Mit Ferien auf dem Bauernhof hat Sibylle Roller-Karschs Liebe zur Landwirtschaft begonnen. Aufgewachsen ist die 46-Jährige bei Stuttgart. Nach dem Abitur machte sie eine landwirtschaftliche Lehre, studierte anschließend in Nürtingen. Während ihrer Ausbildung lernte sie ihren Mann kennen und kam so schließlich 1997 auf den Lindenhof nach Grosselfingen.

"Ich finde es gut, dass meine Arbeit mit den Jahreszeiten verbunden ist", schwärmt die Landwirtin von ihrem Beruf. Dass sie vor 15 Jahren auch Mitglied bei den Landfrauen wurde, liegt für sie eigentlich auf der Hand, "wenn man einen landwirschaftlichen Betrieb hat". Neben den breiten Lebensthemen, die in den Veranstaltungen angeboten werden, habe man in dem Verein auch die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, auch wenn Sibylle Roller-Karsch neben ihrer Arbeit manches Mal gerne mehr Zeit dafür hätte.

Auf dem Lindenhof arbeiten die Karschs im Team. Jeder hat seine Aufgabe. Mann Christian kümmert sich um den Ackerbau und die Schweinemast, Sohn Johannes ist Hühner-Fachmann. Sibylle Roller-Karschs Alltag ist von der Schweinezucht und den 70 Mutterschweinen auf ihrem Hof bestimmt. "Da gibt es viele Termine, die eingehalten werden müssen", erzählt sie. Die Mutterschweine werden besamt, der Tierarzt untersucht sie auf Trächtigkeit, dann werden die Tiere im Stall umgestellt - so der grobe Ablauf. Wenn die Mutterschweine abgeferkelt haben - ein Tier bekommt zwischen zwölf und 15 Ferkel - ist die Landwirtin besonders gefragt, denn die kleinen Schweine brauchen in den ersten Wochen besonders intensive Betreuung.

Ihren Betrieb strukturieren die Karschs derzeit um - und zwar nach den Kriterien der Zertifizierung "Hofglück" des Deutschen Tierschutzbundes. Die Tiere bekommen keine gentechnisch veränderten Futtermittel und haben mehr Platz in der Haltung. Eines der Kriterien ist auch, dass die Ferkel ihren langen Ringelschwanz behalten dürfen, der sonst üblicherweise nach der Geburt kupiert wurde. Abnehmer des Fleisches wie die Lebensmittelkette Edeka garantieren den Landwirten einen fairen Preis für ihr Fleisch. "Mich hat dieses Konzept überzeugt", sagt Sibylle Roller-Karsch, "und die Umstellung ist machbar".

Jetzt im Juni ist die Hauptarbeit der Landwirtin aber ihr Erdbeerfeld. "Das ist eine besondere Zeit, da bleibt nicht viel Zeit für anderes", sagt sie. Die Saison startet laut Sibylle Roller-Karsch voraussichtlich Mitte Juni. Dann können die Leute in der Erntezeit, die etwa vier bis fünf Wochen dauert, Erdbeeren selbst pflücken.

Das zweieinhalb Hektar große Erdbeerfeld betreibt die Landwirtin seit 2001. Die Idee dazu hatte sie, weil sie etwas auf ihrem Hof direkt vermarkten wollte. Dass die Erntezeit für Erdbeeren in den Juni fällt, kam da ganz geschickt, denn in diesem Monat gibt es auf dem Lindenhof "nicht ganz so viel zu tun".

Sibylle Roller-Karsch weiß aus Erfahrung, dass man es bei der Ernte der süßen Früchtchen nicht in der Hand hat, so sehr man sich auch bemüht und sie pflegt. "Die Erdbeere lehrt einen Demut", sagt die 46-Jährige. Alles hängt vom Wetter ab. Bei kühlen Temperaturen verlängert sich die Erntezeit. Im vergangenen Jahr war es allerdings zu Beginn der Saison kühl und dann zu heiß, so dass die Früchte verbrannt sind. "Bis jetzt bin ich aber optimistisch", sagt Sibylle Roller-Karsch mit Blick auf diese Saison.

Info In der Saison ist das Erdbeerfeld täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags sogar bis 20 Uhr.