Tai-Chi, Ju-Jutsu oder Boxen. Unter diesen Kampfsportarten kann sich nahezu jeder etwas vorstellen. Doch was ist Eskrima? Einer, der diese Frage gerne beantwortet, ist Karsten Kalweit. Der 48-jährige Berufsschullehrer betreibt seine eigene Kampfsportschule in Bietigheim-Bissingen. Dort gibt er sein Wissen und Können über Tai-Chi und Eskrima an seine Schüler weiter. „Eskrima ist sehr lebendig, kreativ und realitätsbezogen“, meint Kalweit, „das liegt daran, dass es ursprünglich tatsächlich als Selbstverteidigung genutzt wurde.“

Die Wurzeln des Eskrima liegen auf den Philippinen. Während japanische Kampfkünste oft nur von der Oberklasse ausgeführt wurden, war Eskrima vor allem in der unteren Schicht verbreitet. Die Philippiner mussten sich zu Wehr setzen, gegen Eindringlinge aus Europa.

Rebellischer Charakter

So ist die Kampfsportart nicht nur von einem rebellischen Charakter geprägt, sondern auch von Einflüssen der spanischen Sprache. „Doble Baston“, „Espada y Daga“ oder „Mano-Mano“ sind nur drei der vielen unterschiedlichen Stile. „Es gibt im Eskrima keine richtige Systematik und unglaublich viele Stile, die alle auf Familientraditionen zurückzuführen sind“, erklärt Kalweit.

Mit dem Ausbildungsprogramm „Doce Pares Integrated“ möchte Kalweit die fehlende Systematik ausgleichen. Dieses Programm ist in zehn Stufen mit jeweils zwei Phasen unterteilt. Die einzelnen Phasen können auf das traditionelle Gürtelsystem japanischer Kampfkünste übertragen werden. So starten Einsteiger mit einem gelben Gürtel und können sich dann im Laufe der Jahre bis zu den schwarzen Gürteln, den Meistergraden, vorarbeiten. Kalweit kann sich nach rund 24 Jahren Eskrima den fünften schwarzen Gürtel um die Hüften binden: „Momentan möchte ich erstmal bei meinem 5. Dan bleiben. Irgendwann hat das dann auch nichts mehr mit leistungsbezogener Verbesserung zu tun ob man den 5. oder den 10. Dan hat.“

Bei Interessierten, die zum ersten Mal in seine Akademie zum Eskrima-Training kommen, fällt auf, dass es von Vorteil ist, irgendeine andere Kampfsportart schon davor gemacht zu haben. „Beim Eskrima fängt man an, mit Waffen, wie dem Stock oder einem Messer, zu kämpfen. Je höher dann das Leistungsniveau, desto weniger Waffen. Schlussendlich kämpft man dann ganz ohne“, so der Berufsschullehrer.

Momentan nimmt Kalweit einen starken Rückgang beim Interesse an Kampfsportarten wahr. In den 1980er-Jahren habe es den Hype, ausgelöst durch Filme wie „Karate Kid“ oder „Rocky“ gegeben. Für seine Akademie würde sich Kalweit einerseits mehr Schüler als die durchschnittlich zehn Personen wünschen – und  für das Eskrima einen höheren Organisationsgrad: „Es gibt eben keinen Überbau, kein Dach aus Verbänden wie zum Beispiel beim Judo. Durch die vielen verschiedenen Arten besteht eine starke Aufgesplittertheit. So kann das Eskrima nicht populärer werden.“

Niemand ist besser

Kalweits Augen leuchten, wenn er vom Eskrima spricht und sich an seine Aufenthalte auf den Philippinen, dem Ursprungsland der Kampfsportart, erinnert. Dort ist er regelmäßig alle paar Jahre, trifft alte Freunde und Bekannte und macht Eskrima. Um sich verbessern zu können, muss er nämlich zu den philippinischen Meistern. In Deutschland gibt es niemanden mehr, der besser ist als er. Der gebürtige Bietigheimer kann auf ein breites Repertoire an Kampfsportarten zurückgreifen.  Tai-Chi, Ju-Jutsu, Boxen oder Eskrima. Auf die Frage, was er am liebsten betreibt, antwortet er: „Schwer zu sagen. Das wechselt immer. Momentan fasziniert mich japanischer Schwertkampf sehr.“