Opfer vielleicht gar nicht kennt. Das ist eine Dimension, die nicht unterschätzt werden darf."

Die Jugendlichen müssen vor allem lernen, mit den Medien um sie herum adäquat umzugehen. Das Internet vergisst nicht. Inhalte können oft noch Jahre später abgefragt werden und so sogar zur Belastung bei der Jobsuche werden.

"Wir versuchen die Jugendlichen für solche Situationen zu sensibilisieren", sagt Vanessa Geillinger. "Sowohl in Sachen Medienkompetenz als auch im Umgang mit anderen."

Das Kinder- und Jugendbüro leistet Präventionarbeit an den Schulen und hilft bei aktuellen Mobbing-Fällen. In einer solchen Situation sei es wichtig, dass die betroffenen Teenager, ihre Eltern und die Lehrkräft an einem Strang ziehen und die Jugendlichen sich ernst genommen fühlen. "Oft reden die Erwachsenen und Teenager aneinander vorbei", sagt Geillinger.

Die Gemeinde Bisingen ist mit dem Kinder- und Jugendbüro ins Sachen Präventionsarbeit und Unterstützung bei Mobbing-Fällen gut aufgestellt. Info: Bei Fragen und Problemen zu diesem Thema und anderen, kann man sich an das Kinder- und Jugendbüro Bisingen wenden. Adresse: Auf der Halde 13, Telefon: 07476/914379, kijubu@web.de