Bisingen / Egidius Fechter  Uhr

Der Bisinger Gedenkstättenverein konnte am Freitagabend mit der Vorstellung des NS-Propagandafilms „Kolberg“ mit Heinrich George und Kristina Söderbaum in den Hauptrollen an eine erfolgreiche Vortragsreihe anknüpfen, hatten die Veranstalter doch in der Vergangenheit schon andere Filme wie „Jud Süß“, „Ich klage an“ oder „Hitlerjunge Quex“ gezeigt.

Vorstandsmitglied Susanne Weller begrüßte die zirka 100 Besucher und freute sich über das volle Haus. Obwohl die historischen Ereignisse, für die der Film letztendlich hergestellt wurde, schon über 70 Jahre zurückliegen, sah Susanne Weller durchaus aktuelle Bezüge. Sie bezog sich beispielsweise auf Aussagen des Thüringer AfD-Chefs Björn Höck, der innerhalb der AfD als Vertreter des äußersten rechten Randes gilt, und in der Vergangenheit wiederholt mit seinen Hetz-Aussagen Kritik und Entsetzen hervorgerufen hat.

Karl Kleinbach gab anschließend anhand von Dokumenten und Bildern eine Einführung in den Film. Die Uraufführung des Films fand am 30. Januar 1945 vor deutschen Soldaten in der eingeschlossenen Atlantikfestung La Rochelle statt. Die Alliierten standen zu der Zeit schon fast am Rhein, die Filmrollen mussten deshalb per Fallschirm über der eingeschlossenen Stadt abgeworfen werden. Da die meisten Kinos zerstört und die Bevölkerung Anfang 1945 ohnehin andere Sorgen hatte, konnte der mit viel Aufwand gedrehte Film seine beabsichtigte propagandistische Wirkung nicht mehr entfalten, die er eigentlich zum 12. Jahrestag der Machtergreifung von Hitler ausüben sollte.

„Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“, eine der Kernaussagen des Filmes, sollte dazu dienen, im Januar 1945 die letzten Reserven des Reichs, den „Volkssturm“ zu mobilisieren.

Trotz der vielen Schwierigkeiten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden für den Film 8,5 Millionen Reichsmark ausgegeben Propagandaminister Goebbels selbst gab den Film in Auftrag. Der „größte Film aller Zeiten“ sollte die deutsche Bevölkerung zum Durchhalten aufrufen. „Lieber unter Trümmern begraben, als kapitulieren!“ war eine der zentralen Parolen. Für die übergroßen Schlachten-Szenen, die auf einem Feld zwischen Berlin und Potsdam gedreht wurden, stellte die Wehrmacht viele Soldaten zur Verfügung. Man wollte Hollywood in nichts nachstehen und kupferte, so Karl Kleinbach, sogar direkt ab. Einige Szenen erinnerten zum Beispiel sehr an den Hollywood-Schinken „Vom Winde verweht“

Historische Grundlage für den Film war die Verteidigung der pommerschen Stadt Kolberg zur Zeit der napoleonischen Kriege. Nachdem die preußische Armee am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt von Napoleons Truppen vernichtend geschlagen worden war, bot nur noch die Festung Kolberg unter der Führung des preußischen Majors Neidhardt von Gneisenau entschlossenen Widerstand gegen die Belagerer. Laut Goebbels sollte der Film am Beispiel der Stadt, die dem Film den Titel gab, zeigen, „dass ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet.“

Nach 1945 war der Film „Kolberg“ verboten und ist bis heute ein sogenannter „Vorbehaltsfilm“. Er kann nur mit Zustimmung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gezeigt werden. Vorbehaltsfilme sind Propagandafilme, deren ­Inhalt rassistisch, volksverhetzend oder kriegsverherrlichend ist, und die daher nicht für den Vertrieb freigegeben werden.

Nach Ende der Vorführung fand eine angeregte Gesprächs- und Diskussionsrunde statt.

8,5

Millionen Reichsmark gab Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels für die Produktion des Films „Kolberg“ aus. Es sollte der „größte Film aller Zeiten“  werden.