Bietigheim-Bissingen Zwei Mandolinen reichen aus beim Konzert mit Lichtenberg und Marshall

Catharina Lichtenberg und Mike Marshall begeistern im Kronenzentrum in Bietigheim mit nur zwei Mandolinen.
Catharina Lichtenberg und Mike Marshall begeistern im Kronenzentrum in Bietigheim mit nur zwei Mandolinen. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / SUSANNE YVETTE WALTER 23.04.2016
Zwei Mandolinen füllten den Kronensaal: Catharina Lichtenberg und Mike Marshall bewegten sich auf höchstem Niveau zwischen Bach und Bluegrass.

Zu den Exoten im Konzertsaal gehört bekanntlich die Mandoline. Vier Jahrhunderte reisen Catharina Lichtenberg und Mike Marshall der markanten Saitenträgerin hinterher und lassen sich sogar selbst von ihr inspirieren zu eigenen Kompositionen. Im Bietigheimer Kronenzentrum gestalteten sie am vergangenen Donnerstagabend ein zauberhaftes Konzert mit nur ganz wenig Verstärkung.

Wenn zwei Profis wie Lichtenberg und Marshall wie Zahnräder ineinander greifen, sind sogar Bach-Werke für Orgel willkommene Interpretationsvorlagen. Mit fliegenden Fingern gehen sie in Bietigheim gemeinsam das Orgelduett in G-Dur an, um gleich darauf tief, ganz tief ins amerikanische Traditional einzutauchen. Bach und Bluegrass liegen ganz nah beieinander. Daneben finden Barockmusik von Vivaldi und Eigenkompositionen der beiden Künstler, die mit ihren Mandolinen nicht nur um die ganze Welt reisen, sondern auch durch die Geschichte des Instruments, statt.

So schlossen sich zum Beispiel Lichtenbergs Hände schon um den Hals einer Mandoline aus dem Jahr 1775, aus dem Ferdinandeum-Museum in Innsbruck. Lichtenberg und Marshall sind auch im Leben ein Duett. Sie unterrichtet heute als Dozentin an der Hochschule in Köln, wo sie einst mit Bravour ihren Abschluss gemacht hat. Im Kronenzentrum schenkte man ihnen Offenheit und ließ sich begeistern für die beiden Verwandlungskünstler.

Marshall, der Amerikaner aus Florida, switcht gerne zwischen Jazz, brasilianischer Musik und klassischen Einlagen. In der Klassik gilt er als einer der innovativsten Musiker im Bereich der neueren Instrumentalmusik. Seine amerikanischen Wurzeln spürte man deutlich im Solo-Medley "Mandolin in the Americas". In "Borealis" sieht man das Nordlicht vorbeihuschen.

Seine Frau Catharina Lichtenberg lebt sich nicht weniger gern in Eigenkompositionen aus und lässt zum Beispiel in "Maras Sleeping" eine Atmosphäre der Geborgenheit entstehen. Zum Mosaik gehört auch, Künstler aus Insiderkreisen ins Rampenlicht des Konzertsaals zu rücken. Kaum jemand kennt Gabriele Leone und sein Werk "Air Nr. 4". Doch nach diesem Abend mit der Solo-Einlage von Catharina Lichtenberg hat er sich selbst ein Denkmal gesetzt.

Die stilistische Vielfalt und die kraftvolle Melodieführung beider, die nur etwas Verstärkung brauchen, um auch bis in die hinteren Reihen gehört zu werden, machen das Konzert zu einem kurzweiligen Erlebnis. Zwei Mandolinen reichen aus, um Musik in ihrer Vielschichtigkeit zu präsentieren. Für diese Leistung geizten die Bietigheimer nicht mit Beifall.