Im Jahr 2026 könnte das 50-jährige Bestehen des Bissinger Hallenbads gefeiert werden. Doch nach dem jüngsten Beschluss des Gemeinderats von Bietigheim-Bissingen steht fest, dass es dazu nicht mehr kommen wird. Sehr zum Bedauern vieler Bissinger.

1976, ein Jahr nach dem Zusammenschluss der Gemeinde Bissingen mit der Stadt Bietigheim, war die Einweihung des neuen Bads mit einem großen Fest gefeiert worden. Der damalige Bürgermeister Hermann Silcher, neben seinem Vater und Vorgänger Ernst Silcher der Motor des Vorhabens „Ein Hallenbad für Bissingen“, stürzte sich am Ende der Einweihungsfeier in voller Montur und mit einem Regenschirm in der Hand vom Drei-Meter-Turm – vor Freude über das neue Bad für Jung und Alt.

Bedenken vor Ort

Umso größer ist das Bedauern, dass die Geschichte des Hallenbads im Ort, das in den letzten Jahren rund 65 000 Besucher im Jahr zählte, nun enden soll. Stadtrat Hermann Eppler (CDU), der, wie er sagte, in der Gemeinderatssitzung für die Bissinger sprach, erklärte, bei ihm seien „viele Bedenken aufgeschlagen“. Vor allem machte er auf die längeren Wege aufmerksam, die Bissinger Schüler nehmen müssen, wenn der Neubau im Ellental fertig ist. „Der Transport muss funktionieren“, forderte Eppler. Oberbürgermeister Jürgen Kessing erklärte im Gremium, den Bissinger Schülern werde es gehen wie anderen Schülern in der Stadt auch, die weitere Wege zurücklegen müssen. Es werde auf jeden Fall eine Abdeckung durch den Schulbus geben.

Wie berichtet, fiel die Entscheidung gegen einen Weiterbetrieb des Bads am Bissinger Standort, weil dieses dringend sanierungsbedürftig ist. Eine Sanierung im laufenden Betrieb oder eine Schließung und Grundsanierung an Ort und Stelle kam nach Ansicht von Verwaltung, Stadtwerken und Schwimmsportvereinen aber nicht infrage, wie es bereits im Bericht zur Sportstättenentwicklung hieß. Eine mehrjährige Schließung wäre existenzgefährdend für die Vereine gewesen. Zudem hätte es am gegenwärtigen Standort aus Platzgründen keine Erweiterungsmöglichkeiten gegeben.

Der gefasste Entschluss – zur großen Enttäuschung auch derjenigen, die sich ein 50-Meter-Becken erhofft hatten –, sieht vor, im Ellental am Ballkult-Standort ein neues Bad zu bauen, das auch wieder ein 25-Meter-Becken haben soll, aber 8 statt bisher 5 Bahnen. Außerdem ein Kursbecken für Schwimmkurse oder Wassergymnastik und eine Saunalandschaft. Betreiber werden die Stadtwerke sein, denen bisher schon die städtischen Bäder unterstehen und die 2015 auch den Ballkult samt Grundstück erworben haben. Die Kosten belaufen sich auf 16 Millionen Euro, die Stadt gibt einen Zuschuss in Höhe von sechs Millionen.

Wettbewerb geplant

Und so geht’s jetzt weiter: Zunächst sollen in einem Teilnahmewettbewerb Planerteams ausgewählt werden. Diese werden dann beauftragt, ihre Ideen in Entwürfen darzustellen und eine detaillierte Kostenschätzung zu erstellen. Über die Entwürfe soll ein Preisgericht entscheiden. Mit dem Siegerteam wird in der nächsten Phase der Entwurf an die betrieblichen und lokalen Anforderungen angepasst. Am Ende der Planung steht ein Baubeschluss durch den Aufsichtsrat der Stadtwerke und den Gemeinderat.

Die Stadt geht davon aus, dass der Baubeschluss vor der Sommerpause 2020 erfolgen könnte. Es wird mit einer etwa zweijährigen Bauzeit gerechnet. Das heißt, das neue Bad könnte, wenn alles glatt läuft, 2022 eingeweiht werden. Dann würde auch die Stunde für das alte Bad in Bissingen schlagen: Es soll mit Fertigstellung des Neubaus stillgelegt und das Grundstück anderweitig verwertet werden.