BZ-Aktion Zeichen der Hilfsbereitschaft: Fast 800 Einzelspenden

Die traditionelle Übergabe der Spenden, die die Leser der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung im Rahmen der BZ-Aktion Menschen in Not zur Verfügung gestellt haben.
Die traditionelle Übergabe der Spenden, die die Leser der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung im Rahmen der BZ-Aktion Menschen in Not zur Verfügung gestellt haben. © Foto: Helmut Pangerl
Jürgen Kunz 23.12.2017

Mein Dank gilt all jenen, die mit großen und kleinen Beiträgen geholfen haben, das überragende Ergebnis auch in diesem Jahr wieder zusammen zu bringen.“ So würdigte bei der traditionellen Spendenübergabe Manfred Gläser, Verleger und Vorsitzender des Vereins BZ-Aktion Menschen in Not, die Bereitschaft der BZ-Leser viel Geld in den Spendentopf der Weihnachtssammlung zu legen. Die Summe von 114 952 Euro zeige, dass die Aktion mit fast 800 Einzelspendern in diesem Jahr in der Leserschaft gut verankert sei, weil alle Beträge ohne Abstriche an die Adressaten übergeben werden und in der Zeitungs-Berichterstattung jederzeit nachvollzogen werden kann, was mit den Spendengeldern gemacht wurde, so Gläser.

Die Notwendigkeit, bei der Spendenvergabe auch jugendliche Projekte im Rahmen der Möglichkeiten bei den Spendenempfängern zu berücksichtigen, ist bei den Vereinsmitgliedern der BZ unbestritten. In diesem Jahr wird deshalb das Projekt „Kisel“ des Kreisdiakonieverbands Ludwigsburg, das Kinder suchtabhängiger Eltern betreut, mit 10 000 Euro unterstützt, und die Aktion „Soziale Gruppenarbeit“ der Jugendhilfe Vaihingen erhält 12 000 Euro. „Für die betreuten Jugendlichen ist die Adventszeit eine besonders schwierige Zeit“, sagte Pia Würtemberger, Mitarbeiterin im Projekt „Kisel“. Was in vielen Familien Normalität ist, gemeinsame Zeit zu verbringen und gemeinsam zu kochen, dies erleben die Jugendlichen nur in der Gruppe des „Kisel“-Projekts, das es 2017 nun 20 Jahre gibt.

10 000 Euro werden aus dem Spendentopf der BZ-Leser der Lebenshilfe Ludwigsburg für ihre Initiative „Lebensjahre“ zur Verfügung gestellt. Wie Lebenshilfe-Vorsitzenden Bernhard List erläuterte, habe das Thema Leben und Wohnen im Rentenalter von  behinderten Menschen die Lebenshilfe erreicht. „Es kommt lawinenartig auf uns zu“, ergänzte List. Im Wohnheim in der Karl-Mai-Allee in Bietigheim-Bissingen leben 50 behinderte Menschen, in ambulanten Unterkünften im Stadtgebiet etwa 40. Für die Lebenshilfe ergebe die ständig größer werdende Anzahl an Rentnern die Notwendigkeit, für die Behinderten eine Tagestruktur und -betreuung zu entwickeln. „Jetzt im Alter fällt der Lohn weg. Oft haben sie gerade einmal 100 Euro im Monat für die persönliche Verwendung zur Verfügung.“

Seit vielen Jahren unterstützt die BZ-Aktion die Arbeit der Diakonischen Bezirksstellen in Bietigheim-Bissingen und Vaihingen sowie die des Caritas-Familienzentrums in Bietigheim-Bissingen. Auch in diesem Jahr können den drei Organisationen jeweils 20 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Seit 40 Jahren gibt es die Diakonische Bezirksstelle in Vaihingen, erklärte dessen Leiter Michael Marek. In diesen vier Jahrzehnten sei die Gesellschaft so vermögend, wie noch nie zuvor geworden. „Daneben haben sich unsere Klientenzahlen versechsfacht“, so Marek und ergänzt: „Mit einem rasanten Tempo, gerade auch in der Altersarmut“. 2000 Beratungsgespräche gebe es in seiner Bezirksstelle im Jahr, meist mit existenziellen Problemen. Von „bedrohlichen Situationen“ sprach Rainer Bauer, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle in Bietigheim-Bissingen.

Dennoch sieht Marek es als Privileg, „dass wir diese Arbeit machen dürfen, und dabei hilft  die BZ-Aktion ungemein“. Die Intensität der notwendigen Beratungen mache allerdings Sorge. Marek: „Es gab auch in diesem Jahr mehrere Situationen, in denen die Spender der BZ-Aktion zu Lebensretter wurden.“

Natalie Vivaldi, die im März die Leitung des Caritas-Familienzentrum übernommen hat, berichtete von 190 Klienten mit rund 400 Beratungsgesprächen in diesem Jahr. „Diese Beratungen werden zunehmend komplexer“, erklärte sie. Es gehe oft um ganz praktische Alltagsfragen, mit deren Lösung die Abwärtsspirale aufgehalten werden müsse. „Mit einem Fahrplan geben wir Hilfen, um Ordnung in die Finanzen zu bringen.“

Seit 1997 steht der Bietigheimer Rolf Schnee in Verbindung mit Tansania, wo sein Förderverein Kusaidia Afrika ein Krankenhausprojekt fördert. „Es geht dort aufwärts, in einem friedlichen Miteinander, obwohl es dort mehr als 130 Volksstämme gibt“, so Schnee. Dennoch sei eine Unterstützung des Krankenhausprojektes noch lange notwendig. Positive Zahlen konnte er von der von seinem Förderverein initiierten Praktikanten-Ausbildung vermelden. Waren es im ersten Jahrgang gerade einmal zehn Studenten, die die vom Staat verschärften Zugangsbedingungen erfüllten, stieg die Zahl im Jahr danach auf 15. Aktuell gebe es 30 Anmeldungen für diese Ausbildung. Mit 8000 Euro aus dem BZ-Aktion-Spendentopf wird dieses Projekt in diesem Jahr unterstützt.