Internet „Fake News“ sind ein Phänomen

Gut besucht war der Vortrags- und Diskussionsabend des SPD-Ortsvereins Bisingen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken zum Thema „Fake News“.
Gut besucht war der Vortrags- und Diskussionsabend des SPD-Ortsvereins Bisingen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken zum Thema „Fake News“. © Foto: Jörg Wahl
Jörg Wahl 07.08.2017

Seit der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump sind „Fake News“ ein häufig gebrauchter Begriff. Die Veranstaltung des SPD- Ortsvereins Bisingen mit der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken im Gasthaus „Grüner Baum“ in Zimmern hatte genau das zum Thema: „Lügen im Netz“.

Überraschend viele Interessierte waren zu diesem Vortrags- und Diskussionsabend gekommen. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bisingen, Gisela Birr, begrüßte die Gäste, darunter auch Bundestagsabgeordneter Martin Rosemann und Bundestagskandidatin Stella Kirgiane-Efremidou sowie der SPD-Kreisvorsitzende Alexander Maute.

Saskia Esken gab Aufschluss über „Fake News“, was sie bedeuten und bewirken können, wie sie zustandekommen, welche Arten es gibt und wie man „vorgetäuschte Nachrichten“ erkennt. Gezielt gesetzte Informationen, Falschmeldungen, ja „Schauermärchen“ oder Hassreden ließen sich über soziale Netzwerke sehr rasant und effektiv verbreiten, so Esken. Denn gerade aufregend, kurios oder abstoßend wirkende, emotionsgeladene „News“ würden in den Netzen besonders schnell und häufig angeklickt. Etwa 30 Prozent der User fühlten sich durch solche manipulativen Nachrichten, gleich zu welchem Thema, in ihrer Meinung bestätigt. Die Politikerin nannte auch einige konkrete Bispiele.

Die Gesellschaft, so die Referentin weiter,  sei „einer digitalen kognitiven Überlastung“ ausgesetzt. Wer sich hauptsächlich über das Internet informiere, laufe Gefahr, Opfer von „Fake News“ zu werden. Die Gesellschaft sollte sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen und versuchen, damit umzugehen; so der Appell  der SPD-Politikerin. Auch die Medien seien gefordert, genau zu prüfen und abzuwägen,  was veröffentlicht werden kann. Um „Fake News“ auszumerzen,  bedürfte es eines „Wahrheitsministeriums“, so Esken. Es sei immens schwierig, eine eindeutige Grenzen zu ziehen zwischen einer strafbaren und einer nur persönlichen Meinungsäußerung. Dennoch habe der Bundestag im Juni 2017 das Netzwerkdurchsetzungsgesetz angenommen. Aber es sei vor allem die Öffentlichkeit  selbst, die lernen müsse, Informationen und deren Quellen kritisch zu betrachten.

Bei der sich anschließenden heftigen Diskussionsrunde äußerten  die Anwesenden viele Fragen und Anregungen. Ein Thema war ein just am selben Tag in der lokalen Presse veröffentlichter Leserbrief  zum Thema „Fake News“. Diskutiert wurde die Frage, ob in Redaktionen wegen Aktualität, Personal- oder Zeitmangel eine Nachricht oft nicht auf ihre Echtheit überprüft werde. Einig war man sich, dass nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen für das Problem gesucht, und diese „Bildungsaufgabe“ ganz groß geschrieben werden sollte. Auch entsprechende, regulierende Gesetze müssten verabschiedet werden.

Gegen „Fake News“ Stellung beziehen

Günter Wohlschieß, Teilnehmer des Vortrags- und Diskussionsabends mit der SPD-Politikerin Saskia, äußerte eine dezidierte Meinung zum Thema „Fake News“: „Als politisch interessierter Mensch sollte man sich auch im Internet, in den sozialen Medien engagieren, indem man gegen Fake News und Hasskommentare Stellung bezieht. Bisher hatte ich mich von sozialen Medien ferngehalten, weil verbal zu viel unter der Gürtellinie passiert. Das ist sicherlich wesentlich in der Anonymität begründet, meines Erachtens aber auch in der heutigen Schnelllebigkeit: Würde man nicht meinen, jede Aufgeregtheit gleich kommentieren zu müssen, so dächte man über die eine oder andere Aussage und auch Formulierung noch mal nach. Das klassische ,Drüber schlafen’ findet in den sozialen Medien wohl kaum statt. Das geht dann zu Lasten guter Recherche und kompetenter Aussagen.“