Bietigheim-Bissingen / Sandra Bildmann  Uhr

Ah, hier ist es schön warm“, sagte ein Besucher und rieb sich die Hände, als er die Treppe zum Kleinkunstkeller hinabgeht und sich unter die tanzende Menge mischt. Doch kaum hat er sich zurechtgefunden, macht die Band eine Pause. Weil er nicht warten will, verlässt der Besucher den Keller in der Altstadt wieder. Auf in die nächste Location beim Bietigheimer Musikfestival Nightgroove.

Angestammte Nightgroove-Gäste waren in den vergangenen Jahren in Bezug auf das Wetter regelrecht verwöhnt worden. Selbst gegen Mitternacht war es oftmals noch nicht zu kalt, um im T-Shirt im Freien herumzulaufen. Diesmal jedoch näherten sich die Temperaturen gefährlich nahe dem Gefrierpunkt. Das trieb die Besucher ins Innere der Lokale. Von der 3000-Marke aus dem vergangenen Jahr war man mit 2400 Besuchern 2019 ein Stück entfernt. „Der Vorverkauf war identisch wie sonst auch“, berichtet Veranstalter Andreas Müller, „aber es waren etwa 600 Leute, die an der Abendkasse gefehlt haben.“ Er könne sich diesen Rückgang nur mit dem Wetter erklären, sagte Müller gegenüber der BZ, denn am Konzept und der Musik habe sich nichts grundlegend geändert.

Musik bis 3 Uhr morgens

Zwölf Bands in elf Lokalen bedienten unterschiedliche Musikstile. Los ging’s beim offiziellen Festivalstart mit Rock’n’Roll aus den 1950ern von „Ed Mind & The Minders“ bei Bullburger. Den Schlussakkord setzte die SWR-Elchparty gegen drei Uhr in der Lamabar. Als dort die Fete langsam Fahrt aufnahm, waren in anderen Lokalen die Instrumentenkoffer schon wieder eingepackt. Dazwischen jedoch lagen rund acht Stunden Live-Musik verschiedener Couleur. Während zum Beispiel in den Marktplatz-Arkaden die Besucher lautstark beim Flamenco-Pop von „Gipsy Voices“ mitsangen – etwa bei Songs wie „Guantanamera“ oder „Volare“ – ging es bei Blues und Boogie von Peter Heger und Edwin Karbaumer im Burghof ruhiger zu.

Direkt nebenan in der Kelter stieg die größte Party des Abends. Mit großer Bühne, Biertischen und mehreren 100 Besuchern kam Festzelt-Atmosphäre auf. Hits wie „I kissed a girl“ von Katy Perry oder Lady Gagas „Pokerface“ wurden allerdings nicht von der Gruppe „Double Trouble“ gespielt, sondern von der ersatzweise engagierten siebenköpfigen Band „Run for Cover“. Auf der anderen Straßenseite zwängten sich unzählige Besucher in den „Besa em Städtle“. Dort musizierte die lokale Größe „Krämer‘s Kit“. Die Band hatte sich auf fünf im Raum positionierte Podeste verteilt, sodass die Gäste sozusagen inmitten der Band standen. Unter die Besucher mischte sich auch die Alleinunterhalterin von „Die Band ohne Band“, die im Eiscafé Olivier Oldies, Pop und Rock, wie beispielsweise „Black Velvet“ von Alannah Myles sang.

Traditionell am dichtesten drängen sich die Besucher im oberen Bereich der Hauptstraße, wo Kleinkunstkeller, Bullburger, Henry’s und Rossknecht direkt nebeneinander liegen. Dorthin hatte es auch Michael Reyle aus Sachsenheim verschlagen. Er war mit einigen Freunden zum Nightgroove gekommen und erzählte, dass er privat eigentlich eher andere Musik hört. „Aber das ist eine Bietigheimer Tradition. Wenn das hier stattfindet, dann muss man auch hin“, befand der 25-Jährige und fügte hinzu: „Wenn ich kann, bin ich immer da.“

2020 ist schon in Planung

Veranstalter Andreas Müller plant derweil bereits den nächsten Nightgroove in der Bietigheimer Altstadt für Anfang Mai 2020. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Am Konzept solle sich nichts ändern, betont Müller. Nennenswerte Vorfälle habe es in diesem Jahr keine gegeben. Auch das für Anwohner eingerichtete Beschwerdetelefon habe nur einmal geklingelt. Der Anrufer habe über Lärmbelästigung durch Elektromusik im Bereich Turmstraße geklagt, berichtet Müller, „aber das konnte unmöglich vom Nightgroove kommen.“