Wessingen 13-jähriges musikalisches Ausnahmetalent

Wessingen / Stephanie Apelt 06.04.2018
Die junge Klarinettistin Chiara Holtmann aus Wessingen freut sich auf „Jugend musiziert“ auf Bundesebene.

Erst übte sie ein bisschen Klavier, doch schon als kleines Mädchen fand Chiara Holtmann die Klarinette faszinierender. Dabei gab es ein Problem. Sie hatte ja noch nicht einmal richtige Schneidezähne, wie sollte sie da einen ordentlichen Ton herausbringen? Die Eltern ließen sich erst überraschen, dann überzeugen. Beide sind schließlich selbst Musiker.

Vater Bernd Holtmann ist fest angestellter Klarinetten- und Saxophonlehrer an der Jugendmusikschule Hechingen und Umgebung, Mutter Eri Nakamura frei schaffende Klavierlehrerin – was wunderbar passt, so kann sie ihre Tochter bei Auftritten musikalisch begleiten. Die Familie wohnt in Wessingen.

Mit einem Klarinettenlehrer im Haus lag es natürlich erst einmal nahe, dass der Vater seinem begabten Töchterchen selbst die Grundlagen beibrachte. Was auf Dauer nicht die perfekte Lösung war, wie sich herausstellte, „irgendwie fehlte der notwendige Ernst“, gibt Bernd Holtmann zu. Einen Wunschlehrer aber gab es in der Nähe: Rudolf Mauz, „einfach eine Koryphäe“, dessen Lehrbücher und Noten fast jeder Klarinettenschüler nutzt. Chiara durfte vorspielen, „genau zwei Minuten lang“, erinnert sie sich. Eigentlich war kein Platz bei Mauz mehr frei, für Chiara schon. Seitdem fährt sie drei Mal in der Woche zum Unterricht nach Tübingen, besser gesagt, die Mutter fährt, „ohne Elterntaxi funktioniert es nicht“, sagt Eri Nakamura.

Ohne Elterntaxi geht’s nicht

2016 trat Chiara Holtmann beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ an, zunächst noch im Ensemble. Sie schaffte die Höchstpunktzahl, durfte aber nicht zum Bundeswettbewerb, dafür war sie einfach noch zu jung. In diesem Jahr ist sie zum ersten Mal als Solistin dabei. Die ersten zwei Stufen hat sie souverän genommen. Im Mai wartet der Wettbewerb auf Bundesebene. Groß bange ist der 13-Jährigen davor nicht. Auch wenn sie zugibt, „doch vor jedem Auftritt nervös zu sein“.

Geübt wird jeden Tag gut eine Stunde. Vor einem Wettbewerb  kann es auch schon mal etwas mehr sein. Mit der Schule hat die 13-Jährige, die in die achte Klasse des Hechinger Gymnasiums geht, keine Probleme. Lernen fällt ihr leicht. Für Auftritte bei Wettbewerben beantragen die Eltern eine Unterrichtsbefreiung. „Denn eines geht gar nicht: Schule schwänzen“, hakt die Mutter ein.

Musikunterricht, Konzerte (Chiara ist Mitglied im Jugendsymphonieorchester der Jugendmusikschule Tübingen und ganz frisch im Landesjugendorchester Baden-Württemberg), Schule, viele Jahre Japanischunterricht in Stuttgart (was jetzt einfach wirklich zeitlich nicht mehr passt), Jazz Dance und Ballett („auf Spitze“), trotz allem bleibt noch Zeit für Freundinnen und jede Menge Spaß.

Ein Leben ohne Musik kann  sich Chiara nicht vorstellen. Vielleicht möchte sie aber doch lieber Wissenschaftlerin werden. Mit 13 hat sie reichlich Zeit. Jetzt lautet ihr Ziel erst einmal: „Klar, der 1. Preis.“

Bereits doppelte Bundessiegerin: im Ensemble

2016 Schon vor zwei Jahren hatte die junge Klarinettistin Chiara Holtmann den Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Regional- und Landesebene souverän für sich entschieden. Sie war dabei Teil eines Ensembles. Weiter auf Bundesebene aber durfte sie nicht. Sie war damals einfach zu jung.

2017 Ein Jahr später wurde die junge Wessingerin doppelte Bundessiegerin. Im Ensemble (Duo und Trio) holte sie zwei 1. Bundespreise mit jeweils 25 von 25 möglichen Punkten. Und weil Chiara so ausgezeichnet spielte, wählte eine Jury sie zudem für ein Preisträgerkonzert aus, das live vom WDR übertragen wurde.

2018 In diesem Jahr tritt Chiara erstmals solo an. Und überzeugt: Beim Regionalwettbewerb im Januar erreichte sie einen 1. Preis mit der Höchstpunktzahl 25. Eine Stufe weiter, beim Landeswettbewerb im März, erspielte sie sich wiederum einen 1. Preis mit 25 von 25 möglichen  Punkten; sie war dabei in ihrer Altersgruppe (III) die einzige Musikerin mit Höchstpunktzahl. Nun wartet mit dem Bundeswettbewerb vom 17. bis 24. Mai die nächste musikalische Herausforderung.

Der Wettbewerb „Jugend musiziert“ ist das renommierteste Musikförderprojekt Deutschlands. Knapp eine Million Kinder und Jugendliche haben in den 55 Jahren seines Bestehens mitgemacht. Für viele von ihnen war dies der erste Schritt in eine erfolgreiche Musikkarriere. Träger des Bundeswettbewerbs ist der Deutsche Musikrat mit seiner gemeinnützigen Projektgesellschaft mbH, Träger der Landeswettbewerbe sind die Landesausschüsse. Die rund 160 Regionalwettbewerbe werden zum überwiegenden Teil von kommunalen Musikschulen unterstützt.

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