Bisingen/Balingen Balinger Schüler besuchen KZ-Gedenkstätte

Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 des TG Balingen und der Internationalen Klasse erkundeten gemeinsam die Gedenkstätte KZ Bisingen.
Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 des TG Balingen und der Internationalen Klasse erkundeten gemeinsam die Gedenkstätte KZ Bisingen. © Foto: hz
Bisingen / Von Ines Mayer 24.07.2018
Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Balingen begeben sich auf den Geschichtslehrpfad der KZ-Gedenkstätte Bisingen.

In mehreren Unterrichtsstunden hatten sich die Schüler der Klasse 12.3 vom Technischen Gymnasium Balingen auf die Exkursion auf dem Geschichtslehrpfad der KZ-Gedenkstätte Bisingen vorbereitet. Jetzt warteten sie am Bahnhof in Bisingen auf das Eintreffen ihrer Mitschüler aus der Vabo-Klasse der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule. Die Abkürzung steht für „Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse“. Als die Schüler mit ihren Begleitlehrern Gerlinde Bien und Urs Hanisch aus dem Zug gestiegen waren, ging es auf den Geschichtslehrpfad. Begleitet wurden sie von ihren Lehrern und zwei Mitgliedern des Bisinger Gedenkstättenvereins: Jugendguide Nadja Diemunsch und der zweiten Vorsitzenden Ines Mayer, die gleichzeitig Klassenlehrerin der 12.3 ist. Die eigentliche Führung übernahmen die TG-Schüler.

Um Verständnisbarrieren abzusenken, hatten sie nach geeigneten Visualisierungen für ihre Themen gesucht und diese im A3-Format ausgedruckt. Gleich am Bahnhof wurde das erste Bild gezeigt: ein Güterwaggon der Reichsbahn. Die Schüler  schilderten, wie die Häftlinge 1944 und ’45 völlig entkräftet am Bahnhof in Bisingen ankamen. Etliche von ihnen hatten die Strapazen der mehrtägigen Fahrt nicht überlebt und konnten nur noch tot geborgen werden. Die anderen trieben Wachmänner des KZ über die Wiesen zum Lagergelände. Diesen Weg ging jetzt auch eine der Gruppen, die andere steuerte als erstes die Überreste der Produktionsanlagen, den Öltank und die Schieferabbaukante im Kuhloch an.

Unterwegs fragten sich die TG-Schüler immer wieder, was wohl bei ihren Mitschülern „ankommt“. Die beiden Guides vom Gedenkstättenverein sahen das gelassen. „Die Menschen verarbeiten den Besuch einer Gedenkstätte auf völlig unterschiedliche Weise. Oft ist ein Reflexionsprozess noch Tage danach im Gange, manchmal noch länger. Die Einrücke bleiben aber auf jeden Fall.“

Die Gruppe zog weiter zum Sportplatz. Jetzt waren die TG-Schüler überrascht. Ein Fußballplatz auf dem ehemaligen Meilerfeld? Ob das heute noch genehmigt würde? Es wurde deutlich, dass die Geschichte des KZ Bisingen nach 1945 nicht beendet ist. Auch die Erinnerungsgeschichte hat ihre Spuren hinterlassen. Sie sind auf dem Geschichtslehrpfad in Bisingen an vielen Stellen anzutreffen und sorgen für Gesprächsstoff. So wie der Holzsteg auf dem ehemaligen Lagergelände, bei dem die Gruppe inzwischen angekommen war. Gemeinsam schritten die Schüler den Steg entlang zum ehemaligen Appellplatz. Von dort ließen sie den Blick über die Wiese schweifen.  Schwer vorstellbar, welche Tragödien sich hier abgespielt haben.

Danach ging es weiter zum Museum. Dort versammelten sich alle im Innern, wo Jugendguide Nadja Diemunsch noch offene Fragen klärte: Was geschah mit den Toten des Lagers, was wurde aus dem Lagerkommandanten? Dann schwärmten die Schüler aus, um sich das Museum auf eigene Faust anzuschauen.

Was blieb von der Exkursion? Am nächsten Tag wurde in der Schule darüber gesprochen.  Das war eine wichtige Erfahrung, so der Tenor der Gymnasiasten.  Und die Vabo-Schüler? Urs Hanisch und Gerlinde Bien berichteten, die Rückmeldungen seien „durchweg positiv“ gewesen. „Unsere Schülerinnen und Schüler kommen selbst aus Gebieten, in denen Krieg herrscht, oder aus dem ehemaligen Jugoslawien. Sie haben gesagt, wenn der Krieg vorbei ist, könne man nicht so tun, als ob nichts passiert wäre. Im Gegenteil. Man müsse über die Dinge sprechen. Dieses Museum zeigt, was geschehen ist.“

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