Bisingen / Stephanie Apelt  Uhr
Der Fußgängersteg am Bisinger Bahnhof muss gesperrt werden. Doch viele Fahrgäste halten sich nicht an die Umleitung, sondern laufen über die Gleise.

Da hilft alles nicht. Die Fußgängerbrücke am Bisinger Bahnhof muss saniert werden. Und zwar so schnell wie möglich. Folge für die Fahrgäste: Ein schneller Übergang vom Bahnhofsvorplatz zum gegenüberliegenden Gleis ist nicht mehr möglich. Also wird munter über die Gleise gelaufen. Jetzt sorgen Mitarbeiter der DB Sicherheit dafür, dass genau das nicht mehr passiert.

Alle Brücken in der Gemeinde werden regelmäßig überprüft, auch der Fußgängersteg am Bisinger Bahnhof. Doch die jüngste Untersuchung brachte einen äußerst unliebsamen Befund: Die Fußgängerbrücke ist wackelig geworden. Ein Traggerüst neben den Stützen soll für Sicherheit sorgen.

Doch das Gerüst muss erst einmal angebracht werden. Also hat die Gemeinde am Donnerstag vor Pfingsten den Fußgängersteg sperren lassen – und sich umgehend mit den entsprechenden Stellen bei der Bahn in Verbindung gesetzt.

Bisinger alarmieren Gemeinde

„Bei der Gemeinde gingen dann bereits am Donnerstag und Freitag von aufmerksamen Bürgern gleichlautende Mitteilungen ein, dass Fahrgäste beziehungsweise Fußgänger in ,großem Stil’ nicht die ausgeschilderte Umgehung benutzen, sondern über die Gleise laufen“, schildert es Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger. Dabei beobachtet worden seien sowohl Erwachsene mit Kindern als auch Jugendliche. Waizenegger konnte es gar nicht glauben, die Verwaltung schaute es sich am Freitagnachmittag selbst an. Und wusste sich nicht anders zu helfen, als den Steg schnellstmöglich wieder zu öffnen. Die Gefahr, dass ein Mensch auf den Gleisen von einem Zug erfasst wird, sei einfach größer gewesen als die, die von dem schlechten Zustand des Fußgängerstegs ausgehe. Doch das ist keine Lösung.

Inzwischen passen Mitarbeiter der DB Sicherheit auf, dass am Bisinger Bahnhof möglichst niemand mehr über die Gleise springt. Von frühmorgens bis spätabends sind sie vor Ort. Sie arbeiten dabei in mehreren Schichten. Einfach haben sie es nicht. „Erst heute Morgen haben wir drei erwischt, die ganz selbstverständlich an uns vorbei und dann über die Gleise gelaufen sind“, kann es eine Mitarbeiterin gar nicht fassen. Dabei sind die Bahn-Mitarbeiter in ihren Warnwesten deutlich zu erkennen. Und: Die Fußgängerbrücke war zu diesem Zeitpunkt, am Mittwoch, sogar noch offen.

Kinder sind einsichtig

Zwei kleine Mädchen, die gerade aus dem Zug gestiegen sind, sind da vernünftiger. „Wie kommen wir denn dann, wenn gesperrt ist, auf die andere Seite?“ Die Mitarbeiterin der DB Sicherheit lächelt freundlich und erklärt es ausführlich: „Da müsst ihr an der Bahnhofstraße entlang, unter der Eisenbahnbrücke hindurch, und auf der anderen Seite wieder zurück.“ Aha, die Mädels nicken, alles verstanden. So wird’s gemacht.

Von den drei Erwachsenen, die über die Gleise abkürzten, zeigte sich dagegen wohl keiner verständig. „Der eine schimpfte, dann würde er seinen Zug nicht bekommen. Obwohl er ja die noch den Fußgängersteg hätte benutzen können.“ Die Bahn-Mitarbeiterin hat es beobachtet: „Der stand dann bestimmt gut fünf Minuten auf der anderen Seite und wartete.“

Was sie nicht versteht: „Das sind doch zumeist Pendler oder Schüler, die ständig den Zug benutzen. Die wissen doch, wie sie, wenn der Steg nicht zur Verfügung steht, zum richtigen Gleis kommen.“ Festhalten dürfen die Mitarbeiter der DB Sicherheit Fahrgäste, die so gar keine Einsicht zeigen, nicht. Sie können nur eindringlich appellieren.

Im Notfall müsste die Polizei gerufen werden.

Noch am Mittwochnachmittag wollte Bisingens Ortsbaumeister Holger Maier den Fußgängersteg dann endgültig geschlossen haben. Erst wenn das Traggerüst eingebaut ist, könne der Fußgängersteg nach Auskunft des Ingenieursbüros wieder geöffnet werden. „Die Gemeinde arbeitet mit Nachdruck daran“, versichert Bürgermeister Waizenegger. Gut vier bis sechs Wochen, schätzt Bauamtsleiter Maier am Mittwoch, werde das aber wohl dauern.

Gleise sind verboten

„Die Gemeinde bittet die Bevölkerung dringend, auch im Sinne der eigenen Sicherheit, die zumutbare Umleitung durch die Unterführung Hauptstraße in Kauf zu nehmen“, sagt Waizenegger. Die Gemeinde hat die Route berechnet und kommt auf elf Minuten. Das ist, zugegeben, äußerst umständlich. Doch eine Alternative gibt es nicht.