Bisingen Antikriegstag fordert Einsatz für den Frieden

Bisingen / Antonia Lezerkoss 03.09.2018
Die Verdi-Senioren Zollernalb riefen in Bisingen dazu auf, sich für „Abrüstung statt Aufrüstung“ stark zu machen.

Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein“, singt Hannes Wader in seinem Lied „Es ist an der Zeit“, und doch scheinen die Schrecken und das unermessliche Leid der beiden Weltkriege, die Millionen von Toten gefordert haben, vergessen. „Nie wieder Krieg!“, so hieß es an deren Ende – und so muss es auch heute noch heißen. Daher ist der Antikriegstag seit 1957 ein Tag des Gedenkens und des Mahnens.

Seit über 60 Jahren erinnern die Gewerkschaften am 1. September daran, dass es dieser Tag war, an dem Nazi-Deutschland 1939 Polen überfiel und damit den Zweiten Weltkrieg entfachte. Im Andenken daran und als Mahnruf gestalteten die Verdi-Senioren Zollernalb zusammen mit dem DGB Neckar Alb und den IGM-Senioren Albstadt bewusst vor dem Bisinger Museum ihren Antikriegs-Aktionstag, an dem sich zahlreiche Bürger beteiligten.

Bilder vom Schrecken

Salvatore Bertolino, Vorsitzender der Verdi-Senioren, ist überzeugt, dass eine gute Kenntnis der Vergangenheit hilft, um eine bessere Gegenwart und Zukunft frei von Hass und Vorurteilen zu gestalten. Dazu trügen die Austellungsbilder über die schrecklichen Zerstörungen im Zollernalbkreis im Zuge des Luftkrieges ebenso bei wie der Vortrag des Historikers Rolf Vogt über den Fliegerhorst in Grosselfingen mit dem Titel: „Krieg in der Heimat“.

„Und doch sind wir vom Frieden auf der Welt weit entfernt. Rund um den Globus toben mehr als 30 Kriege und bewaffnete Konflikte; auch die nukleare Bedrohung hat eher zu- als abgenommen. Wachsende Instabilität und zunehmende Bereitschaft, die eigenen Interessen mit militärischer Gewalt durchzusetzen, prägen das internationale Geschehen. Noch nie sind als Folge davon so viele Menschen weltweit auf der Flucht gewesen. Zudem fördert das Erstarken von Nationalismus und Protektionismus, die Ausbreitung autoritärer und rechtspopulistischer Regime, die Entstehung einer neuen Weltunordnung“, beklagte Bärbel Mauch, Regionsgeschäftsführerin des Regierungsbezirkes Tübingen in der Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Antikriegstag 2018. Ziel internationaler Friedensbemühungen müsse es sein, Feindbilder abzubauen und die sozialen, ökonomischen und politischen Ursachen von Kriegen zu beseitigen. „Abrüsten statt Aufrüsten“ sei das Gebot der Stunde. Zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Rüstungsausgaben wären allein in Deutschland weitere 30 Milliarden, die im zivilen Bereich fehlten, so Bärbel Mauch.

Fliegerhorst in der Provinz

Ein Fliegerhorst in der Provinz: „Dort, wo sich heute teilweise das Gewerbegebiet Bisingen-Nord erstreckt und auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen, war in den 30er- und 40er-Jahren ein Rollfeld für einen Fliegerhorst“, erklärte der Historiker Rolf Vogt zu Beginn seines Votrages, der Planung und Entwicklung des Militärflugplatzes in Grosselfingen während des Dritten Reiches zum Thema hatte. Ab 1936 war ein Rollfeld samt entsprechender Infrastruktur für etwa 40 Jagdflugzeuge samt Nachrichteneinheiten und Flugabwehrkanonen entstanden. Der „Einsatzhafen“ wurde im August 1940 in Betrieb genommen.

Das Grosselfinger Geschwader nahm an verschiedenen Luftkämpfen teil, rückte aber dann schon Ende desselben Jahres nach Westen ab und wirkte beim Luftkrieg gegen England mit. Als Gefechtstand wählte der Kommandant Robert Ritter von Greim Hechingen. Ende 1941 diente das Grosselfinger Gelände als Übungssplatz für Landesschützen und wurde ab August 1943 in eine Flugzeugführerschule umgewandelt.

Gegen Ende des Krieges wurde der Fliegerhorst bei der „Aktion Bodenplatte“ wieder aktiviert: In Nachtjagdflügen wurden alliierte Flugplätze in Frankreich, Belgien und den Niederlanden angegriffen. Doch die Bestrebungen endeten in einem Fiasko.

Ab 1944 wurde auch die Zollernalb selbst zum Kriegsgebiet. Nicht nur in Ebingen gingen Bomben nieder, sondern auch Grosselfingen, Bisingen, Steinhofen, Hechingen wurden Angriffsziele. Darüber hinaus warfen Jagdbomber ihren „Ballast“ ab und Tiefflieger griffen „bewegliche Ziele“ an. Nach dem Krieg wurde das Gelände des Fliegerhorstes als Internierungslager für NS-Belastete genutzt. In der Kommandantur ist heute der Bisinger Bauhof untergebracht.

Nie wieder Krieg, sei das Fazit des schrecklichen Krieges gewesen, doch schon nach wenigen Jahren sei die Bundeswehr (1955) gegründet worden, die Bundesrepublik habe sich der Nato angeschlossen und sich ab 1999 aktiv am Krieg (gegen Serbien) beteiligt. Heute seien deutsche Soldaten weltweit in verschiedensten Krieg- und Krisengebieten aktiv und die Komplettabwicklung aller Transportflüge für zehn Nato-Staaten ginge von deutschen Boden (Flughafen Leipzig) aus“, gab Rolf Vogt als Schlussbemerkung zu bedenken.

Mit Liedern wie „Moorsoldaten“, „Es ist an der Zeit“, „Blowing in the Wind“ und „Ciao, bella ciao“, umrahmten Georg Sattler und seine Gitarre die Veranstaltung. An deren Ende sich Salvatore Bertolini „ein buntes, pluralistisches Land ohne Hass und Gewalt“ wünschte.

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