Bisingen / STEPHANIE APELT  Uhr
Mit einer ganz bedeutenden Auszeichnung wurde am Montag Uta Hentsch, "Motor" des Bisinger Gedenkstättenvereins, bedacht. Landrat Günther-Martin Pauli überreichte die Staufermedaille des Landes.

Uta Hentsch, langjährige Vorsitzende des Gedenkstättenvereins Bisingen, wird für ihre Verdienste um das Land Baden-Württemberg gewürdigt. Sie habe sich, so die Begründung der hohen Auszeichnung mit der Staufermedaille in Silber, in herausragender Weise im Bereich "Versöhnung, Vergangenheitsbewältigung und Völkerverständigung" engagiert.

Eigentlich hätte die Verleihung der Medaille bereits im Dezember vergangenen Jahres in der Villa Reitzenstein in Stuttgart, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, stattfinden sollen, doch Uta Hentsch hatte aus Krankheitsgründen absagen müssen. Am Montag überreichte Landrat Günther-Martin Pauli die Auszeichnung im Namen des Ministerpräsidenten, nun "in gemütlicher Runde", im Landratsamt in Balingen.

Pauli würdigte die langjährige Vorsitzende als "Motor" des Vereins. "Uns ist es wichtig, dass Sie - und Ihr ganzes Team - hier wertvolle Arbeit geleistet haben." Die Einbeziehung des Teams waren der im Bisinger Ortsteil Wessingen lebenden Uta Hentsch sehr wichtig. Und so waren am Montag dann auch ihr Nachfolger an der Spitze des Gedenkstättenvereins, Dieter Grupp, die 2. Vorsitzende, Dr. Ines Mayer, und die Leiterin des Bisinger Heimatmuseums, Dr. Franziska Blum, an ihrer Seite. Die Laudatio hielt Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger, das wollte er sich nicht nehmen lassen. Denn es lag Waizenegger "persönlich sehr am Herzen, Dank zu sagen".

Seit dem Jahr 2003 widmet sich der Gedenkstättenverein KZ Bisingen der Arbeit gegen das Vergessen. Die Anfänge hatte schon in den 80er Jahren eine junge Arbeitsgruppe gemacht, und war dabei durchaus noch auf heftigen Widerstand gestoßen. Später gründete sich ein Gesprächskreis "Möglichkeiten des Erinnerns". Heute sei der Gedenkstättenverein, so Waizenegger froh, "eine nicht mehr wegzudenkende Institution in Bisingen". 2015 beschloss der Verein mit einem Besucherrekord: 1300 Besuchern, gerade auch jungen Menschen, wurde Geschichte direkt vor der Haustür, die des nationalsozialistischen Unternehmens Wüste" und des dazugehörigen Konzentrationslagers in Bisingen, vermittelt.

Vor einigen Monaten hat Uta Hentsch die Arbeit an der Spitze des Gedenkstättenvereins in jüngere Hände abgegeben. Den Verein unterstützt sie natürlich weiterhin nach Kräften. Die Wessingerin ist zudem Vorstandsmitglied im Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb und Mitglied im Freundeskreis Yad Vashem (bedeutendste Gedenkstätte in Israel, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und wissenschaftlich dokumentiert), ist in der ganzen Welt vernetzt, nicht zuletzt über ihren Blog (Internettagebuch) kzgedenkstaettenbisingen.com.

Uta Hentsch und ihren Mitstreitern im Verein sind der Kontakt zu den Schulen und die Weitergabe des Wissens wichtig. Ein großes Anliegen ist ihr zudem die Kontaktpflege und die Versöhnung mit den jüdischen Überlebenden des Holocaust. "Gerade durch Ihre persönlichen Beziehungen zu Israel liegt Ihnen die Versöhnung ganz besonders am Herzen", weiß Waizenegger.

Menschen wie Uta Hentsch brauche jede Gemeinschaft, betont Bisingens Bürgermeister. Die Wessingerin engagiere sich in dem Bereich Versöhnung und Völkerverständigung, "die nicht nur in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg oder während des Kalten Krieges, sondern gerade auch in den vergangenen Jahren und Monaten, Stichwort Flüchtlinge, wichtig für das Verständnis und Miteinander der Menschen untereinander sind", schlug Waizenegger den großen Bogen von der Vergangenheit in die Jetzt-Zeit.

"Sie haben stets nach dem Grundsatz gehandelt, dass unsere Gesellschaft Menschen braucht, die geben und nicht nur fordern. Diese Einstellung hat Vorbildcharakter und von diesem Vorbild wird eine Gemeinschaft im besten Sinne gebildet."

Landrat Pauli schloss sich an: "Wir sind stolz, dass wir Persönlichkeiten wie Uta Hentsch hier im Landkreis haben." Uta Hentsch war ganz gerührt. Da kam ein Schlückchen Sekt, mit dem auf die Verleihung der Medaille angestoßen wurde, gerade recht.

Persönliche Auszeichnung

In Silber Die Staufermedaille ist eine besondere, persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg und seine Bevölkerung. Sie wird in der Regel in Silber vergeben, in seltenen Fällen auch in Gold.

Gemeinwohl Auch mit der Staufermedaille sollen Verdienste um das Gemeinwohl geehrt werden, die über die eigentlichen beruflichen Pflichten hinaus im Rahmen eines in der Regel ehrenamtlichen, gesellschaftlichen oder bürgerschaftlichen Engagements erworben wurden und über viele Jahre hinweg erbracht worden sind.

Geschichte "Diese Medaille soll sinnfällig machen, wie das heutige Land mit seiner weiter zurückliegenden Geschichte verklammert ist. Aus diesem Grunde wurde 1977 die Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Stauferzeit geplant und durchgeführt; aus diesem Anlass wurde auch die Medaille geprägt." (Bemerkungen zur Staufermedaille von dem Ordinarius für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Tübingen, Prof. Dr. Hansmartin Decker-Hauff (1917 bis 1992).

SWP