Bogenviertel Wunsch: Wenig Lärm, viel Grün

Der Entwurf von „Heim Kuntscher Architekten und Stadtplaner BDA“ aus München ist einer von sechs Plänen fürs Bogenviertel, die in der ersten Wettbewerbsrunde in die engere Wahl gekommen sind.
Der Entwurf von „Heim Kuntscher Architekten und Stadtplaner BDA“ aus München ist einer von sechs Plänen fürs Bogenviertel, die in der ersten Wettbewerbsrunde in die engere Wahl gekommen sind. © Foto: Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 17.05.2018

Die Einholung von Meinungen aus der Bürgerschaft zur Entwicklung des Bogenviertels war das Ziel der Planungsmesse Anfang Mai in der Aurainhalle (die BZ berichtete). Dafür benötigten die Planer eine Menge bunter Zettel: Fast 200 stichwortartig festgehaltene Wünsche, Anregungen und kritische Bemerkungen klebten am Ende an den für die sechs Planungsbüros in der Preisgruppe sowie die Stadtverwaltung installierten Stellwänden.

Die Ergebnisse, die jetzt in einer Dokumentation zusammengestellt werden und in die Auslobung zum Realisierungswettbewerb einfließen, unterstreichen, dass die Überplanung des Gebiets eine diffizile Angelegenheit ist, bei der man es nicht jedem recht machen kann.

Ein Thema, das an vielen Stellwänden auftaucht, ist der Lärmschutz. Nicht überraschend, denn das frühere DLW-Gelände und künftige Bogenviertel wird von der B 27, der Bahnlinie und dem Gewerbegebiet „Bigpark“ begrenzt. Das treibt offensichtlich viele Bürger um. Vorgeschlagen wird beispielsweise Schallschutz mit Abraummaterial oder Schallschutz auch an Fassaden von vornherein. Ein Lob gibt’s für Lärmschutz durch Hochhäuser.

In dem Quartier sind bekanntlich Wohn- und Gewerbeflächen vorgesehen, und es ist geplant, bei den Häusern in die Höhe zu gehen, um mehr Wohnraum zu schaffen. Die Hochhäuser haben, wie die Reaktionen auf der Planungsmesse zeigen, durchaus ihre Befürworter. So wird an einer Stellwand „Mut zur Höhe“ gefordert. Gleichzeitig wird bei einem anderen Entwurf vor einer Beschattung der gegenüberliegenden Seite der B 27 gewarnt.

Thema Turbokreisel

Es gibt aber auch den Wunsch nach unterschiedlichen Gebäudehöhen – und Wohnformen. Mehrgenerationenhäuser, Firmenwohnungen, einen Treffpunkt für Vereine, ein Kulturzentrum, Studentenwohnen, seniorengerechtes Wohnen, bezahlbarer Wohnraum für junge Leute – der Strauß an genannten Nutzungsmöglichkeiten ist wahrlich groß.

Knackpunkt Verkehr: Hier ist der Anschluss an die B 27 das Thema, das wiederholt auftaucht. Bedenken gibt es wegen Staus durch Ampelanlagen. Aber auch eine Lösung mit „Turbokreiseln“ gefällt nicht jedem. Es dürfe nicht noch mehr Verkehrsbelastung auf die Stuttgarter Straße kommen, wird als Wunsch an die Stadtverwaltung formuliert. Letzteres geht mit der Forderung, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, einher. Auch ein Radweg über die B 27 soll geprüft werden, so eine Anregung. Einem Besucher der Veranstaltung ist das Freihalten einer Fläche entlang der Bahnlinie als Option „für eine Verlegung der B­ 27“ wichtig.

Ausdrücklich positiv bewertet wird der von der Verwaltung gewünschte Erhalt des alten DLW-Hauptgebäudes. Darüber, wie dies geschehen soll, ist man sich allerdings nicht ganz einig. Das „Verwaltungsgebäude muss sich einfügen“ heißt es auf einem Zettel, es soll durch Kontrast herausstechen, wird als Gegenvorschlag geäußert.

Ausreichend Grünflächen in dem neuen Quartier sind den Bürgern ebenfalls wichtig, wie aus zahlreichen Beiträgen hervorgeht. So findet beispielsweise die in einem Entwurf enthaltene Grünfläche mit Bachlauf im Innern Befürworter. Aber auch die Idee eines „Grünen Herzens“ wird gelobt, ebenso Grünflächen auf den Dächern.

Präsentation auf IBA

Das ehrgeizige Ziel, ein Leuchtturmprojekt für die Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 in Stuttgart zu liefern, das eingangs auch der Verfahrensbetreuer Daniel Luchterhandt erwähnt hatte, taucht auf einem Zettel an der städtischen Stellwand wieder auf. Bis dahin ist es indes noch ein langer Weg. Als nächste Etappe steht nun der zweite Wettbewerb bevor, für den die sechs Büros ihre überarbeiteten Entwürfe einreichen werden. Wer Sieger wird, bestimmt am 7. November das Preisgericht.